Carsten Brosda © Bertold Fabricius
Geplante Reform von ARD und ZDF

"Die Eigenverantwortung der Sender muss erhöht werden"

 

Sechs Bundesländer haben zuletzt konkrete Vorschläge eingebracht, wie der Auftrag von ARD und ZDF verändert werden könnte. Nun erklärt Carsten Brosda, Kultursenator in Hamburg, die Ideen und sagt, wieso er einige Aussagen von Ulrich Wilhelm zuletzt deplatziert fand.

von Timo Niemeier
13.06.2018 - 18:11 Uhr

Die Reform des Auftrags von ARD und ZDF ist auch deshalb so kompliziert, weil ziemlich viele Politiker mitreden. Geht es um größere Änderungen, müssen diese von den 16 Bundesländern einstimmig beschlossen werden. Kritiker sagen, ein großer Wurf sei damit ohnehin nicht möglich. Immerhin sechs Bundesländer haben sich inzwischen zusammengetan und Ideen gesammelt, wie man den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für die Zukunft aufstellen könnte. Sie wollen den Rundfunkbeitrag indexieren, den Sendern mehr Verantwortung geben und einen Fokus auf die Bereiche Bildung, Kultur und Information legen (DWDL.de berichtete).

Zu den sechs Bundesländern gehört auch Hamburg, dessen Kultursenator Carsten Brosda hat nun "Spiegel Online" ein Interview gegeben und darin die Vorschläge der Ländergruppe erklärt. Brosda sagt, es brauche auch in Zukunft einen "qualitativ hochwertigen und attraktiven öffentlich-rechtlichen Rundfunk als eine starke Säule unseres Mediensystems". Im Staatsvertrag sei bislang aber sehr kleinteilig vorgeschrieben, was die Sender dürfen - und was nicht. Brosda verweist dann noch einmal auf die kuriose Situation rund um ZDFkultur: Der Sender wurde zugunsten von Funk eingestellt, lief zuvor aber ein Jahr lang weiter, weil dem ZDF die Einstellung nicht erlaubt war. "So eine Geldverschwendung hält kein System aus, da müssen die Sender mehr Gestaltungsraum kriegen und so etwas künftig über die Rundfunk- und Fernsehräte entscheiden können."

"Die Eigenverantwortung der Sender muss im neuen Staatsvertrag erhöht werden", sagt Brosda daher. Die Sender sollen nach dem Willen des Kultursenator außerdem verstärkt dort aktiv werden, wo sich Investitionen der privaten Sender nicht lohnen würden. Auch im Bereich der Verweildauern in den Mediatheken sei man sich im Länderkreis eigentlich einig, sagt Brosda. Man wolle die Verweildauer verlängern und gleichzeitig darauf achten, dass private Anbieter und Produzenten dadurch "nicht an den Rand gedrückt werden". Die Privaten sehen die geplante Ausweitung der Verweildauern kritisch.

Dass der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm zuletzt lautstark erklärte, es würden bald drei Milliarden Euro im Programm fehlen, sollte keine Gebührenerhöhung kommen, stößt dem Hamburger Kultursenator indes sauer auf. "Ich verstehe ja jeden Programmmacher, der mehr Geld für seine Arbeit fordert. Aber zugleich finde ich es in der aktuellen Debatte um den Rundfunkbeitrag wenig hilfreich, mit solchen Summen aufzuschlagen. Niemand sollte die Sensibilität dafür verlieren, wie sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk momentan in ganz Europa neu begründen muss, da sind steile Maximalforderungen nicht zielführend."

Und auch zu der aktuellen Debatte rund um die öffentlich-rechtlichen Talkshows äußert sich Brosda. Der Versuch, "durch plakative Zuspitzung Reichweite zu machen, ist ja mehr oder weniger krachend gescheitert",  sagt er. Talkshows würden sich derzeit "eher in einer Krise" befinden. Tatsächlich verzeichnen derzeit die meisten Formate sinkende Quoten. Die Fixierung der Sender auf Quoten würde künftig ohnehin abnehmen, sagt Brosda. "Es geht schließlich nicht mehr um die eine Einschaltquote, sondern um die Gesamtreichweite eines Programms über alle Ausspielkanäle." Gleichzeitig sollten die Sender auch nicht zu weit in der Zuschauergunst abrutschen. "Die Politik hat den Anspruch, dass ARD und ZDF Reichweite machen. Und das mit qualitativ hochwertigem Fernsehen."

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