Tatort: Der rote Schatten © SWR/Julia von Vietinghoff
Aust sieht "RAF-Propaganda"

"Nicht pro RAF": SWR weist "Tatort"-Kritik zurück

 

Der jüngste "Tatort" zum Thema RAF hat für viele Diskussionen und auch Kritik gesorgt. Allen voran Stefan Aust ("Der Baader-Meinhof-Komplex") spricht von "RAF-Propaganda". Der zuständige SWR weist das zurück und freut sich über die Diskussionen.

von Timo Niemeier
16.10.2017 - 13:56 Uhr

9,27 Millionen Menschen haben sich am Sonntag den neuesten "Tatort" aus Stuttgart angesehen, bei dem Dominik Graf Regie führte. Mit dem Thema RAF und dem Zusammenspiel aus historischen Doku-Bildern der damaligen Zeit und gespielten Szenen sorgte der Streifen für viele Diskussionen - aber auch für Kritik. Vor allem der ehemalige "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust kritisiert den Film. Aust ist auch Autor des Buches "Der Baader-Meinhof-Komplex" und gilt als RAF-Experte.

In einem Interview mit der "Bild" kritisiert Aust den "Tatort" nun als "RAF-Propaganda". In der Realität hatten sich Andreas Baader, Jan-Carl Raspe und Gudrun Ensslin in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim das Leben genommen. Im "Tatort" sah es dann so aus, als wäre sie getötet worden. "Das wird bei den Zuschauern hängen bleiben. Es sieht im 'Tatort' so überzeugend aus, weil die Szenen sich an den Tatortfotos orientieren. Ich halte das für sehr problematisch", sagt Aust.

"Ich kann nicht verstehen, dass zur Hauptsendezeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen so ein gefährlicher Unsinn verbreitet werden kann", so Aust weiter. Beim zuständigen SWR kann man die Kritik nicht nachvollziehen. Der kommissarische Filmchef Manfred Hattendorf erklärt auf Nachfrage von DWDL.de: "Dieser 'Tatort' ist nicht pro RAF. Er erzählt von der schwersten gesellschaftlichen Krise der damaligen BRD nach dem zweiten Weltkrieg. Zu dieser Krise gehörten die aufwühlenden, kontroversen Deutungsarten der Vorgänge im Stammheimer Hochsicherheitstrakt."

Dominik Graf verstehe es auf "meisterhafte Weise", so der SWR-Filmchef weiter, die unvereinbaren Positionen zum Deutschen Herbst miteinander ins Gespräch zu bringen. "In der Form spannender Krimiunterhaltung bezieht der 'Tatort' Position, ohne sich für eine Deutungsvariante zu entscheiden, was in der Nacht von Stammheim am 17.Oktober 1977 in den Zellen von Ensslin, Baader, Meinhoff und Möller passiert ist. Der Krimi erzählt auch auf allen anderen Handlungsebenen das Phänomen, dass es schwer zu entscheiden ist, was wann passiert ist. Das ist schwer auszuhalten - und so schafft der 'Tatort' wieder einmal Gesprächswert über den Sonntagabend hinaus."

Teilen

Kommentare zum Artikel

Montags: Aktuelles aus dem Milliardengeschäft Sport - präsentiert von Eurosport zum Sports-Update Dienstags: Neuigkeiten aus der Welt der Vermarkter und Agenturen zum Media-Update Mittwochs: Very british: Die News der Woche aus dem Vereinigten Königreich zum UK-Update Donnerstags: Die aktuellen Radio-Meldungen präsentiert von der WDR mediagroup. zum Radio-Update Freitags: Die wichtigsten Nachrichten aus der US-Fernseh-Branche zum US-Update Samstags: Ulrike Klode schreibt, was sie in ihrer Serienwoche bewegt hat zu Meine Woche in Serie Sonntags: Fernsehkritiker Hans Hoff über Aufreger und Programmperlen zum Hoff zum Sonntag
Mit den Newslettern der DWDL.de-Redaktion sind Sie werktäglich bestens informiert. Für die Rundum-Versorgung abonnieren Sie einfach alle Angebote oder wählen den für Sie passenden Newsletter...
Name:
E-Mail:

Ich möchte die folgenden Newsletter erhalten: