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Meine Woche in Serie

"House of Cards": Rosenkrieg nach Underwood-Art

von Ulrike Klode
05.03.2016 - 09:23 Uhr

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"House of Cards" ist zurück. Unsere Kolumnistin Ulrike Klode hat hohe Erwartungen an die vierte Staffel. Außerdem geht es um die Entscheidung von HBO, keine "Game of Thrones"-Folgen vorab herauszugeben und um den Auftritt von Wissenschaftlern in "The Big Bang Theory".

Dicke Spoilerwarnung: Wenn Sie die dritte Staffel "House of Cards" noch nicht kennen, sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie die ersten drei Absätze nicht besser überspringen.

Obwohl die dritte Staffel "House of Cards" durchwachsen war, habe ich sie in sehr guter Erinnerung behalten: wegen der allerletzten Folge. Alle Menschen, die Frank Underwood gefährlich werden können, sind aus dem Weg geräumt oder werden in Schach gehalten - da entsteht plötzlich ein neuer, sehr mächtiger Gegner, indem Claire Underwood das Haus verlässt. Ein sehr kluger Schachzug der Drehbuchautoren, wie ich finde. Denn das beinhaltet zwei Dinge: Auf der einen Seite die Vorfreude auf einen End-Boss, der unserem geliebt-gehassten Frank Underwood ebenbürtig ist. Auf der anderen Seite enspricht die Entwicklung dem, was sich seit einiger Zeit in der Serien-Welt tut und was Netflix mit seinen Eigenproduktionen noch vorangetrieben hat: komplexe Frauencharaktere in den Mittelpunkt zu stellen. Und wie ich in der vergangenen Woche ja schrieb, wird es höchste Zeit für eine weibliche Anti-Heldin in einer Drama-Serie. Wie Sie sehen: Meine Erwartungen an die vierte Staffel, die seit Freitag verfügbar ist, sind sehr hoch. 

Milde Spoilerwarnung: Wenn Sie absolut gar nichts über die vierte Staffel "House of Cards" erfahren wollen, sollten Sie die nächsten zwei Absätze überspringen.

Sind meine Erwartungen vielleicht sogar zu hoch? Nach dem Anschauen von vier Folgen kann ich sagen: Nein. Sind sie nicht. Die Geschichte entwickelt sich zwar anders, als ich gedacht hätte. Doch das von mir erwartete Grundprinzip Underwood gegen Underwood ist da. Und es ist faszinierend. Was ich aus den vergangenen Staffeln gelernt habe: zwei Underwoods, die alles für ein gemeinsames Ziel tun, können spannend sein. Ein Underwood, der die andere vernachlässigt, ist langweilig. Aber zwei Underwoods, die gegeneinander in die Schlacht ziehen, das ist große Serienkunst. Das ist Rosenkrieg auf einem ganz anderen Niveau - subtil, intrigant, clever. Herrlich. Jetzt hoffe ich natürlich, dass die Staffel sich entsprechend entwickelt.

Neben all der Begeisterung muss ich allerdings noch einen Gedanken loswerden, der mich seit Ende Januar umtreibt: Mir hätte es nach Staffel 4 gereicht. Eine fünfte Staffel, wie sie Netflix Anfang des Jahres verkündet hat, ist nicht nötig. Obwohl mich die ersten vier Folgen sehr begeistert haben, bin ich immer noch der Meinung, dass eine fünfte Staffel überflüssig ist. Sollte ich am Ende der vierten Staffel nicht mehr dieser Meinung sein, würde mich das natürlich freuen. Doch selbst dann werde ich skeptisch an eine fünfte herangehen, weil Beau Willimon, der Showrunner und Mastermind der Serie, ebenfalls im Januar verkündet hat, dass für ihn nach der vierten Schluss ist. 

Spoilerwarnung zu Ende: Ab hier können Sie gefahrlos weiterlesen.

