Jason Priestley in Private Eyes © Shade PI Productions Inc.
Comeback mit "Private Eyes"

Jason Priestley: "Brandon ist Geschichte für mich"

 

"Beverly Hills, 90210" hat Jason Priestley berühmt gemacht, aber auch auf den braven Sunnyboy festgelegt. Beim Privatsender 13th Street kehrt er nun als Privatdetektiv in "Private Eyes" zurück. Ein Gespräch über seine Anfänge im Meer und Ähnlichkeiten seiner Charaktere.

von Jan Freitag
13.07.2018 - 15:07 Uhr

Jason Priestley, können Sie sich noch an ihren ersten Auftritt vor der Kamera erinnern?

Oh Boy, das ist lange her. Mehr als 40 Jahre, ich war damals noch ein kleines Kind und habe nach meinem Einstieg eigentlich nie aufgehört, zu drehen.

Wirklich? Hierzulande empfinden viele Ihren Auftritt als Privatdetektiv in "Private Eyes" sicher als Comeback...

Das ist es absolut nicht, ich habe immer gearbeitet. Und das im Gegenteil sogar immer und immer mehr. Deshalb ist vielleicht schwierig, sich an alles zu erinnern, was am Anfang passiert ist.

War es den zunächst Werbung, Fernsehen oder Kino?

Kann sein, dass ich zuvor schon mal einen Werbeclip gedreht habe, aber mein erster richtiger Auftritt als Schauspieler war in einem Drama, ganz ernster, schwerer Stoff. Und wahnsinnig anstrengend zu drehen. Ich musste im strengen Winter von Vancouver – und die Winter von Vancouver sind sehr streng – in den Ozean steigen und so tun, als würde ich ertrinken. Diese Kälte, die damals trotz dickem Badeanzug meine Wirbelsäule runterkroch, werde ich nie vergessen.

Ist es trotzdem eine gute Erinnerung?

Absolut. Aber wenn ich zurückblicke, kann ich mich eigentlich nur an gute Momente erinnern. Die schlechten habe ich wahrscheinlich frühzeitig verdrängt. Als Kind ist allerdings ohnehin immer alles aufregend, was man mit Erwachsenen machen darf.

Wollten Sie da schon Schauspieler sein oder war es noch eher Spielerei als Spielen?

Na ja, es hat mir gut gefallen und großen Spaß gemacht, sonst hätte ich damit ja nicht weitergemacht. Aber mich hat niemand dazu gedrängt, ein Schauspieler zu sein, geschweige denn dazu gezwungen. Es war meine eigene Entscheidung. Und als ich meiner Mutter sagte, einer werden zu wollen, hat sie sich sofort um einen Agenten gekümmert, der mich mit Vorsprechen versorgt hat und kleineren Jobs. In den 70ern hatte Vancouver eine wirklich kleine Filmindustrie, da war es schwer, Fuß zu fassen. Aber ich bin quasi mit ihr gewachsen und deshalb gut vorbereitet nach Los Angeles gegangen.

Wenn Sie jetzt auf diese fast 40 Jahre im Business zurückblicken – sind Sie genau da, wo Sie es sich beim ersten konkreten Plan vorgestellt hatten?

Wow, schwierige Frage. Ich glaube, die kann niemand aufrichtig mit Ja beantworten, oder? Wenn ich mir die Ziele eines Achtjährigen ansehe mit seinem begrenzten Horizont, wurden natürlich alle Erwartungen meilenweit übertroffen. Wenn ich den 21-Jährigen betrachte, der dachte, die Filmwelt von Beverly Hills aus zu erobern, wurden sie eher unterboten. Trotzdem bin ich überaus zufrieden mit dem, was ich erreicht habe.

Welche Rolle spielt da eine Serie wie "Private Eyes"?

Eine große, wirklich. Das sage ich nicht nur zu Werbezwecken. Es ist mein erstes Format, das ich entwickelt, produziert und geformt habe – inklusive meiner eigenen Figur und ihrer Partnerin Angie Everett. Die kam im Drehbuch zunächst nämlich gar nicht vor. Wir wollten unbedingt starke Frauencharaktere, mit denen Matt Shade zusammenarbeiten, aber auch streiten kann. Das ist einerseits diese Privatdetektivin, aber auch seine Tochter. Erst in der Mitte dieses Dreiecks kann er sich voll entfalten.

