© Patrick Harbron/Netflix
Meine Woche in Serie

"Daredevil" und Co.: Superheldenserien, wie ich sie mag

von Ulrike Klode
26.03.2016 - 08:44 Uhr

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Unsere Kolumnistin Ulrike Klode dachte, dass Superheldenserien eigentlich nichts für sie sind - mit Ausnahme von "Jessica Jones". Doch dann schaute sie in "Daredevil" rein und war äußerst verblüfft.

Superhelden im Fernsehen sind normaler geworden. Und das ist faszinierend. Vor "Jessica Jones" hatte ich zu Superhelden-Verfilmungen folgende Meinung: als Kinofilm? Joah, sehr unterhaltsam auf dem Riesenscreen. Aber macht bitte bloß keine Serie draus. "Smallville" fand ich doof, "Gotham" auch, und alles dazwischen hat mich auch nicht interessiert. Was weder an der Qualität der Umsetzungen lag - noch an den Comic-Vorlagen (die ich nämlich gar nicht kenne). 

Doch dann kam "Jessica Jones" daher und haute mich um. Und ich dachte, dass es an dieser einen Figur lag, deren Geschichte und Art mich interessierte - düster, mit Traumata kämpfend. Bis ich vor ein paar Tagen meine erste Folge "Daredevil" geschaut habe (ja, genau, während sich sehr viele Menschen weltweit begeistert auf Staffel 2 stürzten, habe ich gerade mal die erste angefangen). Ich war schon vom Vorspann gefesselt (wer mag, kann ihn sich hier angucken) - und habe ab Folge 7 Nebenfiguren in irgendwelchen Marvel-Wikis nachgeschlagen. Weil mich plötzlich sogar das Universum interessierte. Bis dahin unvorstellbar.

Warum? Das ist wirklich schwer zu sagen. Denn eigentlich finde ich, dass die Figur Daredevil weniger faszinierend ist als Jessica Jones. Und das, was er macht, ist auch schon tausendmal dagewesen: die Welt retten (die Welt ist seinem Fall der New Yorker Stadtteil Hell's Kitchen). Aber - und jetzt kommt ein ganz großes Aber - Wilson Fisk ist eine Wahnsinnsfigur (und eine Wahnsinnsperformance, die Vincent D'Onofrio hier hinlegt). So ganz anders als die Bösewichte, die ich aus anderen Superheldenverfilmungen kenne. Er ist ein großer, breiter Mann und wirkt doch wie ein kleines, weiches Baby, er hat unglaublichen Einfluss und wirkt doch oft unsicher. Und er hat diese seltsame Art zu reden: mit einer rauhen Stimme, die wegzukippen scheint, die Sätze oft unvollendet. Was er will? Auch nur die Welt - also Hell's Kitchen - retten.


(via Giphy)

Der Weltrettungsplan von Wilson Fisk ist natürlich anders, als Daredevil sich das vorstellt. Und deswegen - Pow!Wham! - bekämpfen sich die beiden bis aufs Blut. Wie das eben so ist in Superheldenserien. Was mir noch gefällt: die Kampfszenen. Die folgen nämlich nicht dem Schema S - Superheld setzt Superkräfte ein und superschnell gewinnt er gegen jeden. Nein, Daredevil muss hier richtig ausdauernd kämpfen und leiden, er hat einfach nur sehr starke menschliche Kräfte. Und ich ertappe mich dabei, dass ich ihm jedes Mal zurufen will: Mensch, Junge, leg Dir endlich einen Superhelden-Anzug zu! Damit die Bösen Dich nicht so leicht verletzen können.

Dieses Universum, so wie es in "Jessica Jones" und in "Daredevil" dargestellt und interpretiert wird, ist also ganz nach meinem Geschmack. Daher freue ich mich darauf, Luke Cage in seiner eigenen Serie zu sehen. Der hat mir als Charakter in "Jessica Jones" gut gefallen. Und wenn die Serie hält, was "Jessica Jones" und "Daredevil" versprechen, dürfte das auch wieder eine Superheldenverfilmung nach meinem Geschmack sein. Und wenn ich durch ihn noch ein bisschen mehr über dieses spezielle Universum gelernt habe, werde ich mich vermutlich auch auf "The Defenders" freuen, wenn Jessica Jones, Daredevil, Luke Cage und Iron Fist (den ich bis dahin sicher auch kennengelernt haben werde) gemeinsam kämpfen. Bisher kann ich mir dieses Quartett noch schwer vorstellen. 

Und was ist mit "Supergirl", über die ich mich hier schon lobend geäußert habe? Ja, mag ich. Weil sie unterhaltsam ist. Und obwohl sie so ganz anders ist als "Jessica Jones", so bunt, so gut gelaunt. Damit passt sie also nicht in meine oben mühsam hergeleitete Begründung? Ja, ich weiß. Trotzdem. Und in so einem Fall passt immer: Ausnahmen bestätigen die Regel. ;-)


(via Giphy)

Und zum Schluss habe ich noch einen Gucktipp und einen Hörtipp:

Bond in Serie: "The Night Manager" ist große Spionage-Serien-Kunst. Tom Hiddleston spielt den Guten, der zum Spion wird und sich den Verlockungen der Welt des Bösen aussetzen muss. Hugh Laurie spielt den Bösen. Beide sind wunderbar, die Adaption des John-le-Carré-Klassikers ist wirklich spannend. Ab 28. März sind alle sechs Folgen bei Amazon Video (Prime) verfügbar.

In der Folge des "The Vulture TV Podcast" vom 21. März diskutieren Matt Zoller Seitz und Gazelle Emami mit dem Comic-Experten des "New York Magazine", Abraham Riesmann, das Superhelden-im-Fernsehen-Business: Wer hat welche wirtschaftlichen Interessen? Welche interessanten Verfilmungen gibt es? Wie unterscheiden sich die verschiedenen Darstellungen? Warum ist Fisk so faszinierend? Warum ist "Jessica Jones" außergewöhnlicher als "Daredevil"? Achtung, es gibt Spoiler für beide "Daredevil"-Staffeln und "Jessica Jones". Die Folge gibt's direkt bei Soundcloud, bei iTunes - und natürlich aufrufbar in einer Podcast-App.

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das alles gucken, über das ich schreibe?

"Jessica Jones": Nur bei Netflix. 

"Daredevil": Nur bei Netflix.

"Supergirl": Läuft dienstags um 22.15 Uhr bei ProSieben, gibt's aber auch bei Amazon Video, iTunes, Maxdome, MyVideo, Sony, Videoload.

Wer mir auf Twitter folgen möchte, kann das hier tun: @FrauClodette.

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