Kommen wir zu einer Serie, bei der ich auch zunehmend der Meinung bin, dass da mal Schluss sein könnte: "The Big Bang Theory". Die 200. Folge ist gerade gelaufen. Und obwohl die Serie für mich mittlerweile ihren Reiz verloren hat (worüber ich aber ein anderes Mal schreiben werde), hat mir diese Folge Spaß gemacht. Was mich besonders beschäftigt hat: der Auftritt von Stephen Hawking. Ja, der bekannteste lebende Physiker ist schon öfter dabei gewesen. Aber dieses Mal habe ich darüber nachgedacht, warum Hawking das macht. Weil er so großen Spaß daran hat? Kann ja sehr gut sein. Oder ist sein Mitwirken eine Art PR-Kampagne für Naturwissenschaften? Vielleicht beides? Ich weiß es nicht. Bei der Mitwirkung der Nasa bin ich mir sicher: Das war eine PR-Entscheidung. In Zeiten, in denen die Nasa immer wieder um Geld für ihre Forschungsprogramme und im Grunde um ihre Daseinsberechtigung kämpfen muss, kann es nur helfen, bei der populärsten amerikanischen Comedy eine wichtige Rolle zu spielen und echte Astronauten auftreten zu lassen. So bekommt man zwar nicht direkt Geld für neue Projekte, aber man erreicht die Herzen der Zuschauer, die wiederum diejenigen wählen, die Etats freigeben oder zusammenstreichen. 


(via Giphy)

Und jetzt zu einer Serie, in der es eher die dunklen Wissenschaften sind, die für sich werben: "Game of Thrones". Mich hat die Entscheidung von HBO, in diesem Jahr TV-Kritikern keine Folgen der neuen Staffel vorab zur Verfügung zu stellen, überrascht. Und obwohl ich es nachvollziehen kann - im vergangenen Jahr sind die vorher verschickten Screener geleakt worden (ich war's nicht!) -, halte ich es für überzogen. Denn meiner Meinung nach schadet es der Serie kein bisschen. Im Gegenteil: Es erhöht den Buzz in den Tagen vor der Veröffentlichung der neuen Staffel. Weswegen ich im vergangenen Jahr auch wirklich dachte, dass das Leaken ein PR-Trick war - offenbar lag ich damit falsch, wie die Reaktion in diesem Jahr zeigt. Wo ist der Schaden? Die Leute, die die Serie illegal downloaden, machen das ohnehin - egal, ob vor dem Start oder nach dem Start. Und wer sich die Spannung dadurch verderben lässt, dass er oder sie vorab Spoiler-Text liest, tut das doch in eigener Verantwortung. Persönlich ärgert es mich natürlich, dass im vergangenen Jahr jemand so blöd war, die Folgen zu veröffentlichen. Das schadet erstens dem Ansehen von uns Serienkritikern (ich würde das nie tun, weil ich das höchst unethisch finde) und zweitens hat es für mich jetzt ganz konkrete Nachteile: Ich werde nicht die Chance haben, mir zu Staffel 6 vorab eine Meinung zu bilden, die auf mehreren Folgen basiert. 

Und zum Schluss habe ich noch einen Gucktipp:

"The Shannara Chronicles" ist seit Mittwoch komplett bei Amazon Video Prime zu sehen. Als die Serie startete, hatte ich hier darüber geschrieben und wusste noch nicht so recht, ob ich überzeugt bin. Doch ich bin drangeblieben und das hat sich gelohnt. Natürlich hat sie nicht unbedingt "Game of Thrones"-Niveau, aber sie ist eine gut gemachte Fantasy-Serie mit überzeugenden Bösewichten und guten Effekten, dazu ein bisschen Herz-Schmerz. Und dass die Schauspielerinnen und Schauspieler allesamt so gut aussehen, weil es sich um eine MTV-Produktion handelt, ist ja nicht unbedingt etwas Schlechtes. ;-)

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das alles gucken, über das ich schreibe?

"House of Cards", Staffel 4: Ist aus Rechtegründen in Deutschland NICHT bei Netflix zu finden, sondern bei Sky. Alle Folgen auf einen Schlag gibt's bei Sky Go/Sky Online, wöchentlich freitags werden die Folgen bei Sky Atlantic ausgestrahlt (synchronisiert und im Original). Bei Amazon Video werden die Folgen einen Tag nach Ausstrahlung im Pay-TV zu sehen sein.

"Game of Thrones": Alle fünf bisherigen Staffeln gibt's bei Amazon Video, iTunes, Maxdome, Wuaki. Die sechste Staffel soll am 24. April in den USA starten und soll in Deutschland zeitgleich bei Sky Go zu sehen sein. Ab 21. März zeigt der Pay-Sender Sky Atlantic die alten Folgen.

"The Big Bang Theory", Staffel 9: Alle bisher in den USA gesendeten Folgen von Staffel 9 sind bei iTunes, Maxdome und Videoload verfügbar. 

Wer mir auf Twitter folgen möchte, kann das hier tun: @FrauClodette.

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