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Die offenen Fragen vor der Präsentation

Apples TV-Ambitionen: In sechs Tagen ist "Show time"

 

Die Einladung ins Steve Jobs Theater in Cupertino lässt wenig Zweifel zu: "It's show time" verspricht offizielle Details zu den TV-Plänen von Apple, die durch eine Vielzahl von in Produktion befindlichen Serien längst kein Geheimnis mehr sind.

von Thomas Lückerath
19.03.2019 - 08:20 Uhr

Bei Apple eilen die Spekulationen den Ankündigungen stets weit voraus. Das gilt auch für den Einstieg von Apple ins Entertainment-Geschäft: Noch bevor im November 2017 die ersten Serien-Beauftragungen durch den Technologie-Konzern offiziell bestätigt wurden, wurde über die Ambitionen von Apple gemunkelt, beim Golden Age of Television mitmischen zu wollen.

Angefeuert wurden die Spekulationen einst durch die regelmäßig kultivierte Frage, was der US-Konzern mit seinen enormen, größenteils im Ausland geparkten Barreserven anstellen könnte. Selbst mit den in den USA verfügbaren Barreserven könne Apple mit Leichtigkeit und, salopp gesagt, aus der Portokasse Netflix übernehmen - so die Fantasie mancher Marktbeobachter.



Doch Apple will selbst antreten. Erste Gehversuche waren "Planet of the Apps" und "Carpool Karaoke", seit November 2017 häuften sich dann die Ankündigungen von beauftragen Highend-Serienprojekten. Eine Milliarde Euro investiere der Konzern aus Cupertino im Jahr 2018 in die Produkt neuer TV-Programme - ungefähr so viel wie die Mediengruppe RTL Deutschland.

Im globalisierten TV-Wettbewerb sehen sich nationale Anbieter immer häufiger mit der Frage konfrontiert, wie sie sich gegen Budgets international agierender Größen wie Netflix oder Prime Video behaupten wollen. Gerade Netflix gilt als mächtiger Überflieger, dessen immense Schulden bislang weitgehend ausgeblendet werden. Nun aber kommt Apple - ein Konzern, fast 100x so groß.

Dabei sind die genauen Zielsetzungen von Apple unklar. Ebenso wie das konkrete Angebot. Antworten darauf darf man für kommenden Montag erwarten, wenn Apple um 10 Uhr US-Westküstenzeit im Steve Jobs Theater enthüllt, was man den geladenen Gästen mit "It's show time" ankündigt. DWDL.de ist vor Ort in Cupertino und wird aktuell berichten.

Im Vorfeld fassen wir offene Fragen zu Apples TV-Ambitionen zusammen. Auf einige der Fragen wird es kommenden Montag Antworten geben, bei anderen wiederum wird man abwarten müssen.

  • Bekommt das neue TV-Angebot einen Produktnamen - und wenn ja welchen?

Markenpflege ist bei Apple wahrlich kein Fremdwort und Konkurrent Netflix macht vor, wie man eine Marke im Entertainment-Bereich erfolgreich kultiviert und auflädt. Doch die Spekulationen der vergangenen Wochen gehen alle in die gleiche Richtung: Apple könnte die neuen Serien auch einfach über seine schon eingeführte TV-App anbieten, die aber genau diesen banalen Namen trägt: "TV". Das neue Angebot wäre damit natürlich sprachlich schwer greifbar - und soll darüber hinaus auch Konkurrenzangebote beheimaten. Braucht es also doch einen Titel oder nicht? Und wenn ja welchen? Apple steht darüber hinaus vor einer ähnlichen Fragestellung wie Amazon: Welche Rolle soll die große Muttermarke spielen? Will man die Kernmarke selbst in einen ungewissen Wettbewerb werfen oder lieber einen Produktnamen kreiieren? Amazons SVoD-Angebot firmierte anfangs noch mit dem großen Firmennamen, läuft inzwischen aber als "Prime Video". Serienfans wird dieses Detail weniger interessieren, Marketing-Experten sind umso gespannter.

  • Wird es tatsächlich kostenfrei für Apple-Nutzer sein?

Zahlreiche Medienberichte, die es alle aus eigenen Quellen gehört haben wollen aber vielleicht am Ende sich doch nur gegenseitig bekräftigen (das weiß man bei Apple-Spekulationen ja nie), suggerieren: Apple könnte seine Auftragsproduktionen einfach allen Besitzern eines iPhone, iPad oder Apple TV kostenfrei zugänglich machen. Letztlich ist der von Tim Cook geleitete Konzern ein erster Linie ein Hardware-Produzent. Statt also mit einem kostenpflichtigen TV-Produkt einen weiteren Geschäftsbereich aufzubauen, könnten die TV-Ambitionen auch indirekt als Marketing für die eigene Hardware genutzt werden. Auch hier würde Apple auf Amazons Spuren wandeln, deren Prime Video letztlich als Goodie für das Produkt Amazon Prime dient. Statt einen Kundenstamm aufbauen zu müssen, hätten die Apple-Produktionen vom Start weg eine Reichweite von Milliarden Apple-Nutzern. Gegen die Theorie spricht wiederum, dass Apple mit Apple Music ja schon einen Vorstoß ins Abo-Geschäft gemacht hat.

  • Wird es darüber hinaus ein Angebot für Nicht-Apple-Nutzer geben?

