Lerchenberg © ZDF / J.R. Voss
DWDL.de-Interview mit den "Lerchenberg"-Macherinnen

"Lerchenberg" im ZDF: "Von der Realität eingeholt"

 

Gerade überraschte das ZDF mit der Ankündigung, im kommenden Jahr eine Sitcom über sich selbst zeigen zu wollen. Mit DWDL.de sprachen Milena Bonse und Katharina Dufner vom ZDF über Selbstironie, Klischees und Sascha Hehn...

von Alexander Krei
26.11.2012 - 10:04 Uhr

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Milena Bonse und Katharina Dufner
© ZDF
Frau Bonse, Frau Dufner, seit ein paar Tagen sind die Planungen zu "Lerchenberg" nun raus. Waren Sie verwundert über die vielen Reaktionen zur Meldung, dass sich das ZDF an eine Sitcom wagen wird?

Bonse (Foto, links): Wir waren schon darüber überrascht, dass alleine die Ankündigung der Serie so positiv aufgenommen wurde.

Dufner: Wir dachten immer, dass es die Leute interessieren müsste. Einige waren aber der Meinung, dass die Serie zu selbstreferentiell wäre. Insofern hat uns das erste Echo sehr gefreut.

Das ZDF gibt sich jedenfalls sehr selbstironisch. Wie konnte das denn passieren?

Dufner: Die Selbstironie finden Sie im ZDF ja auch heute schon an einigen Stellen, etwa in der "heute-show" oder bei Monika Gruber und "Neues aus der Anstalt". Fiktional ist das aber schon neu. Da passiert es logischerweise in der Nachwuchs-Redaktion im Entwicklungslabor. Alles hat seinen Platz, manches in der Show und manches im Kleinen Fernsehspiel.

Es ist ja ohnehin eine interessante Konstellation. Auf der einen Seite das Kleine Fernsehspiel, auf der anderen Seite eine kleine Produktionsfirma, dazu ein Debüt-Regisseur und ein Debüt-Autor. Wie kommt es denn zu dieser Konstellation?

Bonse: Wir haben uns bereits 2008 zusammengesetzt und mit der Entwicklung begonnen. Es ging uns darum, ein Format über einen gealterten Star zu machen, der sein Comeback im ZDF sucht. Da war uns übrigens schon von Anfang an klar, dass wir das mit Sascha Hehn machen möchten. Uns war klar: das Projekt scheitert, wenn Sascha Hehn nicht mitmachen will. Es hat eine Zeit lang gebraucht, bis alle überzeugt waren und alles auf den Weg gebracht wurde. Als Nachwuchs-Redaktion haben wir aber glücklicherweise ein paar Freiheiten, vor allem was das Experimentieren und Pilotisieren von beispielsweise Serienpiloten betrifft. Das ist ja auch der Auftrag an uns und an das Formatlabor Quantum, das im kleinen Fernsehspiel angesiedelt ist und in dem "Lerchenberg" entstanden ist.

Dufner: Man trifft auf Festivals viele Nachwuchs-Filmemacher und kommt ins Gespräch. Wir haben uns von Beginn an die Frage gestellt, welche Art von Serien wir selbst gerne schauen würden. Daraus ist dann allmählich die Idee zu "Lerchenberg" entstanden.

Wie hat eigentlich Sascha Hehn reagiert, als sie ihm vorgeschlagen haben, einen gealterten Fernsehstar zu spielen - der noch dazu Sascha Hehn heißt? Klingt ja erst mal nicht sehr schmeichelhaft...

Bonse: Wir haben uns langsam und vorsichtig an ihn herangetastet, weil wir Angst vor einer Absage hatten. Umso größer war die Erleichterung, dass er das Projekt mutig fand. Deswegen mussten wir ihn auch gar nicht lange davon überzeugen. Er hielt die Idee für lustig und fand es gut, wenn das ZDF so etwas machen würde.

Dufner: Sascha Hehn hat sehr viel Humor und forderte sogar noch mehr Scherze. Er hat die Bücher schon im sehr frühen Stadium zu lesen bekommen und immer wieder Anregungen gemacht, in welche Richtung sich die Dialoge entwickeln könnten. Er ist da sehr offen und mutig.

Und jetzt ist er plötzlich "Traumschiff"-Kapitän. Kam Ihnen das in die Quere?

Bonse: Das hat uns in der laufenden Entwicklung ziemlich überrascht. Wir hatten ja schon was gedreht - und dann kam die Nachricht. Es ist aber auch schön, dass unsere Serie von der Realität überholt wird. Offenbar haben wir einen Nerv getroffen.

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