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Saisonbilanz 2017/18 – Sat.1 © DWDL
Saison-Rückblick 2017/18

Sat.1: Kann denn nicht immer Fun-Freitag sein?

 

Die Wiederbelebung des Fun-Freitags bleibt ein Glücksgriff für Sat.1, doch es gibt viele Baustellen, auch im Bereich deutscher Fiction - wo man sich nun auch noch RTL-Konkurrenz gegenüber sieht. Entscheidend für einen Aufschwung ist, ob man nun den Vorabend in den Griff bekommt

von Timo Niemeier
06.06.2018 - 16:15 Uhr

Blickt man auf die nackten Zahlen, ist es keine gute TV-Saison für Sat.1 gewesen: Zwischen September 2017 und Mai 2018 lag der Sender nur im April über dem Wert des Vorjahres, sonst stand meist ein Minus in den Quotentabellen. Keine Frage: Einen Sprung nach vorne konnte Sat.1 in den vergangenen Monaten nicht machen. Zu viele neue Formate sind gefloppt, zu wenige Leuchttürme gibt es im Programm. Blickt man auf die Konkurrenz, wie etwa RTL, bleibt aber auch festzuhalten, dass es deutlich schlechter hätte laufen können. Nach einem schleppenden Start in die Saison und einer Olympia-bedingten Quotendelle zu Jahresbeginn, legte der Sender zuletzt wieder etwas zu.

Eine Erfolgsgeschichte von Sat.1 ist und bleibt der Fun-Freitag, den man im vergangenen Jahr wiederbelebte. "Genial daneben" hat zwar etwas an Zugkraft verloren, ist aber nach wie vor das Aushängeschild des Freitags und soll bald auch täglich am Vorabend laufen. Gut haben hier zuletzt auch die XXL-Ausgaben zu Weihnachten und Ostern funktioniert. Aber auch sonst hat Sat.1 am Freitag zuletzt wieder viel getestet: Hugo Egon Balders "Promi-Flaschendrehen" war dabei ebenso ein Erfolg wie die Witze-Show "Richtig witzig?". Gleichzeitig erzielt Luke Mockridge weiterhin gute Quoten: Nicht nur seine Schul-Show überzeugt, Ende 2017 testete Sat.1 auch sehr erfolgreich eine 90er Show mit seiner Allzweckwaffe. Und mit "Mord mit Ansage" gelang auch das Comeback der Impro-Comedy. Mit Faisal Kawusi hat man zudem begonnen, ein weiteres Gesicht für das Comedy-Lineup aufzubauen, das zum Start zumindest ordentliche Quoten vorweisen konnte.

Doch auch diese Erfolgsgeschichte hat Makel - und den findet man schon direkt am Beginn. Wenn nicht gerade die mehrstündigen Shows mit Luke Mockridge oder auch das "Promi-Flaschendrehen" läuft, dann fehlt es an einem einstündigen Fomat, das im Vorfeld von "Genial daneben" den Abend einleiten kann. "Paul Panzers Comedy-Spieleabend" kann dort ebensowenig überzeugen, wie etwa Kaya Yanars Comeback mit "Guckst du?!" oder die Rateshow "Das gibt's doch gar nicht". Besonders für diesen Platz sucht Sat.1 also weiterhin nach dem richtigen Rezept.


Am Sonntagabend konzentriert man sich in Sat.1 inzwischen auf das etablierte "The Voice" und dessen Ableger. Der letzte Versuch, hier ein anderes Show-Format zu etablieren, ist im Herbst mit zwei Promi-Ausgaben von "The Taste" gescheitert. Sat.1-Chef Kaspar Pflüger kündigte zuletzt im DWDL.de-Interview an, künftig auf Experimente am Sonntag verzichten zu wollen. Das heißt: Vorerst müssen sich die Zuschauer hier mit "The Voice", das demnächst mit der Senioren-Ausgabe noch einen weiteren Ableger bekommt, und Filmen begnügen.

Noch weiter unter Druck gekommen ist Sat.1 zudem am Dienstag, wo Sat.1-Chef Pflüger zwar selbstbewusst mit Blick auf die Eigenproduktionen sagte "Der Dienstag gehört uns" - wo RTL aber plötzlich mit deutlich mehr Masse an eigenproduzierten Serien dagegen hält. "Einstein" blieb wohl vor allem auch deswegen mit der zweiten Staffel deutlich unter den Werten des ersten Durchlaufs zurück, dennoch geht die Serie mit Tom Beck weiter. Weitere Serien sind angekündigt, noch ist aber nichts davon zu sehen. Und auch mit den eigenproduzierten Filmen kann Sat.1 meist keinen Blumentopf gewinnen: Im Herbst überzeugte "Das Nebelhaus" mit guten Quoten, ansonsten lief es aber meist nicht sehr gut. Vor allem "Der Staatsfeind" mit Henning Baum enttäuschte vor wenigen Wochen. Auch hier hat man eine Neuausrichtung angekündigt und will nun die ausgelutschten Romanitc Comedys deutlich reduzieren.

