Hart aber fair © WDR/Klaus Görgen
Sexismus-Vorwurf

Plasbergs Gender-Talk muss in den Giftschrank

 

Eine "Hart aber fair"-Ausgabe über Gleichstellung erhitzte die Gemüter und beschäftigte nun sogar den WDR-Rundfunkrat. Eine Programmbeschwerde wurde zwar zurückgewiesen, doch in den Giftschrank muss die Sendung trotzdem.

von Alexander Krei
22.08.2015 - 09:36 Uhr

Eine "Hart aber fair"-Ausgabe zum Thema Gleichberechtigung hat in dieser Woche den WDR-Rundfunkrat beschäftigt. Unter dem Titel "Nieder mit den Ampelmännchen - Deutschland im Gleichheitswahn?" hatte Moderator Frank Plasberg im März unter anderem mit Schauspielerin Sophia Thomalla, FDP-Poltiker Wolfgang Kubicki und Autorin Birgit Kelle ("Gender gaga") diskutiert und damit die Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungbeauftragten in NRW auf den Plan gerufen. Dieser legte nach Ausstrahlung der Sendung eine Programmbeschwerde ein. So sei die Auswahl der Gäste nicht dazu geeignet gewesen, "eine faire Diskussion über Geschlechterforschung zu führen", lautete einer der Kritikpunkte, wie der Deutsche Frauenrat darstellte.

Ein weiterer: "Manipulativ wurden polarisierende Beispiele ausgewählt. Ampelmännchen, Unisextoiletten und brünftige Hirsche werden herausgestellt, um das gesamte Themenspektrum um Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik gezielt lächerlich zu machen." Zudem seien Plasbergs Fragen "manipulativ" gewesen. Die Gleichstellungsbeauftragten sprachen in ihrem Schreiben an WDR-Intendant Tom Buhrow gar von einem "ungeheuerlichen Machtmissbrauch des 'Moderators', die neutrale Position zu verlassen und auf diese Art und Weise ZuschauerInnen manipulieren zu wollen". Und: "Es schien so, als solle der 'gesunde Menschenverstand' beschworen und bedient werden, der sich seit Monaten montags auf der Straße zeigt."

Der Rundfunkrat teilte nun die Kritik an der Sendung. Zwar wies das Gremium die Programmbeschwerde nach Angaben des Frauenrats zurück, wies jedoch an, die Sendung im "Giftschrank"  verschwinden zu lassen. Sie dürfe damit nicht mehr in der Mediathek gezeigt und auch sonst nie mehr wiederholt werden, teilte der Frauenrat zufrieden mit. Gegenüber "Bild" verteidigte die Rundfunkrats-Vorsitzende Ruth Hieronymi das Vorgehen: "Die Auswahl der Gäste und die Gesprächsleitung waren für die Ernsthaftigkeit des Themas nicht ausreichend." Kritik kam auch vom WDR-Programmausschuss: "Es ist mit einem gesellschaftlichen Thema in einer unseriösen Weise umgegangen worden - nicht zuletzt durch den Moderator."

"Die Sendung war von Frauenverbänden und Gleichstellungsbeauftragten als unseriös empfunden worden und hatte zu Programmbeschwerden und zahlreichen Protestbriefen geführt", hieß es von Seiten des Senders auf "Bild"-Anfrage. "Die Redaktion musste zur Kenntnis nehmen, dass viele Frauen die Sendung offenbar anders empfunden haben, als sie gemeint war."

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