Hart aber fair © WDR/Klaus Görgen
Weil's so schön war...

Nach Kritik: Plasberg mit weiterem Gender-Talk

 

WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn wehrt sich nach dem Löschen einer "Hart aber fair"-Sendung aus der Mediathek gegen den Vorwurf der Zensur. Voraussichtlich in zwei Wochen soll das Thema noch einmal aufgerollt werden.

von Alexander Krei
24.08.2015 - 15:57 Uhr

Eigentlich befindet sich Frank Plasberg derzeit in der Sommerpause. Ruhige Wochen sind es für den Moderator allerdings nicht. Erst sorgte die Zusammenarbeit seiner Produktionsfirma mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft für scharfe Kritik und nun erhitzte auch noch eine schon zu Jahresbeginn ausgestrahlte "Hart aber fair"-Ausgabe zum Thema Gleichstellung die Gemüter, weil sich der WDR dazu genötigt sah, diese aus der Mediathek zu nehmen. Vom Tisch ist die Debatte allerdings nicht: Stattdessen darf Moderator Frank Plasberg im September abermals darüber diskutieren.

"Aufgrund der großen Debatte über die Sendung und ihr Thema hat die Redaktion entschieden, dass das Thema Gleichberechtigung der Geschlechter in voraussichtlich zwei Wochen in 'Hart aber fair' erneut aufgegriffen wird", sagte WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn am Montag. "Die kommende 'Hart aber fair'-Sendung wird sich aber zunächst mit dem großen gesellschaftlichen Thema Flüchtlinge beschäftigen." Zugleich setzte sich Schönenborn gegen Kritik an angeblicher Zensur zur Wehr. "Der Vorwurf der Zensur oder Selbstzensur ist so gravierend, dass man ihn nicht leichtfertig erheben sollte. Für den WDR weise ich das entschieden zurück", betonte der Fernsehdirektor in einer Stellungnahme und stellte klar, dass die Sendung bereits aus dem Netz genommen wurde, bevor sich der Rundfunkrat in der vorigen Woche mit der kritisierten Ausgabe beschäftigte.

Und weiter: "Die 'Hart aber fair'-Sendung 'Nieder mit den Ampelmännchen' ist frei von äußerer Einflussnahme produziert, ausgestrahlt und von knapp drei Millionen Zuschauern gesehen worden. Sie wurde vor allem in den Wochen nach der Ausstrahlung breit diskutiert und intern analysiert, durchaus selbstkritisch. Sie nach einem halben Jahr aus der Mediathek zu nehmen, wo sie kaum mehr abgerufen wurde, war eine souveräne Entscheidung der Programmverantwortlichen." Beiträge aus der Mediathek herauszunehmen, sei "kein ungewöhnlicher Vorgang", so Schönenborn, "sondern kommt aus unterschiedlichen Gründen immer wieder vor: etwa wenn sich wesentliche Sachverhalte ändern. Die Sendung ist im WDR-Archiv nicht gesperrt, sie steht also nicht im 'Giftschrank'. Sie kann jederzeit von Redaktionen abgerufen und ausschnittsweise verwendet werden."

Klar ist aber auch, dass sich die Zuschauer die komplette Ausgabe vom Februar vermutlich nicht mehr in voller Länge werden ansehen können. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungbeauftragten in NRW hatte nach Ausstrahlung der Sendung massive Kritik geäußert, etwa mit Blick auf die Auswahl der Gäste. Zudem seien Plasbergs Fragen "manipulativ" gewesen. WDR-Intendant Tom Buhrow hatte sich bereits im April in einem langen Antwortschreiben ausführlich mit den Kritikpunkten auseinandergesetzt. Nun steht also der nächste Gender-Talk bei "Hart aber fair" an. Zur Besetzung sagte der WDR bislang allerdings nichts.

Dafür äußerte sich nun auch Moderator Frank Plasberg: "Bei uns ist Thema, was die Menschen bewegt oder aufregt. Das gilt natürlich auch, wenn wir es selber sind, die die Gemüter erhitzen. Das haben wir mit unserer Gender-Sendung definitiv getan, ein guter Grund also, das Thema und die Reaktionen auf unsere Sendung Anfang September noch einmal bei 'Hart aber fair' zu debattieren. Dass wir das mit der gewohnten redaktionellen Freiheit tun, die im WDR ein hohes Gut ist, versteht sich von selbst."

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