Kuriose Kampfprogrammierungen

Auf in den Kampf: Wenn Sender in den Krieg ziehen

von Alexander Krei
24.11.2011 - 09:55 Uhr

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Als die Show Anfang 2001 doch noch ausgestrahlt werden sollte, kam RTL dem Sender mit "Ich heirate einen Millionär!" wenige Tage zuvor - mit einem leicht verwirrten Werner Schulze-Erdel als Moderator. Bis heute hält der Kölner Sender die Show unter Verschluss, vermutlich weil man sich für das schämt, was an besagtem Mittwochabend über den Sender ging. Denn nur einen Tag nach der Ausstrahlung hatte RTL einen faustdicken Skandal am Hals: Der heiratswillige Millionär kannte die auserwählte Frau nämlich bereits. Doch auch Sat.1 hatte Pech: Nachdem der zunächst als Moderator vorgesehene Jörg Wontorra die Sendung als zu unseriös abstempelte, musste schließlich Franklin ran.

Und nicht nur das: Die Frage "Wer heiratet den Millionär?" blieb nämlich gänzlich unbeantwortet, da der angebliche Millionär gar keiner war und die Siegerin letztlich ohnehin nicht heiratete. Sat.1 hätte es allerdings ahnen können: Zuvor hatte es im US-Original nämlich einen ähnlichen Skandal gegeben. Auch im Falle seiner Eistanz-Show "Dancing on Ice" kam RTL der Konkurrenz zuvor: Am 21. Oktober 2006 wollte RTL ursprünglich seine neue Show starten. Die Reaktion von ProSieben ließ nicht lange auf sich warten: Rein zufällig sollte der Start der fast identisch aufgebauten ProSieben Eiskunstlaufshow "Stars auf Eis" genau drei Tage eher, nämlich schon am 18. Oktober auf Sendung gehen.

Genüsslich sprach ProSieben in der Pressemitteilung auch von der "ersten deutschen TV-Eiskunstlaufshow". RTL nur die Nummer zwei? "Denkste", dachte man sich wohl bei RTL und zog den Start seines Formats nun kurzerhand um fast zwei Wochen vor. Der Auftakt von "Dancing on Ice" fand nun schon bereits am 9. Oktober statt - und lief ausnahmsweise an einem Montagabend. RTL-Chefin Anke Schäferkordt betonte wenig später, dass Programmentscheidungen unabhängig von Mitbewerbern getroffen würden. So recht glauben konnte man das damals allerdings - ebenso wie auch schon im Fall der Chart- und Millionär-Shows. 

Gut fuhr RTL in den vergangenen Jahren auch damit, seine Shows "Deutschland sucht den Superstar", "Das Supertalent" und "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" gegen "Wetten, dass..?" zu programmieren. Jahrzehnte lang galt der Show-Klassiker im ZDF als unantastbar, sodass die Konkurrenz freiwillig die Segel strich und auf alte Filme setzte. Selbst "DSDS" pausierte in der Anfangszeit noch, wenn Thomas Gottschalk auf der Matte stand. Bis Dieter Bohlen kam - oder genauer gesagt dessen Zeichentrick-Figur. Die Ankündigung von RTL, den mitproduzierten "Bohlen"-Film, der es nicht einmal ins Kino schaffte, im März 2006 gegen Thomas Gottschalk laufen zu lassen, klang zunächst nicht so, als hätte man in Köln einen großen Erfolg vermutet. 

Nach einem wirksamen Duell mit Dieter Bohlen in der "Bild"-Zeitung, welches zwar von Gottschalk begonnen wurde, aber letztendlich allein RTL genutzt haben dürfte, holte "Dieter - Der Film" hervorragende 30,5 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. Der sonst unangefochtene Thomas Gottschalk lag mit "Wetten, dass..?" beim jungen Publikum mit 32,7 Prozent Marktanteil nur knapp vorn. Insgesamt hatte Gottschalk mit mehr als 13 Millionen Zuschauern deutlicher die Nase vorn - RTL musste sich mit "nur" 5,51 Millionen begnügen, hatte aber Morgenluft gewittert. Inzwischen hat sich das Blatt zumindest in der Zielgruppe gewendet: Mit seinen Shows läuft RTL dem ZDF regelmäßig den Rang ab. Und so fürchtete sich zumindest in Köln in den vergangenen Jahren niemand mehr vor "Wetten, dass..?".

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