Herr Reichart, Sie haben 2019 als neuer CEO mit dem Umbau der Mediengruppe RTL Deutschland begonnen, dann kam die Corona-Pandemie. Wie weit sind Sie heute?

2019 ging es uns darum, unsere Beziehungen neu zu beleben: Nach innen – um wirklich das gesamte Team neu zu mobilisieren für die vielleicht spannendste Phase unserer Entwicklung. Aber auch extern - mit dem Werbemarkt, großen Partnern, Produzenten ebenso wie auch einzelnen Top-Kreativen. Und es macht mich stolz, dass wir für viele im Markt der präferierte Partner geworden sind. Das Corona-Jahr 2020 haben wir dann genutzt, um unsere Strategie als ´streamender Broadcaster´ voranzutreiben. 

Wie sieht diese Strategie aus?

Es geht natürlich auch bei uns um die digitale Transformation. Auf der einen Seite strahlen wir das lineare Programm unserer Sender aus, für Millionen Menschen zur selben Zeit. Bei großen Reichweiten ist das unverändert hochattraktiv für Werbekunden. Wir nennen diese Kommunikation 'one to many'. Jetzt kommt die 'one-to-one' - Kommunikation dazu. Personalisierbare Inhalte via Streaming, auf Abruf und Empfehlung. Und damit verbunden das enorme Wachstumspotenzial, neben den Inhalten selbst auch Werbung durch entsprechende Technologien personalisierbar anzubieten. Dieser Markt für adressierbare Werbung ist ein Zukunftsmarkt, den wir erobern wollen. Für Themen wie AdTech und Streaming braucht es Partnerschaften und hohe Investitionen, um mit starkem lokalen Content aus Entertainment und Information weiterhin die Menschen zu erreichen - mal finanziert über Werbung, mal über Abo-Erlöse. Im Corona-geprägten Jahr 2020 sind wir u.a. mit Partnerschaften wie der Telekom gut vorangekommen. 

Drei Jahre lang sollte TVNow der „local hero“ im Streaming werden - und jetzt schaffen Sie die Marke wieder ab. Warum?

Wir sind schon heute das mit Abstand stärkste deutsche Angebot und bündeln dennoch unsere Kraft. RTL ist die populärste Medienmarke Europas mit hoher Bekanntheit, ob durch unsere TV- oder Radio-Angebote. Das nutzen wir entschlossen mit dem Anspruch, die Marke mit positiver Energie neu aufzuladen. Denn die Bedürfnisse der Menschen ändern sich und es gibt einfach Image-Aspekte, die uns nicht gefallen. Das ändern wir Schritt für Schritt, damit künftig auch unser zentrales digitales Projekt den Namen unseres Hauses tragen kann. Das Plus als Marken-Zusatz für Streamingangebote ist inzwischen ja gelernt. Wir fokussieren uns auf die Stärkung der Marke, die schon einmal Pionier war und hinter der wir unsere Angebote auch im Streaming versammeln.

War die Marke TVNow ein Fehler? 

Wer nicht bereit ist, dazu zu lernen, bleibt stehen. Als wir TVNow 2016 als Bündel unserer Einzelangebote wie RTL Now oder Vox Now gestartet haben, gab es beispielsweise noch den Gedanken, dass RTL im Namen die Lizenzierung von Inhalten anderer Anbieter schwerer machen könnte. Aber das Lizenz-Geschäft spielt inzwischen eine untergeordnete Rolle. Wir generieren hauptsächlich mit eigenen Inhalten hohe Reichweiten im linearen TV oder Abos im Streaming, wo wir durch das Zusammenspiel beider Disziplinen schnell wachsen. Damals hätte ich nicht gedacht, dass wir heute ein Programmbudget in dreistelliger Millionenhöhe für Auftragsproduktionen im Streaming ausgeben. Das ist nicht mehr weit entfernt vom Budget von Vox. Tut uns das in TVNow investierte Marketingbudget also weh? Nicht so sehr, wenn ich den Stand der Abos heute und vor allem die Wachstums-Potentiale vor Augen habe, die wir mit RTL+ schaffen. 

Gewinnt man neue Zielgruppen für sich, wenn der Streamingdienst so heißt wie der größte Sender?