Der größte Flop in der abgelaufenen Saison ist für Sat.1 aber die Gründer-Show "Start-Up!" mit Carsten Maschmeyer gewesen. Nachdem die Show mit der vierten Folge bei 2,8 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe angekommen war, flog sie aus dem Programm. Sat.1 zeigte die restlichen Folgen online. Dennoch hat man die Hoffnung in Sachen Gründer-TV noch nicht aufgegeben, derzeit plant man eine Erfindershow für den täglichen Einsatz (DWDL.de berichtete). Ansonsten lief es mittwochs für Sat.1 aber recht ordentlich: Die Promi-Staffel von "Das große Backen" erzielte im Schnitt zweistellige Marktanteile und auch "The Taste" konnte das Vorjahresniveau halten. Das ist ein guter Grundstein, wird der Mittwoch doch für die Free-TV-Sender in der kommenden Saison so richtig interessant. Bislang machte die regelmäßige Champions-League-Konkurrenz im ZDF den anderen Sendern das Leben schwer, künftig läuft die Königsklasse bekanntlich nur noch im Pay-TV. Auch dort gibt's steigende Reichweiten, zudem dürften viele Fußball-Fans dann auf Kneipen ausweichen - all das wird aber nicht mehr so stark ins Kontor schlagen wie bislang.

Die US-Serien folgen dem Trend der vergangenen Jahr und haben auch in den zurückliegenden Monaten überwiegend Zuschauer eingebüßt. Den Donnerstag bespielt Sat.1 inzwischen durchgängig mit drei Folgen von "Criminal Minds", wobei die neuen Episoden noch recht solide Quoten holen, danach geht es meist schnell bergab. "Profiling Paris" holte zuletzt am späten Abend nur noch enttäuschende Werte. Am Montagabend hat vor allem "Lethal Weapon" verloren und konnte die Quoten der ersten Staffel nicht bestätigen: Bislang kam keine Folge der zweiten Staffel auf mehr als zehn Prozent Marktanteil. Auch "Hawaii Five-0" und "Navy CIS: L.A." haben im Vergleich zum Vorjahr verloren. Und im Herbst/Winter dümpelte auch "Navy CIS" bei enttäuschenden Quoten - vom früheren Glanz der US-Serie ist inzwischen wenig geblieben. Das ist natürlich für Sat.1 keine erfreuliche Entwicklung - es sieht aber noch nicht so schlecht aus als dass man nun hektisch handeln müsste, die ganz großen Probleme des Senders liegen derzeit schließlich woanders.

Neuer Vorabend in Sicht

Eine der größten Baustellen ist der Vorabend, wo die Scripted Realitys insbesondere um 19 Uhr richtig schlecht laufen. Hier hat Sat.1 bereits Änderungen angekündigt, demnächst startet neben einem täglichen "Genial daneben" auch ein neues Magazin. Eine neue Vorabend-Serie ist ebenfalls angekündigt. In der Daytime wird es auf absehbare Zeit hingegen bei der Scripted-Reality-Farbe bleiben. Nicht nur, dass mit "Der schnelle Euro" und "Zimmerhelden" zwei Formate aus anderen Genres Anfang des Jahres gefloppt sind, "Auf Streife" und "Klinik am Südring" laufen zudem noch recht solide. Hinzu kommt, das bei RTL die Probleme drängender sind. Die Kölner müssen also reagieren - und das könnte einige Blaulicht-Fans zurück in die Arme von Sat.1 treiben. Dort bemüht man sich unterdessen ohnehin, dem Genre nochmal neuen Schwung zu verleihen und hat mit "Inspektion 5 - Köln Mülheim" und "112 - Rettung in letzter Minute" zuletzt Weiterentwicklungen auf Sendung geschickt, die die bekannten Muster aber nicht zu sehr verlassen.

Richtig Freude macht Sat.1 inzwischen häufig der Sonntagvorabend - den bitteren "Hotel Herzklopfen"-Flop mal außen vor gelassen. Mit "Biggest Loser", "Das große Backen" und "Hochzeit auf den ersten Blick" ist man hier gut aufgestellt und liegt auch immer öfters vor RTL. Eine kleine Schwächephase durchläuft derzeit allerdings "Julia Leischik sucht: Bitte melde dich". Nach wie vor eines der Quoten-Aushängeschilder ist zudem das "Frühstücksfernsehen", das morgens einsam seine Runden zieht und meist auch den höchsten Sat.1-Marktanteil des Tages einfährt. Überhaupt nicht rund läuft es dagegen am Wochenende für die DTM-Übertragungen, die Sat.1 seit einiger Zeit im Programm hat. Hier bietet man seinen Zuschauern erstmals seit einiger Zeit ja wieder Live-Sport an. Noch wird das aber nicht mit guten Quoten belohnt. 

Was bleibt also von der vergangenen TV-Saison für Sat.1? In jedem Fall, dass die Wiederbelebung des Fun-Freitags mit die beste Entscheidung der letzten Jahre war und man hier weitere Akzente setzen konnte. Dass es aus Quotensicht trotzdem nicht voran ging, liegt an den vielen anderen Baustellen. Die für einen breiten Aufschwung des Senders vielleicht wichtigste - den Vorabend - will der Sender nach der Fußball-WM endlich mit frischen Formaten fernab von Scripted Reality angehen. Davon wird maßgeblich abhängen, ob Sat.1 die 10-Prozent-Marke zumindest wieder in Sichtweite bringen kann - von mehr wagt man in Zeiten der Fragmentierung kaum noch zu träumen.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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