Rach deckt auf © RTL/Stefan Gregorowius
DWDL.de-TV-Kritik

"Rach deckt auf": Ein Fernsehkoch auf Weltreise

 

In seinem neuen Format "Rach deckt auf" gibt sich TV-Koch Christian Rach ganz investigativ - so wirklich gut geklappt hat das zum Auftakt aber noch nicht. Ungleich eindringlicher geriet dafür die Reportage, die RTL im Anschluss zeigte.

von Alexander Krei
18.06.2013 - 00:03 Uhr

Vielleicht hätte RTL die neue Sendung von Christian Rach besser "Rach reist rum" nennen sollen. Das wäre jedenfalls ehrlich gewesen. Ob Berlin, Salzburg, London oder Las Vegas - dem Koch, der sonst versucht, vor laufenden Kameras verzweifelten Restaurantbesitzern wieder auf die Beine zu helfen, ist neuerdings kein Weg zu weit, um investigativ zu recherchieren. Investigative Recherche: Das klingt für einen heißen Montagabend bei RTL zwar reichlich ungewöhnlich, aber erst mal gut. Passend dazu hat man das neue Format dann auch "Rach deckt auf" genannt. Hier, so wird es dem Publikum vermittelt, gibt's noch nie gesehene Bilder, kaum für möglich gehaltene Informationen.

Zum Start hat es sich Rach zur Aufgabe gemacht, Fast-Food-Deutschland und die Volksdroge Zucker genauer unter die Lupe zu nehmen. Um zu zeigen, wie viel Zucker wir täglich zu uns nehmen, führt der Fernsehkoch zunächst im besten "Markencheck"-Stil eine Straßenumfrage durch, die zu Tage fördert, dass sowohl im Döner als auch in der Currywurst Zucker enthalten ist. Ein Passant darf sich wenig später standesgemäß echauffieren: "Der kleine Mann muss bezahlen - wie immer." Gut, dass der kleine Mann bei Christian Rachs Recherechereise noch etwas lernen kann. Und weil das - wir sind ja bei RTL - so verständlich wie möglich geschehen soll, kommt nun Familie Dahmen ins Spiel.

Die Dahmens sind eine vierköpfige Familie, die offenkundig jede nur freie Minute nutzt, um sich die Mägen mit ungesundem Essen vollzuschlagen. Weil das nach Ansicht von Christian Rach nicht so weitergehen kann, werden Mama, Papa und die beiden Sprösslinge schließlich von Kameras und einem Mediziner bei der schwierigen Aufgabe überwacht, zugunsten gesunder Lebensmittel auf zuckerhaltiges Fast-Food zu verzichten. Tränenausbrüche inklusive. Vor allem, als Christian Rach der schokoladensüchtigen Mutter vor Augen führt, wie schlecht ihre Haut durch all das geworden ist, was sie über Jahre hinweg zu sich genommen hat. Wirklich aufgedeckt wurde an dieser Stelle zwar nichts, aber für ein paar emotionale Bilder hat's zumindest gereicht.

Auch Rachs übrige Reisen werden ihm wohl kaum einen Investigativ-Preis einbringen. Den Zuschauern berichtet er vom "Todestourismus" in einem amerikanischen Burgerladen und sein Ausflug nach London führt ihm vor Augen, dass viele Engländer einen gesunden Lunch dem Besuch bei McDonalds vorziehen. "Wie kriegen wir diese tollen Konzepte nach Deutschland?", fragt Rach, um ganz am Ende seiner Sendung zu zeigen, dass es auch bei uns dann doch so manchen interessanten Ansatz gibt. Ein Happy-End. Glücklicherweise auch für die Dahmens, die nach zwischenzeitlichem Abbruch des Experiments endlich einsehen, dass es auch eine Welt abseits von fettigen Würsten gibt. Gut, dass Christian Rach das aufgedeckt hat.

Weitaus aufwendiger und dadurch auch wesentlich spannender geriet bei RTL allerdings die anschließend gezeigte Undercover-Reportage "Team Wallraff", in der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff aber erfreulicherweise nur eine Nebenrolle spielte. Im Mittelpunkt stand dafür eine junge Reporterin, die sich acht Monate lang ins Zimmermädchen-Gewerbe einschleuste und dabei hochinteressante und vor allem authentische Eindrücke einer Branche sammelte, die das Zeug dazu haben, so manchem die Augen zu öffnen. Das war weit mehr als das sonst übliche Kratzen an der Oberfläche. Herausgekommen ist ein spannender Film über eine Welt, in der gute Arbeitsbedingungen offenkundig eine ziemliche Ausnahme darstellen.

Dazwischen lieferte RTL immer wieder spannende Fakten und nicht wenige Zuschauer saßen zu diesem Zeitpunkt vermutlich gleich aus zweierlei Gründen verwundert vor dem Fernseher. Einerseits, weil die gezeigten Aufnahmen einen schonungslosen Einblick lieferten. Andererseits aber auch, weil man kaum glauben konnte, dass diese Reportage auf einem Sendeplatz lief, der sonst gerne mal dafür herhalten muss, unbedarfte Bauern einer Zwangsverkuppelung zu unterziehen. Am Ende hat dieser heiße Montagabend also zwei Erkenntnisse hervorgebracht: Christian Rach ist besser darin, Schimmel in Restaurantküchen aufzudecken als Zucker in Lebensmitteln. Und RTL ist im Doku-Bereich zu mehr imstande als man mitunter glauben mag. Das entschädigt für mindestens eine Staffel "Schwiegertochter gesucht".

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