Wir gehen die Herausforderung ganz bewusst ein, unsere Marke auf diesem Wege für wirklich alle attraktiv und einfach zugänglich zu machen. Der Sender RTL kann jetzt sogar noch klarer Mainstream werden, weil wir für die manchmal vielleicht etwas feineren Werke mit Lars Eidinger oder von Ferdinand von Schirach mit RTL+ das passende Angebot haben. So gibt es eben keine fiktionalen Projekte mehr, die für einen Mainstream-Sender zu spitz sind, denn die Marke RTL wird ein Zuhause für alle, egal wie sie Medien konsumieren – ob linear oder on demand.

 

"Ein notwendiger, vielleicht auch schmerzhafter, aber vor allem ehrlicher Prozess"

Reichart über die Arbeit am Image der Marke RTL

 

Schmerzt dem ehemaligen Vox-Senderchef das Herz, wenn die Marke im Streaming unters Dach des Schwestersenders rückt?

Im Gegenteil: RTL+ bietet Vox eine zusätzliche Bühne, um noch heller zu strahlen. Die Welt heute sieht anders als damals. Bei Disney+ finden sich heute auch einzelne Marken des Konzerns und niemand würde die Frage stellen, ob Marvel, Pixar und Lucasfilm sich jetzt Disney unterordnen müssen. Wir erleben eine dynamische Entwicklung von Entertainment-Ökosystemen und unseres ist klar aufgestellt: Alles was wir digital anbieten, findet perspektivisch unter vertrauten Absendern bei RTL+ statt. 

Sie sprachen von Image-Aspekten der Marke RTL, die Ihnen nicht gefallen. Wie viel Überwindung kostet es, das zuzugeben?

Das ist ein notwendiger, vielleicht auch schmerzhafter, aber vor allem ehrlicher Prozess. Das gelingt nur, indem wir wirklich alle im eigenen Haus mitnehmen. Nur dann wird es mehr als nur ein neuer Anstrich. Wir wollten klären: Was macht RTL wirklich aus? Was können wir am besten? Und wofür wollen wir mit voller Überzeugung stehen in einer Welt, die unübersichtlicher geworden ist denn je? Daraus sind dann am Ende gemeinsam mit dem Team der RTL Group neben einem neuen Rebranding auch Leitlinien entstanden, das Projekt RTL United. Das hat ein Jahr Zeit gebraucht, aber jetzt haben wir neben dem bereits angekündigten Rollout des neuen Rebrandings auch Brand Principles, die unser Handeln definieren - mit Auswirkungen für die strategische und kulturelle Arbeit meiner Kollegin Julia Reuter ebenso wie für die Programmausrichtung des Teams um Stephan Schäfer.

Den Versuch, die Marke RTL nach 35 Jahren anders aufzuladen, wird in der Branche mal als ambitioniert, mal als aussichtslos bezeichnet. Sie haben Hoffnung?

Wir erreichen allein mit unseren linearen Angeboten täglich rund 30 Millionen Menschen. Niemand hat demnach eine größere Chance zu zeigen, was er sein will, als ein Fernsehsender. Wenn ausgerechnet wir uns damit abfinden würden, dass ein Image unveränderbar ist, was sollen dann erst all die anderen Unternehmen sagen?

Wann soll das Redesign kommen? Und warum soll erst Ende des Jahres aus TVNow RTL+ werden?

Wir legen wie angekündigt in der zweiten Jahreshälfte los und fangen mit dem Rebranding des Unternehmens an. Dann folgen nach und nach die Sender außer Vox und ntv – und schließlich unser Streamingangebot. 

Wenn dann aus TVNow RTL+ wird, was passiert mit AudioNow?

Warum Video und Audio separat voneinander streamen, wenn beides in unserer Verantwortung liegt. Ideen wie diese treiben uns um, damit das neue RTL+ mehr wird als Video only. 

