Klein gegen Groß © NDR/Thorsten Jander
Von wegen ausgestorben

Wetten, dass die Samstagabendshow nicht tot ist?

 

Wer sagt, die Samstagabendshow sei ausgestorben, irrt gewaltig: Mit Formaten wie "Klein gegen Groß" oder Florian Silbereisens "Festen" ist die ARD erstaunlich erfolgreich - auch bei den Jüngeren. Das ZDF sucht dagegen noch immer nach der richtigen Formel...

von Alexander Krei
03.03.2017 - 10:10 Uhr

Mehr als fünf Jahre liegt Thomas Gottschalks Abschied von "Wetten, dass..?" inzwischen zurück – und auch die Einstellung der über drei Jahrzehnte hinweg so erfolgreichen ZDF-Show ist mittlerweile über zwei Jahre her. Ein neuer Hit am Samstagabend ist seither für den Mainzer Sender nicht in Sicht. Ein Umstand, der sich mit Blick auf die Quoten verschmerzen lässt, schließlich erreicht das ZDF mit seinen Krimiserien mitunter mehr Zuschauer als mit so mancher "Wetten, dass..?"-Ausgabe während der Endphase der Show. So schalteten erst kürzlich über sieben Millionen Zuschauer ein, als "Wilsberg" in einem frischen Fall ermittelte, auch die "Friesland"-Reihe stieß am vorigen Wochenende in diese Dimensionen vor.

Positiver Nebeneffekt: Selbst mit Wiederholungen seiner Krimis sind dem ZDF - und im Übrigen auch dem inzwischen gar nicht mehr so kleinen Ableger ZDFneo - meist starke Quoten sicher. Eine große Abendshow versendet sich hingegen an einem Abend und wandert dann häufig für immer ins Archiv. Dennoch will ZDF-Showchef Oliver Heidemann weitere Versuche starten. "Dass es in diesem Markt schwer ist, schnell Erfolge zu feiern, sehen aktuell wir auf allen Kanälen. Und auch wir haben in dieser Hinsicht im letzten Jahr unsere Erfahrungen gemacht. Was den Samstagabend anbelangt, so wird das weiterhin neben den großen Krimi-Reihen ein Platz für Unterhaltung bleiben", sagt er im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de.

Oliver Heidemann
© ZDF/Kerstin Bänsch
"Die Kunst wird sein, jene verlässlichen Marken, die wir haben, zu stärken und parallel neue Marken aufzubauen. Thematisch und vom Genre her sind wir da eher klassisch unterwegs, zum Beispiel mit der neuen Showreihe 'Wir lieben Fernsehen', aber auch mit großen, attraktiven Events", so Heidemann (Foto) über die bevorstehenden Pläne im Unterhaltungsbereich. Wie schwierig das Unterfangen ist, zeigt der Blick auf die Neustarts, die das ZDF in den zurückliegenden Jahren wagte. "1000 – Wer ist die Nummer 1?" verzeichnete zwar solide Quoten, erwies sich bei der Aufzeichnung jedoch als zu komplex, "4 geben alles" mit Steven Gätjen versagte im November mit weit weniger als drei Millionen Zuschauern sogar komplett und wird daher auch keine Fortsetzung finden, wie das ZDF auf DWDL.de-Nachfrage bestätigte.

Was bleibt, sind gelegentliche Einsätze der Kerner-Shows "Das Spiel beginnt" und "Der Quiz-Champion" sowie die Neuauflage der "Versteckten Kamera", die in nochmals überarbeiteter Form im Sommer eine weitere Chance erhalten wird. Während man in Mainz also nach wie vor auf der Suche nach einem Erfolgsrezept für den einst prestigeträchtigsten Show-Sendeplatz im deutschen Fernsehen sucht, stellt Das Erste derzeit recht eindrucksvoll unter Beweis, dass die Samstagabendshow keineswegs tot ist. Mit verschiedenen Sendungen lockt der Sender regelmäßig mehr als fünf, nicht selten sogar über sechs Millionen Zuschauer vor den Fernseher.

Formate wie "Wer weiß denn sowas? XXL" und "Klein gegen Groß" mit Kai Pflaume sind noch dazu ebenso wie der Klassiker "Verstehen Sie Spaß?" Garanten für zweistellige Marktanteile beim jungen Publikum. Aber auch das "Paarduell" schlug sich im vorigen Jahr bei seinem Ausflug in die Primetime beachtlich und mit "Gefragt – gejagt" darf Anfang März gleich das nächste Vorabend-Format am Samstagabend ran. Hinzu kommt die Eurovisions-Show "Spiel für dein Land", die mittlerweile ebenfalls verlässlich gute Quoten erzielt. Und sogar Florian Silbereisens "Feste" sprechen nach einer umfangreichen Renovierung inzwischen längst nicht mehr nur die älteren Zuschauer an.

Schlagerboom
© WDR/ARD/JürgensTV/Dominik Beckmann

Mit den klassischen Volksmusik-Shows von einst haben die Silbereisen-Sendungen heute nicht mehr zu viel zu tun. "Die 'Feste'-Shows wurden von vornherein so konzipiert, dass sie sich ständig verändern können - mit unterschiedlichen Sendetiteln, Inhalten und Bühnen", erklärt Produzent Michael Jürgens, der die Sendung einst auch erfand, im Gespräch mit DWDL.de. "Mal wurden einzelne Folgen als Starskispringen präsentiert, mal als Preisverleihung und mal rund um eine Star-Hochzeit. Auf diese Weise konnten in der Showreihe beispielsweise auch zum ersten Mal Stars auf dem Eis gegeneinander antreten – vor 'Let’s dance' und ähnlichen Wettbewerben."

Auf diese Weise sei es "nicht nur gelungen, auf Entwicklungen des Musikmarktes zu reagieren", so Jürgens. "So können sich die 'Feste'-Shows auch seit über 20 Jahren als eine der erfolgreichsten Samstagabend-Showreihen behaupten. Diese Kontinuität war und ist nur durch ständige Veränderungen möglich." Dass die ARD Carmen Nebel vor mehr als zehn Jahren an das ZDF verloren hat, erweist sich rückblickend als Glücksfall fürs Erste. Denn während die "Feste", die heute gerne mal "Schlagerbooom" oder "Schlagerchampions" heißen, erfolgreich und frisch daherkommen, erreichen die Nebel-Shows im Zweiten schon seit Jahren keine fünf Millionen Zuschauer mehr. Ein weiterer Grund für das ZDF, die Innovations-Maschine im Bereich der Samstagabendshow noch ein wenig stärker anzukurbeln.

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