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"Talk ohne Show"-Produzent im Interview

Christian Seidel: TV-Produzenten fehlt der Mumm

 

Er produziert bei N24 den "Talk ohne Show" und ist zufrieden mit seinem Dasein in der Nische. Für Christian Seidel sind deutsche TV-Macher allerdings quotengeile Nachäffer.

von Jochen Voß
11.04.2007 - 09:10 Uhr

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Grafik: DWDL.deHerr Seidel, Sie sind in Personalunion Produzent und Redaktionsleiter der Sendung „Talk ohne Show“ bei N24. Sind sie gerne Fernsehmacher in der Nische?

Ich bin keiner von denen, die sich auch noch mit dem letzten Atemzug im große Fernsehgeschäft sonnen müssen. Für mich ist „Talk ohne Show“ eine kleine feine Sendung, die wöchentlich läuft und mit einem sehr hohen Maßstab an Aktualität und journalistischem Niveau umgesetzt wird. Man muss inhaltlich ehrlich und authentisch sein. Man fühlt sich als Macher sonst auch nicht gut dabei. Alles andere führt zu einem Boomerang-Effekt: Mit Effekthascherei erzielt man vielleicht kurzfristig einen Quotenerfolg, aber langfristig geht das Ding nach hinten los. Das ist wie mit den Schaulustigen bei einem Verkehrsunfall: Alle schauen zuerst gebannt hin, und dann erschrocken weg.

Was genau machen Sie bei der Sendung?


Ich bin journalistisch verantwortlich für Thema, Gästeauswahl und bereite die inhaltlichen Zutaten der Sendung vor. Das erfordert, dass man intensiv an einem Produkt arbeitet. Es laufen in der Branche unheimlich viele Leute rum, die bei drei oder vier Sendung parallel dies oder jenes machen. Letztlich sind die alle weniger inhaltlich engagiert, sondern nichts anderes als quotengeil. Für die Quote gibt es aber keine Regel, da gibt es immer wieder Überraschungen. Es ist besser sich auf ein Projekt zu konzentrieren, bis es im Idealfall seine optimale Form erreicht.
 


Wie stellen stellen Sie sicher, dass böse Überraschungen ausbleiben? Setzen Sie auf Themen oder auf die Gäste?


Es ist eine Mischung aus beidem. In erster Linie setze ich auf Authentizität. Verschiedene Faktoren werden allerdings überbewertet. Prominente sind für eine erfolgreiche Sendung zumeist unerheblich. Sie sind kein Quotenvitamin – eher umgekehrt. Promis sind wie Fata Morganas und zumeist nur ein kurzer Augenschmaus. Man sieht häufig, dass die Einschaltquoten schlecht sind, wenn ein Promi, der meist nur etwas verkaufen will, in einer Sendung zu Gast ist.

Warum ist das so?


Da fehlt einfach der Neuigkeitswert. Die Zuschauer sind inzwischen viel medienintelligenter als man denkt. Sie durchschauen PR-Mechanismen und kennen sich besser aus als mancher Fernsehmacher meint. Jeder Zuschauer ist heute ein kleiner Medienmanager. Da können wir nicht mehr durchdringen mit irgendwelchen Halluzinationen, die wir vorgaukeln. Bei vielen Formaten wird der Zuschauer für blöd verkauft.
 
Mal von den Gästen abgesehen: Wie wichtig ist die Figur des Moderators für den Erfolg?

Entscheidend. Der Moderator ist in der Sendung der ausführende Koch. Wenn der nicht gut ist, funktioniert die ganze Sendung nicht. Ich als Macher kann nur die ganzen Zutaten zusammenzubringen, der Moderator kocht dann, rührt im richtigen Moment um, salzt und pfeffert, dreht die Flamme hoch , und würzt bei Bedarf nach .

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