Könnten neben Audio-Angeboten auch Zeitschriften in digitaler Form Teil dieses Entertainment-Abos werden? Ich frage für einen Verlag in Hamburg…

Wir haben viele Ideen. Auch Apple und Amazon haben den Reiz erkannt, verschiedene Mediengattungen zu bündeln. Ich glaube fest daran, dass man sich mit einem umfassenden digitalen Abo abheben kann von denen, die allein auf Video-Streaming setzen, auch wenn Video der Motor ist und bleibt. Wenn Sie beim Abendessen mit Freunden über Guido Maria Kretschmers Einrichtungstipps, den neuen Stoff von Sebastian Fitzek, Promi-News von Frauke Ludowig oder aktuelle Themen von Jan Hofer sprechen, dann ist gar nicht mehr entscheidend, ob Sie es gesehen, gehört oder gelesen haben. Hauptsache, RTL+ ist die Plattform, auf der Sie alles finden.

Müsste RTL+ nicht Bertelsmann+ heißen?

Wir sind fest davon überzeugt, dass Video die mit Abstand treibende Gattung ist für ein umfassendes Entertainment-Angebot. Bis Herbst wollen wir die zwei Millionen Abos knacken. Mit der inzwischen vielfach erprobten und erfolgreichen Zusammenarbeit innerhalb der Bertelsmann Content Alliance haben wir als einzigartiges Netzwerk von Partnern die allerbesten Voraussetzungen für noch mehr Inhaltevielfalt.

Bernd Reichart © MG RTL / Marina Rosa Weigl

Als DWDL im Februar über das Projekt RTL United berichtete, war die Meldung über das Ausloten einer engeren Zusammenarbeit von Gruner+Jahr und Mediengruppe RTL Deutschland gerade eine Woche alt. Hilft es beim Aufeinander-zu-gehen, wenn RTL als starke Dachmarke gesetzt wird?

Der beschriebene Prozess von RTL United und die Evaluierung einer noch engeren Zusammenarbeit mit Gruner+Jahr sind zwei unabhängige Entwicklungen. Wir arbeiten seit Jahren auf verschiedenen Ebenen intensiv zusammen. Mehrere Großprojekte sind in ihrer Vielfalt nur umsetzbar geworden durch ein enges Miteinander von G+J und RTL: Die Ad Alliance in der Vermarktung, die schon erwähnte Content Alliance oder seit Jahresbeginn auch die DataAlliance mit unserer Daten-Expertin Karin Immenroth als Geschäftsführerin. Im investigativ-journalistischen Bereich wurden wichtige Projekte angegangen, wenn ich an die Aufarbeitung des ´Wirecard´- Skandals denke. Es folgen spannende Projekte wie „Faking Hitler“ mit Lars Eidinger und Moritz Bleibtreu. Erst vor wenigen Tagen ist eine Aufklärungs-Kampagne zur Corona-Impfung gestartet. Jetzt prüfen wir gemeinsam: Ist der Status Quo die beste Lösung für unsere Zusammenarbeit oder wie stellen wir uns auf, um gemeinsam Wachstum zu schaffen? Bis Sommer wollen wir die Analyse abgeschlossen haben, wie genau unser Weg in die Zukunft aussehen soll. 

Wird der Weg in die Zukunft dann weiter von einer Boy Band gestaltet? Die Führung von RTL Deutschland ist abgesehen von Julia Reuter männlich besetzt…

Wir arbeiten daran, deutlich diverser zu werden. In einigen Bereichen kommen wir gut voran. Viele neue Führungspositionen oder ihre Stellvertretungen haben wir inzwischen mit Expertinnen besetzt, die sicher schon bald sichtbarer werden. Und dennoch: Wir sind noch längst nicht gut genug. Dabei steckt so viel Potential in diversen Teams, nicht allein bei der Gender-Frage, sondern insbesondere auch etwa im redaktionellen Alltag. Mit diversen Teams alle Blickwinkel auf ein Thema zu bekommen, ist eine wichtige Aufgabe, der sich auch Stephan Schmitter als Chef der RTL News angenommen hat.

Woher kommt dieses Sendungsbewusstsein, das bei Ihnen, aber auch ProSieben zuletzt spürbar wurde? Und warum ausgerechnet jetzt?

