Herr Wolter, am Wochenende fliegt die TV-Branche wieder geschlossen nach Cannes und wird dort doch nichts erfahren, was man nicht schon vorher wusste. Welchen Sinn hat eine solche Messe in Zeiten von Online-Screenings und dem immer schnelleren Austausch noch?

Natürlich sind einem viele Formate und Produktionen schon vor der MIPTV bekannt. Viel wichtiger als der reine News-Wert der Veranstaltung ist für mich aber immer wieder das persönliche Gespräch, auch mit Kollegen die ich sonst nicht treffe und der Austausch mit unseren internationalen Kollegen und Partnern.

Wegen diesem Austausch gilt die MIP auch immer als Stimmungsmesser der Branche. Welche Stimmung erwarten Sie?

Ich glaube, der Optimismus der Anbieter hängt immer von der individuellen Positionierung der Company ab und der Stärke der jeweiligen Produkte. Von allgemeinen „Stimmungsbildern“ halte ich in diesem Zusammenhang wenig.

Gibt es denn inhaltlich so etwas wie einen Trend in diesem Jahr?

Ein Trend, der uns schon in den vergangenen Jahren begleitet hat und auch in diesem Jahr wieder sichtbar wird, ist die Verknüpfung von TV und Social Media. Dabei geht es vor allem darum, eine sinnvolle Verbindung zwischen zwei spannende Medien zu schaffen und junge TV-Zuschauer dort abzuholen, wo sie sich zu Hause fühlen. Bei Endemol konzentrieren wir uns auf Ideen, die sich nicht gegenseitig kannibalisieren. Die Kombination von Social Media plus TV sollte immer auf eine 1+1=3-Rechnung hinauslaufen.

Welche Formate bringt denn Endemol mit zur MIPTV? Worauf liegt der Fokus?

Unsere drei internationalen Top-Formate auf der diesjährigen MIPTV sind „Your Face Sounds Familiar“, „The Bank Job“ und „Fear Factor“. „Your Face Sounds Familiar“ ist ein Talentwettbewerb mit einem humorvollen Twist: Prominente Kandidaten schlüpfen in die Rolle eines bekannten Kultmusikers und werden für ihren Gesang, ihren Style und ihre Glaubwürdigkeit bewertet. „The Bank Job“ ist eine Game Show unter Hochspannung. Die Kandidaten finden sich in einem Banktresor wieder – und haben die Chance, ein kleines Vermögen zu gewinnen.
Und mit „Fear Factor“ kehrt ein Klassiker der amerikanischen TV-Unterhaltung zurück, dessen Remake auf NBC zuletzt sehr gute Quoten erzielte. Außerdem sind erfreulicherweise auch einige Formate in Cannes zu sehen, die in Deutschland entwickelt oder weitentwickelt wurden: „Deutschlands Superhirn“ das mit Jörg Pilawa sehr gute Quoten erzielte, vertreiben wir unter dem internationalen Titel „The Brain“. Unsere Weiterentwicklung von „Give Me That Bill“ oder „The Whole 19 Yards“ – beides Formate, die wir mit Joko und Klaas bei ProSieben auf Sendung gebracht haben. Ebenfalls in Cannes präsent ist auch das Kids Entertainment Format „XXS“, deutscher Titel: „XXS – Hilfe, wir werden geschrumpft!“.

Gibt es schon im Vorfeld Deals zu verkünden?

Den humorvollen Talentwettbewerb „Your Face Sounds Familiar“ von den Kollegen in Spanien hat Endemol International bereits vor Marktstart in Cannes in sechs Länder verkauft: Nach einer sehr erfolgreichen ersten Staffel auf dem spanischen Sender Antena 3 ist das Format dort bereits für eine zweite Staffel beauftragt, weitere 5 Länder haben nachgezogen. Und die Mini-Serie „Black Mirror”, eine satirische Trilogie über die Informationsgesellschaft und unser Verhältnis zu moderner Technik, hat Endemol Worldwide Distribution bereits in 21 verschiedene Länder verkauft – darunter Australien, Israel, Schweden und Spanien.