9Live-Geschäftsführer Ralf Bartoleit © 9Live
DWDL.de-Interview

9Live-Chef Bartoleit: Wir sind nicht in der Grauzone

 

Es ist still geworden um 9Live und die aktuellen Umsätze sind längst von ehemaligen Spitzenwerten entfernt. In einem seltenen Interview erklärt Geschäftsführer Ralf Bartoleit, warum Call-In aus seiner Sicht schwächelt und wie 9Live reagieren will...

von Thomas Lückerath
31.08.2010 - 00:03 Uhr

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Rolf BartoleitHerr Bartoleit, es ist so still geworden um 9Live. Woran liegt es?

Wir haben die Stille genutzt, um zahlreiche neue Geschäftsmodelle zu testen und zu entwickeln. Wir haben den Sender weiterentwickelt und dadurch in den letzten zwei Jahren die Abhängigkeit von Call-TV bei den Umsätzen schon deutlich reduziert.

Aber ein Kurs ist dabei noch nicht erkennbar...

Die große Leitlinie ist für uns, 9Live vom reinen Call-TV-Sender zum Transaktionssender – oder noch klarer – zum Leuchtturm für neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Das heißt: Die übergeordnete Klammer bilden die Themen Transaktion und Kunden. Wir stellen uns breiter auf und suchen nach neuen Erlösthemen, um die Tatsache, dass unsere Zuschauer deutlich transaktionsaffiner als die anderer Sender sind, optimal zu nutzen. Und da geht weit mehr als nur Call TV. Natürlich gibt es in der gegenwärtigen Phase unterschiedliche Themenfelder, aber der Business-Ansatz ist überall derselbe.

9Live will also weg vom Call-In-Gewinnspiel?

Call-In wird auch mittelfristig eine wichtige Säule von 9Live bleiben. Aber ich sehe es als meine Aufgabe an, den Sender auf mehrere, neue, ertragreiche Säulen zu stellen – und da sind wir bereits auf einem guten Weg.

Das ist nötig, weil das Interesse an den 9Live-Gewinnspielen sinkt. Haben die Berichte über 9Live ihren Anteil daran?

Nein. Fakt ist: Wir hatten in Deutschland ein Überangebot an Call-In, weil Call-In sehr erfolgreich war. Mit dem Überangebot ist eine gewisse Marktsättigung einher gegangen.

Das soll der einzige Grund sein?

Nein, was noch einmal ganz deutlich zu einem weiteren Rückgang geführt hat, ist die Gewinnspielsatzung vom März letzten Jahres. Die Landesmedienanstalten haben uns dabei eine Reihe neuer Vorgaben auferlegt, die manche Zuschauer leider abschrecken. Unser Bildschirm sieht inzwischen aus wie „Bloomberg“, aber unsere Kunden sind keine Broker. Wir sind ein Unterhaltungssender, werden aber überreguliert. Wir haben aber verstanden, dass es in Deutschland kein Call-TV ohne einen klaren rechtlichen Rahmen geben wird.

An den Richtlinien haben Sie aber aktiv mitgewirkt und sie bei der Einführung noch ausdrücklich begrüßt...

Wir sind ja auch daran interessiert, dass es einen angemessenen Regulierungsrahmen gibt, damit Call-TV nachhaltig betrieben werden kann. Aber in der Richtlinie sind – wie bereits gesagt – Punkte enthalten, die aus unserer Sicht über das Ziel hinaus schießen, insbesondere die zu weit gehenden Informationspflichten.

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