Durch die Corona-Pandemie hat sich nochmal das Bewusstsein vieler Menschen für gesellschaftliche Themen, wachsende Missstände und globale Zusammenhänge geschärft. Nicht nur in der jungen Zielgruppe resonieren Engagement und Haltung. Glaubwürdige Information ist seit jeher wichtiger Programmbestandteil von RTL. Mit RTL aktuell sind wir seit vielen Jahren TV-Nachrichtenquelle Nummer 1 für junge Menschen. Auf diesem lange erarbeiteten Vertrauen bauen wir jetzt auf. Aber ich gebe gerne zu: Wie jeder Wettbewerb hat auch die Konkurrenz der Streamingdienste dazu beigetragen, unser Profil und Selbstverständnis nochmals zu schärfen, weil wir uns immer wieder fragen: Wofür stehen wir? Was können wir besser als andere? Fernsehen selbst machen anstatt überwiegend Lizenzserien einkaufen, ist deutlich anspruchsvoller. Da haben wir Jahre Vorsprung, weil wir diesen Weg deutlich früher als andere eingeschlagen haben.

 

"Der Bereich Information wird in Zukunft noch stärker auf die Identität von RTL einzahlen"

 

Mit der RTL News GmbH und ausgebauten Programmflächen wollen Sie deshalb die seit Jahren immer erwähnten 700 Journalistinnen und Journalisten also auch besser nutzen?

Wir geben ihnen mehr Programmfläche, was in der Vielzahl von aktuellen Sondersendungen, eigenen Themenabenden und Dokumentationen der letzten Monate sicher eine Herausforderung war. Aber eine, die mit Bravour gemeistert und vom Publikum belohnt wurde. Im ersten Quartal haben wir über all unsere Plattformen hinweg 26 Millionen Menschen mit journalistischen Inhalten erreicht, Tag für Tag. Der schon heute so wichtige Bereich der Information wird in Zukunft noch stärker auf die Identität von RTL einzahlen als bislang.

Und auf diese Identität hätte Tanit Koch nicht eingezahlt?

Tanit Koch ist eine außergewöhnliche Journalistin und hat eine für uns wichtige Etappe mitgestaltet. Unsere Ambitionen in dem Bereich sind aber so groß, dass sie auch eine strukturelle Neuaufstellung erforderten. Dafür haben wir ein Führungsteam aufgestellt, welches den Journalismus nicht nur lebt, sondern diese Vielzahl an Kolleginnen und Kollegen zusammen managt, um das Potential aller zu aktivieren. Neben der RTL News haben wir auch in der Unterhaltung unsere RTL Studios durch den Erwerb von '99 pro' verstärkt.

Wie passt eine Stärkung von RTL Studios zur UFA, der anderen Produktionstochter der RTL Group? Reibt sich das nicht?

Der deutsche Produzentenmarkt ist vielfältig und groß. Und er brummt derzeit wie selten zuvor. Da ist genug Platz für unsere RTL Studios und die UFA, die ja einen wichtigen Anteil ihres Geschäfts auch mit privaten und öffentlich-rechtlichen Wettbewerbern von uns und mit Streamern realisiert. Das ist nur gesund. Für die Suche nach den besten Ideen braucht es UFA und RTL Studios ebenso wie die vielen kleineren und größeren Produzenten im Kreativ-Markt, mit denen wir hervorragend zusammenarbeiten. Eine eigene Produktionseinheit ist dabei nichts Ungewöhnliches, weder bei uns noch bei unseren Wettbewerbern. 

Die es mit Fremantle und der deutschen Tochter UFA bereits gibt… 

Die UFA ist ein Haus mit Historie, einem ausgeprägten Genre-Footprint im fiktionalen Erzählen und einem großen, attraktiven Show- und Entertainment-Katalog, international eingebunden bei Fremantle. Ich freue mich daher eher über jede Möglichkeit, mit Nico Hofmann und seinem Team über neuen Ideen zu brüten, von denen wir derzeit wirklich vielversprechende auf dem Tisch haben - anstatt drüber nachzudenken, wer was tun sollte und was nicht. 

Ohne der Screenforce-Präsentation von Henning Tewes Mitte Juni vorgreifen zu wollen, aber wie lässt sich das neue RTL in Worte fassen? Was ist anders am neuen RTL, also dem Sender?

Diesen Ball vom Punkt aus zu verwandeln, will ich gern dem Mittelstürmer überlassen. Über den Ausbau der Informationsstrecken haben wir ja gerade gesprochen, die auch die RTL-Daytime stärken wird. Dazu kommt der Relaunch von mehreren großen Flaggschiff-Formaten und die Entwicklung neuer, positiver Familien-Formate in der Unterhaltung. Und sicher gibt noch weitere überraschende Namen, die wir in den nächsten Monaten kommunizieren werden.

