© CBS Corporation/Viacom
US-Medienkonzerne und ihre Beteiligungen (5)

Viacom/CBS: Machtkampf und unklare Zukunft

 

Im letzten Teil unserer Reihe über die größten US-Medienkonzerne widmen wir uns abschließend Viacom und CBS, die mehrheitlich zum gleichen Eigentümer gehören. Derzeit wird eine Fusion der beiden Konzerne diskutiert - mal wieder.

von Timo Niemeier
04.11.2016 - 16:00 Uhr

Auf den ersten Blick sind die CBS Corporation und Viacom zwei unterschiedliche Unternehmen. Bei ersterem denken die meisten wohl an das Network CBS, das für Procedural-Krimis wie "CSI", "Criminal Minds" oder "NCSI" steht, die in den vergangenen Jahren weltweit Erfolge feierten. Viacom dagegen betreibt mit MTV, Nickelodeon und Comedy Central ein eher junges Angebot - und doch sind die beiden Konzerne Geschwister. Beide gehören zu 80 Prozent zu National Amusements, dem Unternehmen des Milliardärs Sumner Redstone. Bis 2005 firmierten beide Teile unter dem Dach von Viacom, dann folgte die Aufteilung in zwei getrennte Konzerne. 

Anders als Viacom konzentriert sich die CBS Corporation vor allem auf das US-Geschäft. In den Staaten betreibt das Unternehmen diverse Verlage, Radiostationen und natürlich das Network CBS. Neben den bereits genannten Krimi-Serien laufen dort auch "The Amazing Race", "The Big Bang Theory" und "2 Broke Girls". Etliche Sendungen werden direkt intern von den CBS Television Studios produziert - das arbeitet aber auch für externe Sender.

Darüber hinaus hält die CBS Corporation 50 Prozent an The CW, die andere Hälfte ist im Besitz von Time Warner. 2006 startete man den Sender gemeinsam. Über CBS Interactive gehören auch Last.FM sowie viele kleinere Sport-Seiten im Internet zum Medienkonzern. Auch Showtime, das Serien wie "Homeland", "Californication", "Dexter" und "Weeds" hervorbrachte, gehört zum Unternehmen. CBS Films ist dagegen vergleichsweise klein und kann es nicht mit den großen US-Studios aufnehmen - mit Paramount Pictures hat man aber ohnehin eines dieser Studios mit im Boot, nur läuft das über Viacom.

Neben Paramount ("Titanic", "Transformers" und "Forrest Gump") betreibt Viacom wie bereits erwähnt Comedy Central, Nickelodeon und MTV. In Deutschland kommt noch Viva hinzu, das man Mitte der 00er Jahre übernommen hatte. Darüber hinaus betreibt der Medienkonzern unter anderem noch den britischen Sender Channel 5 sowie den US-Kanal VH1. Im vergangenen Jahr erschien mit "The SpongeBob Movie" zudem der erste animierte Film von Paramount Animation - viele weitere sollen folgen.

Viacom ordnet Europa-Geschäft neu

Sein Europa-Geschäft hat Viacom kürzlich neu aufgeteilt, Deutschland gehört hier inzwischen zum Cluster Southern and Western Europe, Middle East & Africa (SWEMEA). Mark Specht fungiert als General Manager Germany, Switzerland & Austria. Im Vergleich zu anderen Konzernen dieser Größe richtet sich Viacom gefühlt öfters aus: Als man 2007 ankündigte, MTV Networks in Deutschland in Viacom Germany umzubenennen, ging das aufgrund von Vorgaben der US-Mutter schief. 2011 folgte schließlich die Umbenennung in Viacom International Media Networks. Seinen Vermarkter benannte man damals schlicht in Be Viacom um - das wurde vor zwei Jahren rückgängig gemacht, damals ging es zum Namen Viacom International Media Networks Advertising And Brand Solutions.

Seit Anfang dieses Jahres werden die Viacom-Sender in Deutschland von Visoon Video Impact vermarktet - einem gemeinsamen Vermarkter von Viacom und Axel Springer. Und auch bei den Sendern selbst ändert Viacom oft seine Strategie: Comedy Central startete man im Januar 2007 mit Pauken und Trompeten, nur um den Sender zwei Jahre später zu einem Programmfenster von Nickelodeon zu schrumpfen. 2011 sollte Viva das Flaggschiff des Konzerns im Free-TV werden, nachdem sich MTV ins Pay-TV verabschiedet hatte. 2014 wurde der frühere Musiksender dann zum Programmfenster von Comedy Central degradiert, Nickelodeon wurde daraufhin zu einem 24-Stunden-Kanal. 

Lange arbeitete Viacom in Europa mit einer länderübergreifenden Struktur. Dabei übersah man allerdings, dass die TV-Zuschauer in Polen womöglich ganz andere Interessen haben als die in Skandinavien, Deutschland oder den Benelux-Ländern. Später wurden General Manager für die einzelnen Länder eingeführt, diese sollen schneller und flexibler in ihren Märkten agieren. "Durch die neue Ausrichtung haben wir jetzt ein komplett lokales Team, das sich um Programmeinkauf, Scheduling und Marketing kümmert. Das macht es für uns wesentlich einfacher, als wenn man sich immer um drei Ecken abstimmen muss. Darauf haben wir lange gewartet", sagte General Manager Mark Specht erst vor wenigen Wochen im Interview mit DWDL.de.

Fusionieren Viacom und CBS wieder?

Wie es beim Konzern in Zukunft weiter geht, ist derzeit aber mal wieder ungewiss. In den USA tobte in den vergangenen Wochen und Monaten ein Machtkampf: Sumner Redstone hatte sich einen Schlagabtausch mit Viacom-Chef Phlippe Dauman geliefert, der den Milliardär die Geschäftsfähigkeit absprechen wollte. Dauman wollte Paramount verkaufen, das stieß aber auf wenig Gegenliebe bei Redstone. Dauman zog im Machkampf den Kürzeren und musste das Unternehmen verlassen. 

Nun hat Redstone vorgeschlagen, CBS und Viacom wieder zu fusionieren. Damit stellt er klar, dass keine Teile des Konzerns verkauft werden sollen, gleichzeitig könnten Doppelstrukturen abgeschafft werden. Eine Kostenersparnis wäre die Folge. Bei CBS ist man von den Plänen nicht sehr begeistert, ist man selbst doch hochprofitabel, während Viacom derzeit mit Problemen zu kämpfen hat. Zusammengerechnet erreichten die CBS Corporation und Viacom im vergangenen Jahr rund 27,7 Milliarden US-Dollar Umsatz. Ein fusionierter Konzern hätte die Struktur, die er schon vor 2005 hatte.

 

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