Dass die Degeto nicht nur finanziell in eine Schieflage geraten ist, sondern zumindest teilweise auch nicht die erhoffte Qualität abgeliefert hat, war in den letzten Monaten schon des Öfteren nicht mehr nur von Kritikern zu lesen, sondern auch aus der ARD zu hören. Ende letzten Jahres diskutierten die ARD-Intendanten über die Freitagsfilme. Programmdirektor Volker Herres sagte danach, dass sich an der grundsätzlichen Ausrichtung auf leichte und komödiantische Stoffe zwar nichts ändern solle - "aber auch solche Stoffe kann man so oder so machen", so Herres. "Für sie gilt dasselbe wie für alle Schauspieler: Wir werden uns jeden Besetzungsvorschlag genau anschauen. Es darf keine Automatismen geben bei der Vergabe von Rollen."

Christine Strobl, die Anfang des Monats die Geschäftsführung der Degeto übernommen hatte, stieß nun ins selbe Horn: "Die Formel 'Schöne Landschaft plus komplizierte Familienentwicklung gleich Erfolg' reicht nicht mehr aus. Man kann von Liebe auch zeitgemäß erzählen", so Strobl gegenüber dem "Spiegel". Nicht alle, aber einige Degeto-Filme seien nach "Schema F" erzählt worden, das Strobl so zusammenfasst: "Der alte Vater stirbt an einem Herzinfarkt, die Tochter kehrt von der Stadt aufs Land zurück, um den Hof zu retten, und trifft ihre Jugendliebe wieder. Da besteht Handlungsbedarf."

Schon ihre Vorgängerin Bettina Reitz hatte angekündigt, bei der Vergabe von Aufträgen zur Qualitätssicherung künftig transparenter vorgehen zu wollen. So müsse "inhaltlich nachvollziehbar" sein, warum es für ein Projekt grünes Licht gebe oder auch nicht. Künftig gelte das Vier-Augen-Prinzip. Strobl: "Es wird keine Zusagen an Firmen geben, bestimmte Mengen an Filmen an zufertigen. Wir entscheiden nach Qualität" - ein bemerkenswerter Satz, der ein Schlaglicht auf die bisherige Praxis wirft.