Fernsehen © paulniestroj / photocase.com
Medienvielfaltsmonitor

Die Medienkonzerne verlieren Meinungsmacht

 

Laut dem neuesten Medienvielfaltsmonitor der Landesmedienanstalten verlieren die großen deutschen Medienkonzerne immer mehr an Meinungsmacht. Meinungsbildner-Medium Nummer eins bleibt das Fernsehen, doch das Internet holt auf.

von Timo Niemeier
24.10.2016 - 19:47 Uhr

Die 15 größten Medienkonzerne Deutschlands haben im ersten Halbjahr 2016 zusammen bei der Meinungsmacht einen Marktanteil von 76,2 Prozent erreicht. Das geht aus dem neuesten Medienvielfaltsmonitor der Landesmedienanstalten hervor. Eigentlich sollten die Ergebnisse der Studie erst am Dienstag veröffentlicht werden, weil das "Handelsblatt" aber vorpreschte und Daten veröffentlichte, zeigt nun auch DWDL.de, wie es um die Meinungsmacht der deutschen Medien bestellt ist. Die 76,2 Prozent sind natürlich nach wie vor ein starker Wert, im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 verloren die Konzerne damit aber mehr als drei Prozentpunkte.

Einflussreichster Medienkonzern ist und bleibt die ARD mit einem Marktanteil von 21,8 Prozent. Bertelsmann (12,1 Prozent) und Axel Springer (7,9 Prozent) folgen auf den Plätzen zwei und drei, erreichen aber selbst zusammengerechnet nicht die Meinungsmacht der ARD. Es sind dann aber genau diese drei Konzerne, die in den vergangenen drei Jahren besonders viele Marktanteile abgeben mussten. Im Vergleich zu 2013 verlor die ARD 0,8 Prozentpunkte, Bertelsmann und Springer sogar 1,2 und 1,1 Prozentpunkte. Springer hält seinen Wert nun aber schon konstant seit dem ersten Halbjahr 2015 - hat sich seitdem also konstant gehalten.


Gegen den Trend zulegen konnten in den Top 15 nur vier Unternehmen: Das ZDF erreichte im ersten Halbjahr 2016 7,9 Prozent (+0,6), Burda landete bei 2,9 Prozent (+0,5), Funke holte 2,4 Prozent (+0,4) und Wolff & Sohn, zu dem unter anderem der "Münchner Merkur" gehört, erreichte 1,2 Prozent (+0,1). ProSiebenSat.1 landete mit einem Anteil von 7,6 Prozent am Meinungsmarkt auf Rang fünf.

Ursachen für Verluste und Zuwächse liegen auf der Hand: Während die ARD zuletzt etwa Marktanteile im Fernsehen eingebüßt hat, legte das ZDF zu. Dementsprechend hat sich auch die Meinungsmacht verschoben. Im Gegensatz dazu hat Axel Springer weiterhin mit Auflagenschwund im klassischen Print-Geschäft zu kämpfen. Ein weiterer interessanter Fakt der Erhebung: Trotz der gestiegenen Bedeutung des Internets befinden sich mit United Internet und Ströer erst zwei Unternehmen in den Top 15, die allein durch Online-Angebote Meinungsmacht erzeugen.

Das meinungsmächtigste Medium ist und bleibt das Fernsehen mit 35,7 Prozent, 2011 lag es allerdings noch bei 40,3 Prozent. Das Internet dagegen legte deutlich zu und steht mittlerweile bei 22,3 Prozent. Tageszeitungen erreichen 20,7 Prozent, während Zeitschriften nur bei 2,6 Prozent stehen. Das Radio erreicht beim Meinungsbildungsgewicht 18,7 Prozent Marktanteil und konnte damit im Vergleich zu 2011 leicht zulegen, seit 2014 (19,9 Prozent) ging der Wert aber kontinuierlich zurück.

Ein völlig anderes Bild zeigt sich bei den jungen Menschen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren. Hier ist das Internet mit 46 Prozent das meinungsstärkste Medium, gefolgt vom Fernsehen (24,8 Prozent), dem Hörfunk (17,6 Prozent) und den Tageszeitungen (9,8 Prozent). Die Zeitschriften kommen nur auf 1,8 Prozent. Gut für die Print-Branche ist allerdings die Tatsache, dass viele ihrer Medien im Online-Bereich heute führende Positionen inne haben. "Zeitungen und Zeitschriften gelingt es also, Rückgänge bei den traditionellen Printmedien über ihre Onlineangebote zunehmend auszugleichen", heißt es in der Studie.

Weil Online-Medien wie Google, Facebook und Twitter keine Medien im klassischen Sinne sind und auch keine eigenen Inhalte produzieren, tauchen sie nicht direkt in der Rubrik Internet auf. Da sie aber im großen Maße den Zugang zu Informationsangeboten ermöglichen und auch beeinflussen können, wird ihre Marktposition gesondert dargestellt. So kommt Google bei der Suche laut Medienvielfaltsmonitor auf mehr als 90 Prozent Marktanteil.

Bei den Sozialen Netzwerken dominiert Facebook mit 35,1 Prozent, aber auch Blogger (10,4), Wordpress (5,8) und Twitter (5,2) kommen auf relevante Größen. Sehr deutlich demonstriert Google seine Macht im Bereich der Video-Plattformen: Hier liegt die Google-Tochter Youtube mit 80,9 Prozent meilenweit vor der Konkurrenz. Dailymotion und Clipfish spielen mit 4,5 und 3,8 Prozent nur eine Nebenrolle. ProSiebenSat.1 hat sein Video-Portal MyVideo vor einiger Zeit weitestgehend eingestampft.

Hier die Anteile am Meinungsmarkt der einzelnen Medien:

  1. Halbjahr
2016
+/-
1. Halbjahr 
2013
+/-
2. Halbjahr
2015
ARD 21,8
-0,8
-0,2
Bertelsmann 12,1 -1,2
-0,2
Axel Springer 7,9
-1,1
+/-0
ZDF 7,8 +0,6
+0,4
ProSiebenSat.1
7,6
-0,2
-0,7
Burda 2,9 +0,5
+0,1
Medien Union 2,5 -0,3
+/-0
Funke 2,4 +0,4 +0,1
Bauer 2,4 -0,5
+0,1
DuMont Schauberg 1,7 +/-0 +0,1 
Tele München Gruppe 1,6 -0,3
+/-0
United Internet 1,6
-0,1 +/-0
Madsack 1,5
-0,1
+/-0
Wolff & Sohn 1,2 +0,1
+/-0
Ströer
1,2 +0,1

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