Foto: Sat.1/Willi WeberManche Dinge dauern ja etwas länger als gedacht. So auch die Fortsetzung der „Schillerstraße“, deren Sommerpause anderthalb Jahre lang geworden ist. Wie kam‘s dazu?

Ich muss gestehen, dass ich mir das neulich auch mal überlegt habe und ich glaube es lag an mir. Die „Schillerstraße“ ist mein Baby - und das hat irgendwann extrem viel Kraft gekostet. Da brauchte ich 2007 einfach eine Pause und hatte das Glück, mit Marc Schubert einen Produzenten zu haben, der das mitgemacht hat – insbesondere auch die Länge der Pause. Denn welcher Produzent sagt schon, wenn der Sender auf ein Comeback drängt, dass man lieber noch etwas länger pausiert. Da geht ja Umsatz verloren. Dafür bin ich ihm natürlich sehr dankbar.

Wobei es nur in Deutschland eine Pause für die „Schillerstraße“ gab. SevenOne International vermeldete munter Verkäufe ins Ausland. Wieviel Arbeit bedeutete das für Sie?

Die „Schillerstraße“ hat mich in der Tat nicht wirklich losgelassen. Ich war viel unterwegs und habe die ausländischen „Schillerstraße“-Produzenten beraten. Das gibt unglaublich viel Auftrieb und Energie, wenn man sieht, wie das Format selbst in fremden Ländern mit teilweise fremden Kulturen spontan angenommen wird. Ich versteh natürlich meistens kein Wort von dem, was auf der Bühne gesprochen wird, aber die Ausstrahlung der Darsteller und die Reaktionen des Publikums sprechen für sich. Und dann denk ich mir schon „Mensch, die spielen gerade mein Spiel“. Und als ich sah, wie gut das Konzept selbst mit uns fremden Protagonisten funktioniert, ließ sich für mich daraus auch der Schluss ziehen: Dann schaffen wir das mit einer neuen Besetzung auch.
 

 
Gab es keine Konflikte mit den lokalen Produzenten der ausländischen Adaptionen?

Es fühlt sich natürlich schon komisch an, wenn die eigene Idee abgewandelt wird. Und es kam auch vor, dass lokale Produzenten sehr zweifelhafte Ideen hatten, wie man das Format verändern könnte. Da habe ich mich manchmal gefragt, wieso sie eigentlich überhaupt die Rechte gekauft haben, wenn sie etwas völlig Anderes daraus machen wollen. Ideal war es, wenn sich die Produzenten unsere deutsche Produktion angeschaut haben und dann um Hilfe baten, es genau so umzusetzen. Das ist eine schöne Wertschätzung. Die unterschiedlichen Kulturen führen aber zwangsweise zu Änderungen, über die man erstmal stutzt und sich dann eines besseren belehren lässt. In der Türkei stehen zum Beispiel ein bekannter Comedian und seine Haushälterin im Mittelpunkt. Und ich war sehr skeptisch wegen der Haushälterin, bis man mir versicherte, dass das üblich sei und für das türkische Publikum nicht abgehoben wirkt.

In den USA hat es ja nicht geklappt. Die Rechte an der „Schillerstraße“ wurden zwar verkauft, aber produziert wurde nicht.
 
Richtig, aber ich glaube nach wie vor, dass es auch in den USA funktionieren würde. Das wäre ein Ritterschlag. Aber auch als die Engländer ihren Piloten gedreht haben, war ich sehr stolz. Gerade wo dort doch immer über die Humorlosigkeit der Deutschen gelästert wird. Aber da weiß ich gerade gar nicht, was dort Stand der Dinge ist.

Wann begann denn die Suche eines Nachfolgers für Cordula Stratmann?

Im Grunde direkt vor unserer Pause. Während ich damals, wie früher in der Schule vor den großen Ferien, die Tage bis zur Pause gezählt habe, kam Cordula und sagte uns, dass sie aufhören möchte. In dem Moment war klar, dass die Pause warten muss und wir uns direkt auf die Suche begeben wollen. Wir haben die sehr renommierte Casterin Simone Bär beauftragt, für uns im Schauspieler-Bereich zu suchen. Da haben wir auch drei sehr lustige Jungs gefunden. Aber immer noch keine Frau...die sind ja leider nicht so leicht zu finden in der Comedy. Deshalb haben wir später auch noch ein offenes Casting in Hamburg an der Stage School gemacht - da fühlte ich mich allerdings wie in der Jury von „Deutschland sucht den Superkomiker“. Wir hatten keine Vorgabe außer: Die Kandidaten haben zwei Minuten Zeit, uns zum Lachen zu bringen. Was da für Leute kamen: Unglaublich!