Wenn Apple seine TV-Serien tatsächlich vorrangig dazu nutzen sollte, die eigene Hardware zu verkaufen, stellt sich die Frage, wie konsequent der Konzern bleibt. Gucken Nicht-Apple-Kunden dann wirklich in die Röhre und haben keine Chance, die Serien zu sehen? Sicher, Apple wäre einer der wenigen Konzerne mit so großer Marktmacht, der sich das wirtschaftlich erlauben könnte. Ob man aber zu Gunsten von Hardware-Verkäufen wirklich ganz darauf verzichtet, die Nicht-Apple-Nutzer für seine neuen Serien zu begeistern? Eine noch sehr junge Entwicklung lässt daran zweifeln: Auf der CES Anfang des Jahres in Las Vegas kündigte Apple an, dass iTunes künftig auch auf Samsung-Fernsehern verfügbar sein werde und neue Samsung-Geräte künftig auch AirPlay, den Apple-Standard zur Video- und Audio-Übertragung von Smartphone/Tablet zu TV, unterstützen. Wie also geht diese Öffnung mit einer vermuteten Exklusivität der TV-Serien nur für Apple-Nutzer zusammen?

  • Gibt es ein neues Apple TV?

Natürlich wird bei fast jeder angekündigten Apple-Präsentation auch neue Hardware erwartet. Passend zum Thema wäre eine neue Generation der Apple-eigenen Settop-Box Apple TV denkbar. Neben einem Update der bestehenden Produktreihe ist auch nicht ausgeschlossen, dass Apple sich mit einem TV-Stick in den preisgünstigeren Wettbewerb begibt, den Amazon und Google mit dem FireTV-Stick bzw. Chromecast schon bestellt haben. Normalerweise ist Apple bekanntlich kein Fan von günstigen Einsteigermodellen. Wenn aber der Zugang zu den eigenen Serien tatsächlich Apple-Nutzern vorbehalten sein sollte, wäre ein kostengünstigeres Apple TV ein denkbares Einstiegsmodell, vielleicht ja als Stick? Apple TV war einst und lange Zeit Vorreiter, aber wurde inzwischen durch kostengünstigere OTT (Over the top)-Geräte überholt.

  • Mit welchen Serien wird Apple starten?

Die naheliegendste Frage aller Serienfans. Seit knapp anderthalb Jahren wurde eine Vielzahl von Produktionen angekündigt. Naturgemäß liefern US-Branchendienste bei US-Produktionen regelmäßigere Produktionsupdates als in der deutschen Branche üblich ist. Bei den Apple-Projekten war es jedoch vergleichsweise still. Größte Aufmerksamkeit erregte da noch das Witherspoon-Aniston-Drama "The Morning Show" mit einem Showrunner-Wechsel nach wenigen Monaten. Es übernahm Kerry Ehrin ("Bates Motel"), die auch den ersten Overall-Deal von Apple erhielt. Es folgten Jason Katims ("Friday Night Lights", "Parenthood") und Justin Lin ("Scorpion", "S.W.A.T", "Magnum P.I.") sowie Oprah Winfrey. Eine Übersicht über alle angekündigten Serienprojekte gibt es am Samstag bei DWDL.de.

  • Wie händelt Apple die Veröffentlichung der Synchronfassungen?

Die beiden bisher international agierenden SvoD-Angebote Netflix und Prime Video unterscheiden sich in diesem Punkt: Während Netflix seine Produktionen weltweit zeitgleich in mehreren Synchronfassungen zugänglich macht, sind nicht-englischsprechende Prime Video-Kunden zunächst mehrere Wochen außen vor: Amazon bekräftigte auch auf mehrfache Nachfrage stets, auch künftig immer zuerst die englischsprachige Fassung zu veröffentlichen, sobald diese vorliegt. Synchronfassungen brauchen dann noch einige Wochen. Das macht Marketing und PR-Arbeit schwieriger und verschenkt manches Momentum, das eine Serie durch einen internationalisierten Fernsehmarkt gewinnen könnte. Wie also wird Apple es handhaben?

  • Welche Restriktionen haben Kreative bei Apple-Produktionen?

Eher unwahrscheinlich ist, dass sich Apple an einer Serie a la "Game of Thrones" versuchen wird - zumindest dann, wenn für die eigenen TV-Serien eine ähnlich prüde Haltung zu Nacktheit und vermeintlich anstößigen Inhalten gepflegt wird, die Apple es Partnern zum Beispiel im App-Store auferlegt. Bekanntlich musste die "Bild"-Zeitung für Apple nackte Brüste zensieren. Das "Wall Street Journal" berichtete vergangenen September unter der Überschrift "No Sex please, we're Apple", dass Apple-CEO Tim Cook selbst besorgt sei, dass anstößige Inhalte - auch Gewalt und Drogen - in manchen Märkten das Image von Apple beschädigen könnten. Die mit Dr. Dre geplante autobiografische Serie "Vital Signs" wurde nach Sichtung eines Piloten deswegen gestrichen. Während HBO aber auch Netflix gerade durch spitzere Inhalte punkten, wäre der Apple-Weg die Gegenrichtung. Wie harmlos bzw. spitz werden also die ersten Serien "made by Apple"?

  • Startet Apple auch das lange erwartete "Netflix for News"?

Optik und Motto der Einladung lassen nicht zwingend Neuigkeiten zu diesem Thema erwarten, aber neben den TV-Ambitionen ist schon länger eine News- und Magazin-Flatrate im Gespräch, nachdem Apple im vergangenen Jahr mit dem Anbieter Texture bereits einen entsprechenden Dienst übernommen hatte. Ob man dies jedoch am kommenden Montag in seiner "It's show time"-Präsentation integrieren wird? Eher unwahrscheinlich, weil man dem Launch ins Entertainment-Geschäft damit ein Stück weit die Aufmerksamkeit neben würde - und das Publikum auch ein anderes wäre. Das Unterfangen machte zuletzt Schlagzeilen mit Meldungen über happige 50 Prozent des Umsatzes, die Apple angeblich von Publishern verlange. Wie so oft bei Apple eine Spekulation. Ganz vielleicht gibt es dazu auch schon kommenden Montag Neuigkeiten.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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