Sie sprachen eben schon von den in Deutschland entwickelten oder weiterentwickelten Formaten. Oftmals heißt es, Deutschland sei nicht der kreativste Markt für neue Formate aber gut in der Perfektionierung. Würden Sie da zustimmen?

Deutsche haben den MP3-Player erfunden, aber Apple hat ihn zum Erfolg gemacht. Umgekehrt haben die Japaner das Auto nicht erfunden, sind aber trotzdem durchaus erfolgreiche Autobauer. Aus meiner Sicht ist es gar nicht so wichtig, woher die erste Idee stammt, sondern wie feinfühlig und professionell sie realisiert wird. Die Kunst ist, ein Format so zu adaptieren, dass es zu den deutschen Zuschauern passt. Einige nenne Endemol ja gerne eine Fernsehfabrik – und meinen es wenig schmeichelhaft. Wenn Fabrik aber dafür steht, viele gute Ideen in Produkte zu verwandeln und in hoher Qualität und Zahl auf den Markt zu bringen, dann bin ich gerne TV-Fabrikdirektor.

Herr Fabrikdirektor, was ist als Teil der Endemol-Gruppe eigentlich attraktiver: Eigene Ideen schnell international verkaufen zu können oder auf erfolgreiche  internationale Ideen zurückgreifen zu können.

Beides ist attraktiv. Endemol lebt einen enorm inspirierenden kreativen Austausch über Ländergrenzen hinweg und profitiert von der Möglichkeit, erfolgreiche TV-Formate innerhalb unseres Netzwerks von 80 Unternehmen in 31 Ländern schnell und effizient auszurollen. In irgendeiner Zeitzone tüftelt immer jemand an der nächsten Idee. Die Kombination aus vielen individuellen Einheiten, die nah an den Märkten sind, und der Schlagkraft einer großen Produktionsgruppe sorgt dafür, dass gute Ideen auch optimal umgesetzt werden.

Wie sieht der Austausch innerhalb der Endemol-Gruppe aus?

Der Austausch ist extrem transparent und funktioniert über alle Ebenen hinweg. Nicht nur die Geschäftsführer der jeweiligen Länder sondern auch Kreative und Producer treffen sich regelmäßig, um Informationen und Erfahrungen zu teilen. Außerdem tauschen wir uns auch themenbezogen zu einzelnen Formaten aus, um Produktionen weiterzuentwickeln oder gute Ideen für den Geschmack unseres lokalen Publikums zu adaptieren.

Gibt es momentan denn viel zu adaptieren? Ein Trend scheint momentan starke Fiction zu sein und weniger das klassische Formatgeschäft...

Mit „Hot in Cleveland“ oder „Leverage“ halten wir die Rechte an einigen starken Fiction Formaten innerhalb der Endemol Gruppe. Persönlich glaube ich aber, dass auch Spielshows hochaktuell sind: In einer Zeit, in der immer mehr Menschen immer weniger mit ihren Händen arbeiten, ist eine Game Show für viele ein gelungener Ausgleich, eine Entkopfung des Alltags auf Zeit.

Dann bleibt nur noch eine Frage mit Servicecharakter für die, die vielleicht zum ersten Mal nach Cannes fahren. „How to MIP?“ oder: Welche Fehler sollte man in Cannes tunlichst vermeiden?

Unbedingt den Information Overflow vermeiden! Lieber ausgewählte Stände auf der MIPTV besuchen und Gespräche mit einzelnen interessanten Formatentwicklern vereinbaren. Wer von Screen zu Screen hetzt, verliert schnell das Gesamtbild aus den Augen.

Herr Wolter, herzlichen Dank für das Gespräch.