Herrlich ehrlich - Kennst du dein Kind? © TVNOW / Stefan Gregorowius
DWDL.de-TV-Kritik

"Herrlich ehrlich": Wo Kinder auch mal "Bitch" sagen dürfen

 

Bei Vox ist eine neue Show gestartet, in der Eltern ihre Kinder einschätzen sollen, um Geld zu gewinnen. Spaß bereiten vor allem die Experimente - und jene Momente, in denen sich die Eltern zu schämen beginnen. Die TV-Kritik zur Premiere...

von Alexander Krei
03.12.2019 - 22:40 Uhr

Dass Kinder nicht immer machen, was Mama und Papa wollen, haben vermutlich alle Eltern schon einmal erlebt. Vox hat aus dieser Idee nun gleich eine ganze Fernsehshow gestrickt. Unter dem Titel "Herrlich ehrlich" will der Sender neuerdings wissen, wie gut Eltern ihren Nachwuchs kennen, und hat diesen einigen kleinen Experimenten unterzogen, in denen es um Regeln und Ängste geht. In der Premieren-Folge bekommen es die sechsjährige Lilly und der siebenjährige Santino beispielsweise mit einer Vogelspinne namens Max zu tun, die sie erst füttern und schließlich in die Hand nehmen sollen. 

Trauen sie sich, wenn als Belohnung ein großer Teller mit Süßigkeiten winkt? Nein, sagen die Eltern beider Sprösslinge – und behalten recht. Kurz darauf bekommen es die Kids mit einem ferngesteuerten Auto zu tun, das sie nicht bewegen sollen. Ein frommer Wunsch, zumindest bei Santino. Kaum ist er alleine, greift er beherzt zur Fernbedienung und fährt den Wagen zielgerichtet an einen Tisch, sodass eine Vase zu Bruch geht. "Ich hab ein bisschen dein Auto gesteuert", räumt er später ein, als Aufpasserin Mirja Boes wieder den Raum betritt, die Santino prompt für seine Ehrlichkeit lobt. 


"Ein ehrlicher kleiner Betrüger", findet auch Verona Pooth, die im Studio neben den Eltern als Promi-Patin fungiert und ebenso um Punkte spielt wie Evelyn Burdecki auf der anderen Seite für Lilly und deren Eltern, für die es um bis zu 10.000 Euro geht. Aber auch die eigentlich so brave Lilly weiß eine Lügengeschichte zu erzählen. Freimütig spricht sie über eine Bahnfahrt, bei der ihre Eltern nicht genügend Geld für ein Ticket in der Tasche hatten. "Da mussten wir sagen, ich bin 5", erzählt sie – sehr zum Unmut der Eltern, die in diesem Moment peinlich berüht sind. Keine Frage, diese Aussage war wirklich "herrlich ehrlich".

Es sind Momente wie diese, die die neue Vox-Show unterhaltsam machen – und für einen etwas schleppenden Beginn entschädigen. Während es auch vor dem Fernseher großen Spaß macht, bei den Experimenten auf den Ausgang zu tippen, hält sich der Ratespaß am Anfang noch in argen Grenzen. Gezeigt wird, wie die Promi-Patinnen die Kinder besuchen und ihnen möglichst viele Details entlocken wollen, um in der Show Punkte sammeln zu können. Wie die Freundin von Santino heißt und dass Lilly einmal "Bauarbeiter-Chefin" werden möchte, können Pooth und Burdecki zwar wissen, nicht aber die Zuschauer auf dem Sofa.

Herrlich ehrlich - Kennst du dein Kind?

Lustiger ist da schon das Spiel, bei dem die Kinder aufzählen sollen, welche Schimpfwörter sie beherrschen Nachdem Verona Pooth zunächst artig zu Protokoll gibt, allenfalls "Scheiße" und "Shit" zu kennen, ist Santino schon deutlich sprachgewandter. "Arschloch, verpiss dich auf deinen Penis", ruft er laut. Andere Begrifflichkeiten sind offenbar so deftig, dass sich Vox vorsorglich dazu entschließt, sie lieber zu übertönen. Zu hören bekommen die Zuschauer nur noch das Ende eines Satzes, der mit den Worten "du Scheiß Bitch" schließt – was den Eltern sichtlich peinlich ist. 

Moderatorin Mirja Boes versucht allerdings zu beschwichtigen. Der Knirps habe die Wörter sicher nur irgendwo aufgeschnappt und generell ist ja alles gar nicht so schlimm. Manchmal mag ihr Versuch, die hervorgerufenen Situationen wieder einzufangen, etwas zu gewollt daherkommen, doch grundsätzlich ist Boes eine überraschend gute Wahl für die neue Vox-Show, weil sie einen guten Draht zu den Kindern aufbaut und diese offensichtlich Spaß daran haben, sich mit ihr sogar auf Vogelspinnen-Experimente einzulassen.

Mit einer Länge von einer Stunde ist die Brainpool-Produktion zudem angenehm kurz geraten ist. Nur schade, dass Vox einfach noch eine weitere Folge dranhängt und damit die Chance verpasst den Beweis anzutreten, dass eine Fernsehshow auch dann funktioniert, wenn sich das Publikum nicht den gesamten Abend dafür freihalten muss. Da wäre es wünschenswert gewesen, die Kinder früher ins Bett zu schicken. Aber so ist das eben: Auch das Fernsehen macht nicht immer, was Mama und Papa wollen.

Vox zeigt "Herrlich ehrlich - Kennst du dein Kind?" dienstags um 20:15 Uhr.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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