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Keine Lizenz, kein Geld: Das Aus für B.TV ?

 

Der baden-württembergische Fernsehsender B-TV ist nach Zeitungs-Informationen in Not

von Thomas Lückerath
26.07.2002 - 01:00 Uhr

Keine Lizenz, kein Geld: Das Aus für B.TV ?

Update vom 31. Juli:

Am Mittwochmorgen musste die B.TV Television GmbH & Co. KG beim Amtsgericht Karlsruhe das Insolvenzverfahren für den gesamten Unternehmensverbund beantragen. Was aus den rund 200 Mitarbeitern werden soll, ist noch unklar. Im Folgenden einen Bericht, den DWDL bereits am 26.Juli veröffentlichte.



Bringt die Landesmedienanstalt Niedersachsen das Fass zum Überlaufen? Der Fernsehsender B.TV steckt nach Informationen der Sindelfinger/Böblinger Zeitung in einer schweren Krise. Seit einigen Tagen gipfelt dies in einem Ultimatum oben genannter Anstalt, den niedersächsischen Ableger von B.TV bis zum 1.August zu starten. Sollte dies nicht geschehen, so Reinhold Albert, Chef der Anstalt, müsse man prüfen, "B-TV die Lizenz wieder zu entziehen". Albert weiter: "Trotz der Schwierigkeiten in der Fernsehbranche ist es nicht zu akzeptieren, dass jemand eine Lizenz auf Vorrat hortet". Sechs Tage vor Ablauf des Ultimatums existiert in Niedersachsen weder ein B.TV-Studio, noch ein einziger B.TV-Mitarbeiter.

Was auf den ersten Blick nur ein überschaubares Problem zu seien scheint, führt immer wahrscheinlicher zum Aus für B.TV. Der ursprüngliche Ballungsraumsender für Baden und Württemberg wuchs im Jahr 2000 zum landesweiten Sender heran. Doch auch ganz Baden-Württemberg schien Sender-Chef Bernd Schumacher nicht zu genügend. Und so setzte er ganz auf die Ausstrahlung via Astra-Satellit: Koste es was es wolle.

Einmal mehr bestätigte Schumacher damit seinen Ruf als "Visionär". Doch all zu oft werden Visionäre von der Realität eingeholt. So könnten in ganz Europa zwar theoretisch 80 Millionen Menschen B.TV sehen, doch bleibt diese Zahl lediglich Utopie, so oft Schumacher sie auch in Interviews und auf Veranstaltungen des Senders wiederholt.

Die Kosten für die Astra-Aufschaltung belaufen sich jährlich auf 6,1 Millionen Euro. Seit einigen Wochen ist B.TV mit der Zahlung im Verzug. Und die Astra-Zentrale bestätigt: "Wir kennen die Probleme, äußern uns aber nicht zu Kundenbeziehungen". Ein von der Zeitung zitierter Insider ist sich sicher: "Wenn er (Schumacher) jetzt nicht einen Investor findet, ist B-TV im Herbst am Ende".

Und diese Investorensuche läuft bereits seit Monaten. Jedoch erfolglos. Recherchen der Zeitung ergaben, dass Schumacher sowohl in der Kanzlei des Italieners Silvio Berlusconi (Frankfurt) als auch bei den Berliner Anwälten des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch vorstellig geworden ist. Beide haben ein finanzielles Engagement jedoch abgelehnt. Die Aussichten auf baldige Finanzspritzen sind damit sicher nicht besser geworden.

Branchenkenner sehen sich bei den vielen Negativ-Schlagzeilen bestätigt: "Schumacher hat mit seinem Plan eines Ballungsraumfernsehens viel Mut bewiesen, aber längst den Überblick verloren. Zudem ist er kritikunfähig". Immer mehr führende Mitarbeiter des Senders verlassen das Schiff. So zuletzt erst der kaufmännische Leiter Stefan Gönnenwein. Selbst dessen Nachfolger, zwei Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, sind schon wieder weg.

B.TV-Chef Schumacher war bisher weder zu einer schriftlichen noch mündlichen Stellungnahme bereit.

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