Peter Limbourg © Deutsche Welle
Zu unkritisch?

Limbourg verlässt RoG-Kuratorium nach China-Streit

 

Schon seit Wochen muss sich die Deutsche Welle (DW) Kritik an ihrem neuen China-Kurs anhören. Der vorläufige Höhepunkt: DW-Chef Peter Limbourg hat das Kuratorium der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen verlassen - nicht ganz freiwillig.

von Timo Niemeier
04.12.2014 - 11:54 Uhr

Seitdem Peter Limbourg im Oktober 2013 die Führung der Deutschen Welle übernommen hat, hat er einige Reformen in die Wege geleitet. Bei seiner China-Politik stieß er dabei auf besonders viel Widerstand. Die DW gehe zu unkritisch mit der chinesischen Regierung um, hieß es immer wieder von externen Journalisten. Auch bei der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (RoG) sieht man das China-Engagement der DW kritisch, im dem von den RoG veröffentlichten Ranking zur Pressefreiheit schneidet China immer besonders schlecht ab. 

Nun kam es laut der "Süddeutschen Zeitung" zwischen Limbourg und der RoG-Geschäftsführung zu einer Auseinandersetzung. RoG-Geschäftsführer Christian Mihr habe Limbourg aufgefordert, sich auf einer Podiumsdiskussion der Kritik zu stellen, dazu kam es aber nicht. Daher beschloss die Geschäftsführung zu handeln und schickte dem DW-Chef einen Brief, aus dem die "SZ" zitiert: "Wir sind der Meinung, dass die vertraglich angestrebte CCTV-Kooperation der Deutschen Welle im Widerspruch zum Mandat unserer Organisation steht, den wir vor unseren Mitgliedern nicht rechtfertigen können." Christian Mihr bat Limbourg um einen freiwilligen Rückzug aus dem RoG-Kuratorium, dem unter anderem Thomas Bellut, Wolfgang Büchner, Giovanni di Lorenzo, Georg Mascolo, Ines Pohl und Karola Wille angehören.

Laut "SZ" schlug man bei der DW daraufhin vor, einen anderen Vertreter des Senders ins Kuratorium zu senden. Aber auch das wollten die Reporter ohne Grenzen nicht: "Unsere Kritik an der Kooperation zwischen Deutscher Welle und dem chinesischen Staatsfernsehen CCTV ist ja keine an Ihnen als Person, sondern an der von Ihnen repräsentierten offiziellen Politik der Deutschen Welle gegenüber China und seinem Staatssender", hieß es in einem weiteren Schreiben der Journalistenorganisation. 

Limbourg antwortete laut "SZ" noch am selben Tag und kündigte seinen Rückzug an: "Die Deutsche Welle ist und bleibt die Stimme der Freiheit, der Menschenrechte und der freien Presse. Dass vor dem Hintergrund Ihrer Kritik die Zusammenarbeit zwischen DW und RoG in der bisherigen Weise nicht fortgesetzt werden kann, werden Sie sicherlich verstehen."

Update (13:20 Uhr): In einer ersten Version dieses Textes war zu lesen, dass es zwischen Peter Limbourg und anderen Mitgliedern des Kuratoriums zum Streit gekommen war. Das stimmt nicht. Vielmehr war es eine Auseinandersetzung zwischen Limbourg und der RoG-Geschäftsführung. 

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