Ist ein RTL ohne Dschungelcamp vorstellbar?

Kein schöner Gedanke. Ich hoffe wie viele Fans, dass wir im Januar 2022 wieder zurück in Australien sind.

Kommen wir vom Programm nochmal zurück zum Strategischen. Was wird Sie in den kommenden Monaten beschäftigen? 

Wir bauen unser Streaming-Angebot weiter aus, schärfen unsere Kernmarke mit neuem Auftritt und inhaltlicher Ausrichtung, erhöhen das Investment in Content und AdTech, suchen Partnerschaften und konsolidieren den Markt, wo es uns erlaubt ist. Die vollständige Übernahme von Super RTL war ein naheliegender Schritt, weil ein Unternehmen wie unseres ein starkes Kids & Family - Angebot braucht, wir Super RTL ohnehin schon vermarkten und uns das Team bestens vertraut ist. Und in manchen Bereichen wie Merchandising oder Channel Management sind sie vielleicht sogar flinker aufgestellt als wir, sodass wir sicher voneinander lernen können, um gemeinsam noch besser zu werden.

Vor dem Hintergrund von RTL United und der Vereinheitlichung der Markenarchitektur wird die Marke Super RTL nicht bleiben, oder? Der Name war ja immer schon irreführend.

Das Programm des Senders kennt seine Zielgruppe schon seit vielen Jahren unter der Marke Toggo, die stark und populär ist. Wir betrachten Toggo als wichtigstes Asset von Super RTL und werden im Sinne der Kontinuität diese Marke nutzen, wenn die Kartellbehörden grünes Licht geben.

Wo wir gerade bei den künftigen Marken sind: Wenn der Streamingdienst künftig auf RTL+ hört, wird der Sender RTLplus doch nicht länger diesen Namen tragen, oder?

Ganz sicher nicht.

Und wie heißt er dann?

Das werden wir in der zweiten Jahreshälfte verraten. 

Herr Reichart, wenn ich behaupte, dass die Mediengruppe RTL Deutschland im vergangenen Jahr an einer Übernahme von RTLzwei interessiert war, die nur an der Bauer Media Group gescheitert ist, die ihre nicht verkaufen wollte, dann sagen Sie mir…

Dass es jenseits möglicher Kauf- oder Verkaufsabsichten, die wir naturgemäß nicht kommentieren, wichtig ist, dass der Regulierungsrahmen, in dem wir aktiv sind, der Realität angepasst wird. Während um uns herum ein Mega-Deal dem nächsten folgt, wie zuletzt die Bekanntgabe des Kaufs vom Hollywoodstudio MGM durch Amazon für fast achteinhalb Milliarden Dollar, üben wir uns noch immer in Marktbetrachtungen, die die Realität immer weniger abbilden. Und ja: RTLzwei ist ein uns gut bekanntes Unternehmen mit einem starken Team um Andreas Bartl, zu dem wir uns als Gründungsgesellschafter voll bekennen. 

Eine Frage noch: War es angesichts der enormen Gewinne von Bertelsmann und RTL Group notwendig, die Mediengruppe RTL Deutschland im vergangenen Jahr in Kurzarbeit zu schicken?

Mit der heutigen Kenntnis des gut erholten vierten Quartals im vergangenen Jahr kann ich die Frage gut nachvollziehen. Aber als wir uns im April, Mai vergangenen Jahres entschieden haben, dieses Instrument zu nutzen, war uns wie dem Rest der Branche nicht klar, ob und wenn ja wie produziert werden kann und ob wir unseren Sendebetrieb überhaupt aufrechterhalten können. Es war somit aus Unternehmenssicht durchaus geboten, zur Verfügung gestellte Instrumente wie dieses auch zu beanspruchen. Als wir im Sommer dann gemerkt haben, dass die gemeinsam mit den Produzenten erarbeiteten Hygiene-Konzepte greifen und in der zwischenzeitigen Entspannung der Gesamtsituation mehr möglich wird als befürchtet, haben wir die Kurzarbeit früher als geplant auch wieder beendet.

Herr Reichart, herzlichen Dank für das Gespräch.