Klaus Holtmann © MG RTL D
Interview mit RTL-Pay-TV-Chef Klaus Holtmann

"Wir sorgen dafür, dass die Menschen 'M' finden werden"

 

Klaus Holtmann leitet bei der Mediengruppe RTL die Pay-TV-Sender und war verantwortlich für die neue Serie "M". Im DWDL.de-Interview spricht er über die Herausforderung, diese bei TVNow auffindbar zu machen, die Unterschiede zum Film und grundsätzlich den Stellenwert der Bezahlsender.

von Timo Niemeier
21.02.2019 - 16:35 Uhr

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Herr Holtmann, "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" war zunächst als erste Eigenproduktion von RTL Crime angekündigt. Für diesen Sender sind Sie verantwortlich. Wie sehr schmerzt es Sie, dass die Serie nun bei TVNow laufen wird?

Klaus Holtmann: Das sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir produzieren generell erst einmal für die Mediengruppe RTL. Die Serie sollte ein richtiges Pay-TV-Produkt werden und das ist sie auch geworden. "M" ist genau das, was wir gewollt und bestellt haben. Wir haben dann aber festgestellt, dass die Serie mehr Breite hat und mit ihrer DNA genau zu unserem neuen vollumfänglichen Streaming-Dienst als TVNow Original passt. Das hat dann auch ideal mit dem Start von TVNow zusammengepasst. Anfang März beginnen wir mit einer riesigen Marketingkampagne, die auch "M" umfassen wird. Die Serie erhält so noch einmal viel mehr Aufmerksamkeit, als bei RTL Crime. Das Gefühl kennen sicher viele Programmacher, ein wenig fühlt es sich das so an, wie wenn man als Vater oder Mutter sein Kind zum ersten Mal in den Kindergarten zu Eingewöhnung gibt: Man weiß, dass das Baby dort viel dort Liebe bekommen wird und blühen, wachsen und gedeihen wird. Für die Kinder ist es gut und sie haben Spaß, aber die Eltern stehen stolz, aber mit einem Tränchen im Auge vor der Kita. 

 

Inwiefern ist "M" breiter geworden als gedacht?

Man muss bei "M" zwei Sachen unterscheiden. Es gibt die Vorlage von 1931, Produzent und Autor David Schalko und die politische Ebene auf der einen Seite. Das ist alles sehr nah dran am Feuilleton. Aber dann gibt es auch noch die andere Seite: Große Namen, extrem tolle Schauspieler und ein Krimi-Plot, das macht die Serie wiederum sehr breit.

Die Kritiken zu "M" sind überwiegend positiv. Auch "Spiegel Online" hat zuletzt eine Einschaltempfehlung geschrieben, gleichzeitig schrieb der Autor, es sei ihm schleierhaft, wie die Serie in Deutschland ein möglichst großes Publikum finden soll. TVNow hat einfach noch nicht dieses Standing, wenn es um eigenproduzierte Fiction geht. Wie sehen Sie das?

Das neue TVNow ist gerade erst einmal vor gut zwei Monaten gestartet, da ist doch klar, dass noch nicht überall angekommen ist, dass der neue Streaming-Dienst viel mehr exklusive und herausragende Inhalte bietet als eine reine Mediathek. Das Standing wird TVNow auch mit "M" bekommen. Wir werden wie bereits gesagt eine riesige Marketingkampagne mit der geballten Promotion Power der Mediengruppe RTL, zahlreichen Out-of-Home Maßnahmen sowie vielen weiteren Aktivitäten starten und das wird der offizielle Start von TVNow sein. Wir werden dafür sorgen, dass die Menschen "M" und TVNow finden werden, da muss sich niemand Sorgen machen. Das wird jeder in Deutschland merken.

Ist denn noch eine Ausstrahlung von "M" bei RTL Crime angedacht? Und in der Folge dann bei einem Free-TV-Sender der Gruppe?

