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Springer & Co. im Web: Nun muss der Kunde zahlen

 

Der Auftakt der medienwoche@IFA verlief weitgehend harmonisch aber mit einer weit reichenden Ankündigung: Sämtliche iPhone-Applikationen des Springer-Verlags sind künftig kostenpflichtig. Der Verlag will damit Bezahinhalte im Netz stärken. Aus Berlin berichtet Katharina Dockhorn.

von Katharina Dockhorn
07.09.2009 - 16:55 Uhr

Logo: Axel Springer"Irgendwer muss immer bezahlen", diese alte Weisheit hat sich Ufa-Chef Wolf Bauer für seinen beruflichen Weg zum Motto gemacht. In Zukunft soll es wieder der Kunde sein, der nach einem Jahrzehnt der legalen und illegalen Nutzung von Inhalten im Netz verstärkt zur Kasse gebeten werden soll. Diese Einstellung zeugt vom neuen Selbstbewusstsein, das die Teilnehmer des Eröffnungs-Panels "Medienstandort Deutschland zwischen Hype & Krise" des Medienkongresses Berlin-Brandenburg demonstrierten.

Voraussetzung für die neue Einheit ist das Besinnen auf die eigenen Stärken. Waren die Diskussionen des vergangenen Jahres noch von der Angst vor der Expansion der Print-Medien im Revier des Fernsehens und umgekehrt bestimmt, haben die Begrenzung einer Expansion der öffentlich-rechtlichen Sender im Netz durch den 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag einerseits und die bisherigen Versuche der Verlage mit dem bewegten Bild die Nerven beruhigt. Beide haben sich auf ihre Stärken - die journalistische Kompetenz und ihre Kreativität - besonnen und werden in ihrer Kern-Nische bleiben. Von dort aus wird versucht, Geschäftsmodelle zu entwickeln, um im Internet Geld zu verdienen.
 

 
Vorerst scheint dabei kein Weg an Google und seinen Töchtern vorbeizuführen. Vorbild ist die Musikindustrie, die einen Vereinbarung mit Youtube über die Beteiligung an Erlösen geschlossen hat. Google zahle weltweit auch 5 Milliarden US-Dollar jährlich an Verlage für die Nutzung von deren Inhalten, erklärte Stefan Tweraser, Google Deutschland. Er musste sich aber natürlich den Vorwurf gefallen lassen, dass die Suchmaschine ihre marktbeherrschende Stellung bei den Verhandlungen zu solchen Verträgen ausnutze.

Deutschland habe diese technologische Entwicklung verschlafen, klagte Andreas Wiele, Zeitschriften-Vorstand und Chef der Bild-Gruppe im Springer-Verlag. Doch er wollte alles andere als in ein Klagelied verfallen. Deutschland müsse Vorreiter bei der Etablierung des Paid Content im Netzt werden, lautete seine zentrale Forderung. In zehn Jahren wolle der Verlag 50 Prozent seines Umsatzes im Netz erzielen. Als erster Schritt werden noch in diesem Jahr alle iPhone-Angebote Springers, darunter Applikationen zum Beispiel für das Angebot "bild.de", kostenpflichtig.

Doch was nutzen solche Überlegungen, wenn die Unternehmen  nicht gegen Piraterie vorgehen können? Noch heute kämen in der Musikindustrie auf einen legalen zehn illegale Downloads beklagte Frank Briegmann, Universal Music. Im Gegensatz zu Tweraser und Joel Berger (Myspace), die weiterhin jede Regulierung des neu entstandenen digitalen Marktes ablehnen, forderten die Vertreter der Kreativen eine Verbesserung des Formatschutzrechts, das heißt ein Leistungsschutzgesetz, das es ihnen erleichtert, gegen illegale Nutzer ihrer Inhalte vorzugehen.

Bei so viel Harmonie war von Krise nicht viel zu spüren. Nur leise klang sie an, als RBB-Intendantin Dagmar Reim befürchtete, die Zahl der Gebührenverweigerer könne noch steigen. Und auch Wolf Bauer sieht mit einem Wehrmutstropfen ins kommende Jahr. In diesem Jahr werden noch die Aufträge des vergangenen Jahres abgearbeitet. Auf Grund der Werbeeinbrüche bei den privaten als auch den öffentlich-rechtlichen Sendern befürchtet er im kommenden Jahr jedoch einen Einbruch. Aber die Ufa sei gut und breit aufgestellt. Am 1. November startet sie im Netz ihr UFALAb, in dem die Digital Natives ihr Können demonstrieren können.

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