Das ZDF hat einen Auftritt von Danger Dan und Igor Levit in der Satire-Sendung "Die Anstalt" kurz vor der Aufzeichnung der neuen Ausgabe, die am kommenden Dienstag ausgestrahlt wird, untersagt. Die beiden Musiker machten das in einem Instagram-Post öffentlich, das ZDF hat den Vorgang gegenüber der KNA auch bestätigt. Im Rahmen der Sendung, die sich mit der Wehrhaftigkeit der Demokratie und wachsender Radikalisisierung auseinandersetzen soll, hätten die beiden ihren neuen Song "Keine Angst" spielen sollen, in dem es um den Kampf gegen Rechtsextremismus und antifaschistischen Widerstand geht.

Das ZDF begründet den Eingriff in die redaktionelle Freiheit der "Anstalt" damit, dass man den Text des Songs als Aufruf zur Gewalt verstehen könne, was im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF stünde. Den Songtext kann man an dieser Stelle nachlesen. Im Rahmen der Anstalt hätte der Inhalt des Songs eingeordnet werden sollen - auch das konnte die Bedenken der ZDF-Führung allerdings nicht zerstreuen. Im Zuge der Sendungsvorbereitung habe eine "intensive redaktionelle Bewertung" ergeben, dass der Widerspruch im Anschluss an die mehr als siebenminütige Liveperformance auf der Bühne nicht aufzulösen gewesen wäre.

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Das ZDF wolle sich nun stattdessen zeitnah "dokumentarisch-journalistisch" mit dem Lied befassen und es an anderer Stelle im Programm aufarbeiten. Die Kurzfristigkeit der Absage bedaure man, was man auch gegenüber dem Management der Beiden zum Ausdruck gebracht habe. Beruhigen konnte das ZDF die Lage mit dem Ausdruck des Bedauerns freilich nicht: Igor Levit und Danger Dan schreiben in ihrem Instagram-Post von einem skandalösen Eingriff in die Kunst- und Meinungsfreiheit und bemängeln auch, dass ihnen keine schriftliche Begründung für das Auftrittsverbot vorliege. Sie weisen zudem darauf hin, dass dem ZDF das Lied schon seit Wochen vorgelegen habe, seitens des Justiziariats habe es demnach - anders als in der ZDF-Führung - keine Bedenken gegeben.

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"Dass nicht alle das Lied, das wir spielen wollten, mögen würden, war uns klar, dass wir auch hier über einzelne Zeilen diskutieren können und es Debatten auslösen kann, das ist doch toll, das ist gewünscht, das gehört in einer Demokratie dazu. Dass wir jetzt aber schon an dem Punkt angekommen sind, an dem eine ZDF-Intendanz autoritär in Sendungen eingreift, antifaschistisches Liedgut verbietet und eine Begründung verweigert, das erschüttert uns und das nennt man nicht Demokratie, das ist ein autoritärer Akt", heißt es im Instagram-Posting.

Die "Anstalt"-Macher wiederum distanzierten sich von der Entscheidung und kritisierten die ZDF-Leitung. "Wir empfinden die Entscheidung als mutlos – gerade jetzt, wo rechtsextreme Gewalt wieder stark zunimmt. Wir hätten es als öffentlich-rechtliche Pflicht angesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren." Schon aufgrund der Kurzfristigkeit der Ausladung wird ebendiese in der kommenden Ausgabe dann auch Thema sein. "Wie es aussieht, wenn Sender und Sendung nicht einer Meinung sind, seht ihr in der nächsten Folge der Anstalt am Dienstag, 21. Juli, um 22:15 Uhr im ZDF." Es wird ausgerechnet die 100. Ausgabe der "Anstalt" sein.

Dass ein geplanter Auftritt von Igor Levit und Danger Dan direkt die ZDF-Geschäftsführung auf den Plan ruft, hängt sicherlich auch mit einem Auftritt in der Vergangenheit zusammen: Als die beiden mit ihrem Song "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" im "ZDF Magazin Royale" auftraten, führte das zu vielen Diskussionen. Besonders unrühmlich war dann die Entscheidung des ZDF, aus einer Laudatio der beiden beim Opus Klassik zwei Worte und damit die Kritik an AfD-Sympathisanten herauszuschneiden. Hier sprach das ZDF im Nachhinein von einem Fehler.