Unser gemeinsames Ziel ist es, dass die Serie als unser TVNow Original wahrgenommen wird. Da wir alle Rechte besitzen, können wir über die verschiedenen Verwertungsfenster selbst entscheiden und bestmöglich orchestrieren. Dazu gehört auch eine Ausstrahlung bei RTL Crime. Hinsichtlich einer Free-TV Auswertung schauen wir uns gemeinsam an, wie sich bei unserem Koproduktions-Partner ORF die Quoten weiter entwickeln, die zum Start erfreulicherweise sehr gut waren. In Österreich hatten die ersten beiden Folgen 21 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe 12-49 und waren damit die erfolgreichste Fiction-Produktion auf diesem Sendeplatz seit 2014. Daran können wir ableiten, ob und wo eine solche Serie bei uns auch im Free-TV funktionieren könnte. "M" ist eine herausragende Möglichkeit, zu testen, wie wir künftig mit vergleichbaren Programmen auf unseren Plattformen und Sendern umgehen können.

"Die Idee war, diese wunderbare Vorlage mit ihrer unglaublichen Aktualität erlebbarer zu machen für Menschen aus der heutigen Zeit."

Was unterscheidet die Serie "M" vom legendären Film von 1931?

Zum einen ist es, ganz offensichtlich, die Location. Der Film spielt in Berlin, die Serie in Wien. Außerdem haben wir viel mehr Zeit, um die Geschichten zu erzählen. Statt 90 Minuten haben wir sechs Stunden Zeit. Da gehen wir viel mehr in die Tiefe, zeichnen Psychogramme und machen Seitenstränge auf. Die dritte große Unterscheidung ist die politische Ebene, der in der Serie mehr Platz eingeräumt wird und weniger subtil ist als im Film.

Drehbuchautorin Evi Romen sagte in einem Interview in Bezug auf den politischen Unterton der Serie, die Realität habe die Fiktion überholt. Würden Sie das unterschreiben?

David Schalko hat mal gesagt, beim Schreiben der Serie konnte man das alles schon fühlen. Und jetzt würde man denken, dass das alles erst vor zwei Wochen passiert sei. "M" ist sehr aktuell und visionär. Wahrscheinlich gibt es auch Unterschiede in der Wahrnehmung, je nachdem, wo die Serie zu sehen ist. Alle Figuren sind Archetypen, wenn man "M" in Frankreich sieht, wird man die Figur des Innenministers, die stark an echte Charaktere angelehnt ist, anders wahrnehmen als wenn man Zuschauer aus Deutschland, Ungarn oder Österreich ist. Viele Länder haben ein Thema mit diesem Politikertyp und so kann jedes Land die Serie für sich neu interpretieren. Was aber alle gemeinsam haben, ist, dass das Thema tatsächlich überall brandaktuell ist. 

Es heißt immer, die Stadt Wien sei die Hauptdarstellerin der Serie. Inwiefern macht das "M" sperriger für deutsche Zuschauer?

Mit "die Stadt" ist weniger das architektonische gemeint, als die Menschen, die in dieser Stadt leben. Wie agieren und reagieren die einzelnen Milieus einer Gesellschaft, wenn plötzlich Kinder verschwinden, was sind die gesellschaftlichen und menschlichen Dynamiken? Das schafft Zugang über Deutschland und Österreich hinaus.

David Schalko hat in einem Interview gesagt, "M" sei eine Liebeserklärung an Wien, insbesondere auch an die Architektur.

Bestimmt, aber wenn man sich ansieht, wie Schalko und der großartige Kameramann Martin Gschlacht das in Szene gesetzt haben, erkennt man auch ganz viele Zitate aus dem Original. Es ist ein verzaubertes, schauriges Wien, nicht unbedingt ein schönes oder liebenswertes. Die Wiener haben ja ein spezielles Verhältnis zu ihrer Heimatstadt. Also, ja, "M" ist sicher David Schalkos Liebeserklärung an Wien, wenn auch eine ziemlich ungewöhnliche.

Auf Seite 2 spricht Klaus Holtmann über das Risiko eines Remakes und den Stellenwert der Bezahlsender innerhalb der Mediengruppe RTL.

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