Zu was genau?

Zu einem komplizierten, aber bodenständigen Mann, der immer an sich selbst glaubt, seinen Instinkten folgt und bereit ist, härter zu arbeiten als andere. Und auch wenn er seinen Porsche nicht verkauft hat, scheut er es auch nach seiner besten Zeit als Eishockey-Agent nicht, sich dreckig zu machen. Um ein guter Vater zu sein, ein guter Ex-Mann, ein guter Detektiv.

Kann man sich Matt Shade als eine Art erwachsenen Brandon Walsh vorstellen, der Sie vor einem Vierteljahrhundert auf einen Schlag berühmt gemacht hat?

Das ist ein schöner Gedanke. Aber darüber hinaus, dass beide irgendwie Nice Guys sind, die auf der guten Seite stehen und meistens nur das Beste für alle wollen, ist das schwer vorstellbar. Brandon war vielleicht ein bisschen zu brav, zu tugendhaft, zu rechtschaffen, um die jüngere Version von Matt zu sein, der im reiferen Alter all das wiedergutzumachen versucht, was er vorher verbockt hat. Umso mehr ist Brandon Geschichte für mich und meine Karriere.

Weil Sie auf diesen Charakter reduziert wurden?

Anfangs wurde das versucht, aber mit wenig Erfolg. Ich habe mein Leben lang sehr verschiedene Figuren gespielt, die zum Teil Lichtjahre weg waren von Brandon. Trotzdem betrachte ich "Beverly Hills, 90210" bis heute als Geschenk. Die Möglichkeit zu haben, bei einer weltweit so derart erfolgreichen Show mitzuarbeiten, kann man gar nicht hoch genug bewerten. Diese Chance bietet sich echt nicht jedem Schauspieler. Das macht mich unendlich dankbar – gerade, weil die Serie für viele Menschen und die Branche jener Zeit äußerst bedeutsam war.

Inwiefern?

Es war die erste Serie überhaupt, die konsequent für Jugendliche zwischen 14 und 24 gemacht wurde, ohne ein Kinderprodukt zu sein. Ed Spelling, der Sender Fox, den Autoren war früher als dem Rest des Metiers bewusst, wie radikal unterrepräsentiert die Altersgruppe von "Beverly Hills, 90210" im Fernsehen war. Leute um die zwanzig waren bis dahin höchstens Anhängsel ihrer Eltern. Hier dagegen standen sie voll im Fokus. Das war für uns ganz allein!

Wo Sie sich selbst offenbar zur Zielgruppe dazuzählen: Gab es zwischen dem jungen Jason und Brandon irgendwelche Ähnlichkeiten?

Nicht wirklich viele. Bis auf das Aussehen hatten Jason und Brandon echt wenig miteinander gemeinsam.

Wie ist es mit Matt Shade?

Als guter Kanadier hab ich natürlich wie Matt Eishockey gespielt, wenn auch nicht annähernd so gut. Wir sind beide Väter, trinken gern mal einen, sonst haben wir exakt so viel gemeinsam wie Männer unseres Alters in einer Großstadt nun mal gemeinsam haben können.

Versuchen Sie generell eher Bezüge zur Rollen zu finden oder bewusst davon zu abstrahieren, um größtmögliche Distanz zu erzeugen?

Um einen Charakter glaubhaft zu spielen, ist aus meiner Sicht unbedingt beides nötig. Wenn man ihn zu nah an sich ranlässt, wird er schnell melodramatisch, wenn er einem zu fern bleibt, artifiziell. Ich hoffe, diese Balance ist mir in "Private Eyes" gelungen. Denn wie gesagt: Es liegt mir wirklich sehr am Herzen.

Wird es weitere Fortsetzungen geben?

Wir sind gerade mitten in der dritten Staffel, und besonders in Kanada, aber auch den USA und Großbritannien ist die Serie echt populär. Wenn jetzt auch noch Deutschland dazukommt, sind das beste Voraussetzungen für weitere Staffeln.

Über den Autor

Jan Freitag arbeitet seit 2016 fürs Medienmagazin DWDL.de. Badet ebenso gerne in Hass auf liebloses Fernsehen wie er leidenschaftliches auch dann feiert, wenn es Trash ist. Mag Filme & Serien umso lieber, je größer der soziokulturelle Bogen ist.

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