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Einst Hoffnungsträger, jetzt stilles Ende?

Internet-Musiksender tape.tv hat Insolvenz angemeldet

 

Sie waren laut und galten einst als sehr erfolgreich. In letzter Zeit ist es jedoch sehr still geworden um das Berliner Internet-Musikfernsehen tape.tv. Jetzt steht die Zukunft des Unternehmens auf dem Spiel: Am Montag wurde Insolvenzantrag gestellt.

von Thomas Lückerath
18.11.2016 - 16:44 Uhr

Vertreten durch Vorstand Dario Karl Suter hat die tape.tv AG bereits am vergangenen Montag beim Amtsgericht Charlottenburg in Berlin einen Insolvenzantrag gestellt. Ein vorläufiger Insolventverwalter ist eingesetzt. Der Gründer und langjährige Geschäftsführer Conrad Fritzsch hat das Unternehmen im Juli verlassen, auch wenn das Impressum des Unternehmens ihn weiterhin als Geschäftsführer ausweist. Das Online-Angebot von tape.tv ist derzeit unverändert verfügbar.



Gegründet wurde tape.tv im Juli 2008. Personalisiertes Musikfernsehen im Netz war stets das erklärte Ziel und Angebot von tape.tv. So konnten personalisierte Streams sowie thematische Streams ausgewählt werden und darüber hinaus Videos einzeln ansteuert werden. Wettbeweber in dem Segment war u.a. das Kölner Unternehmen Putpat.TV, das inzwischen von ProSiebenSat.1 übernommen und als Ampya am Markt tätig ist.

Seine Hochphase erlebte tape.tv in den Jahren 2010 und 2011. Eigenproduzierte Video-Formate wie die Konzertreihe „Auf den Dächern“ - in Kooperation mit Bild.de - und die Musikshow „on tape“ für ZDF.kultur erweiterten die Wahrnehmung der Marke. Dazu kamen Konzertübertragungen im Netz. Doch die Monetarisierung der gewonnen Aufmerksamkeit gestaltete sich schwieriger als gedacht -  trotz deutlich erhöhter Frequenz von Werbespots in den Streams.

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Conrad Fritzsch gründete tape.tv 2008 - und verließ das Unternehmen vor wenigen Monaten

Erste Probleme wurden 2013 bekannt, 2014 folgte auf zwei Kündigungswellen auch ein Umzug in kleinere Büroräume. In der Hochphase verzeichnete tape.tv laut IVW mehr als 11 Millionen Visits im Monat. Die Reichweiten-Rekorde gingen mit Kritik aus der Branche einher, dass die Reichweite letztlich nur gekauft sei - weil tape.tv oftmals als PopUnder-Werbung auf anderen Website kurzerhand direkt die eigene Website laden ließ.

Ende 2014 - als tape.tv zum letzten Mal die Reichweite via IVW auswiesen ließ - blieben von den mehr als 11 Millionen Visits drei Jahre zuvor nur noch weniger als 700.000 übrig. Dennoch hielt sich das Unternehmen noch knapp zwei weitere Jahre über Wasser bis zum Insolvenzantrag am vergangenen Montag. Über die Hintergründe dazu war am Freitag leider keine Auskunft vom Unternehmen zu erhalten. Eine Anfrage blieb zunächst unbeantwortet.

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