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Ex-TVNow-Chef übernimmt

Korruptionsvorwürfe: Dokfilm-Chef nicht mehr im Dienst

 

Der Geschäftsführer der RBB/NDR-Tochter Dokfilm ist nicht mehr im Dienst. Brandenburgs Landesrechnungshof hat bei einer Prüfung Unregelmäßigkeiten entdeckt, über die "Bild" zuerst berichtete. Der Nachfolger kommt überraschend von RTL.

von Timo Niemeier
29.11.2019 - 17:15 Uhr

Unter der Überschrift "Korruptions-Affäre beim öffentlich-rechtlichen RBB" berichtete die "Bild" am Freitag über einen Prüfbericht des Landesrechnungshofs Brandenburg. Dieser deckt einige Unregelmäßigkeiten bei der Produktionsfirma Dokfilm auf, die ist ein Tochterunternehmen von RBB Media und der Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft, die ihrerseits über Studio Hamburg zu NDR Media gehört. So soll man bei Dokfilm einen Dienstwagen ohne Beschluss der Gesellschafter angeschafft haben, außerdem soll Geschäftsführer Jost-Arend Bösenberg diesen Dienstwagen auch privat genutzt und nicht richtig versteuert haben. 

Weitere Vorwürfe: Hotelrechnungen seien doppelt abgerechnet worden und die Produktionsfirma soll laut Landesrechnungshof Geschenke an Redakteure verteilt haben, von denen man Aufträge bekommen habe. Außerdem soll das Unternehmen die Redakteure regelmäßig in Restaurants eingeladen haben. Der Chef der Brandenburger Korruptions-Staatsanwaltschaft kündigte gegenüber "Bild" bereits an, den Prüfbericht genau lesen und die Aufnahme von Ermittlungen prüfen zu wollen. 

Die Dokfilm-Gesellschafter haben bereits reagiert. Gegenüber "Bild" kündigte RBB-Media-Chefin Edda Kraft einen Neuanfang mit neuem Geschäftsführer an. Der heißt überraschenderweise Moritz Pohl und arbeitete bis vor Kurzem noch bei der Mediengruppe RTL als Bereichsleiter Video-on-Demand Content, er war also der Chef von TVNow. Er kam erst im vergangenen Jahr zum Unternehmen, nach rund einem Jahr nun also schon wieder der Abschied. Vor seiner Zeit bei der Mediengruppe RTL arbeitete Pohl als Leiter der Hauptabteilung Programm-Management beim RBB.

Moritz Pohl übernimmt Geschäftsführung

Zur "Bild" sagt Pohl, Jost-Arend Bösenberg habe sich krankgemeldet und sei "nicht zu erreichen". Alleine das ist schon ein bemerkenswerter Vorgang. Inzwischen hat sich der RBB aber auch offiziell in einer Pressemitteilung zu Wort gemeldet. Auch darin bestätigt Edda Kraft, dass Bösenberg nicht mehr im Dienst sei. "Die rbb media und die Polyphon verhandeln mit ihm über seine weitere Zukunft", heißt es. 

Gleichzeitig weist der RBB in seiner Stellungnahme die Korruptionsvorwürfe gegen seine Mitarbeiter zurück. "Der von bild.de zitierte Bericht des Landesrechnungshofes Brandenburg stellt zwar - teils erhebliche - Abrechnungsmängel bei der DOKFilm GmbH fest, die auch den RBB beliefert. Die aus diesen Mängeln konstruierten Korruptionsvorwürfe sind aber abwegig und entbehren jedweder Grundlage", sagt RBB-Sprecher Justus Demmer. "Der Landesrechnungshof äußert zwar Bedenken, von kriminellen Machenschaften - namentlich durch RBB-Beschäftigte - ist nirgendwo die Rede." Dementsprechend stehe auch der RBB nicht im "Zentrum eine Korruptionsaffäre", so Demmer. 

Edda Kraft betont unterdessen, dass man unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe damit begonnen habe, die aufgezeigten Mängel abzustellen. Auch die vom Landesrechnungshof beanstandete Praxis der Bewirtung sei derzeit Gegenstand einer Überarbeitung, heißt es aus dem Sender. Beim RBB zeigt man sich sicher, dass sich Vorfälle, "wie sie der Landesrechnungshof für die Jahre 2015 und 2016 schildert, nach den nun bei der DOKFilm getroffenen Veränderungen nicht wiederholen werden". 

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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