NYC Point Of View vom 18. November

Aufregung um einen Stinkefinger, der gar keiner ist

von Matthias Müller
18.11.2014 - 11:29 Uhr

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Bravo provoziert mit einer Plakatkampagne zur neuen Serie "Girlfriends’ Guide to Divorce" und versetzt mit einem Ringfinger-Motiv die Verkehrsbetriebe von Los Angeles und New York City in Aufregung. Außerdem: Pikanter Diebstahl am Set von "American Horror Story"

Girlfriends’ Guide to Divorce
© Bravo
Zum ersten Mal in der Geschichte von Bravo wagt sich der NBC-Sender an ein neues Genre heran, da bisher nur Dokusoaps und Reality-Shows auf dem Programm standen. Am 2. Dezember wird die allererste gescriptete Serie namens "Girlfriends’ Guide To Divorce" auf dem Sender Premiere feiern und bereits letzte Woche schaffte es das Format in die Schlagzeilen. Auslöser hierfür war die provokante Plakatwerbung. Die Serie basiert auf der Bestseller-Buchreihe "Girlfriends’ Guide…" von Vickie Iovine und zeigt das turbulente Leben der Buchautorin Abby, die die Trennung von ihrem Mann vor der Öffentlichkeit geheim zu halten versucht. Doch die Scheidung bleibt nicht lange ein Geheimnis, so dass sich Abby der Realität stellen und als Single-Frau mit Anfang 40 ihr Leben wieder neu ausrichten muss. Das Plakatmotiv, für welches Bravos Haus-Kreativagentur Dom Camera & Company verantwortlich war, zeigt Abby, wie sie lediglich ihren Ringfinger nach oben streckt, der einen Abdruck ihres ehemaligen Eherings vorweist.

Girlfriends’ Guide to Divorce
© Bravo
Beim flüchtigen Anschauen des Plakats entsteht allerdings der Eindruck, dass es sich um Abbys Mittelfinger handelt. Und der dazugehörige Slogan "Go Find Yourself." verstärkt diese Wahrnehmung sogar noch, da er eine Anspielung auf den beleidigenden Spruch "Go Fuck Yourself" ist. Aus kreativer Hinsicht eine gelungene und aufmerksamkeitsstarke Kampagne, doch einigen ging dieses Motiv dann doch etwas zu weit. In den zwei wichtigsten Kampagnenmärkten Los Angeles und New York City kam es zu einem Aufschrei der öffentlichen Verkehrsbetriebe, da Busse, Subwayzüge und -haltestellen mit den Plakaten versehen werden sollten. Die MTA in New York gab zuerst grünes Licht für die Kampagne, entschied sich in letzter Sekunde dann aber doch dazu, einen Rückzieher zu machen, da die Kampagne eine unangebrachte Message impliziere und die Verbindung zum Wort "Fuck" zu nah wäre.

Girlfriends’ Guide to Divorce Billboard
© M. Müller
Die Metro Los Angeles weigerte sich von Anfang an, die Plakate auf den öffentlichen Verkehrsmitteln anzubringen. Wenig überraschend war daraufhin die verteidigende Reaktion von Bravo: "Die Kampagne spiegelt akkurat den Humor, die Geschichte und Erzählweise der Serie wider." Und auch Hauptdarstellerin Lisa Edelstein konnte die ganze Aufregung nicht nachvollziehen: "Es ist ein wirklich simples und schönes Konzept mit einer gewissen Spritzigkeit." Bravo ließ sich von all dem Gegenwind aber nicht aus dem Konzept bringen und steht weiterhin hinter der Kampagne - mit Erfolg. Seit letzter Woche sind nun doch unzählige Busse in New York City mit der Serienwerbung versehen, die das unveränderte Originalmotiv zeigen. Und auch an Bushaltestellen und Subway-Bahnhöfen ist die Plakatwerbung zu sehen. Offensichtlich hat die MTA New York am Ende doch klein beigegeben.

Girlfriends’ Guide to Divorce Billboard
© M. Müller


Spoilergefahr für Fans der Serie "American Horror Story"! 
American Horror Story: Freakshow
© FX
Für ähnlich große Aufregung sorgte am vergangenen Wochenende die erfolgreiche FX-Serie "American Horror Story", von der momentan die vierte Staffel unter dem Motto "Freakshow" ausgestrahlt wird. Die Produktion ist noch in vollem Gange in New Orleans, doch letzte Woche kam es vor Ort zu einem Diebstahl, der fatale inhaltliche Folgen haben könnte. Einer der Schauspieler ließ sein Skript fahrlässiger Weise für kurze Zeit am Set unbeaufsichtigt, so dass eine bisher immer noch unbekannte Person eine Seite des Skripts stehlen konnte. Seitdem versucht der Dieb anonymer Weise diesen Auszug des Skripts an die Medien zu verkaufen, die bisher allerdings nur teilweise darauf angesprungen sind. Kein Medium hat bisher verraten, was genau in der Szene steht, doch eine entscheidende Information wurde bereits veröffentlicht, was dem Schöpfer der Serie Ryan Murphy gehörig gegen den Strich gehen wird. Murphy ist dafür bekannt, seine Shows bis aufs letzte Detail geheim zu halten, besonders wenn es um "American Horror Story" geht.

Pepper
© FX
Zwar ist der Cast von AHS seit der ersten Staffel vorwiegend gleichbleibend, doch das raffinierte an dem Format ist die Tatsache, dass jede Staffel eine komplett neue Geschichte erzählt und die Staffeln in keinem Zusammenhang stehen - dachte man zumindest bisher. Laut des gestohlenen Skript-Auszugs wird in dieser Staffel aufgerollt, wie der Charakter Pepper in der Nervenanstalt Briarcliff in der zweiten Staffel, "AHS: Asylum", landen konnte, die zeitlich nach "Freakshow" spielt. Dass es sich um einen geplanten PR-Stunt von FX handeln könnte, ist eher unwahrscheinlich, da die aktuelle Staffel die bisher erfolgreichste aus Quotensicht ist und 20th Century Fox TV folgendes Statement abgab: "Der Diebstahl und die unerlaubte Weitergabe unserer Skripts ist ein erstzunehmendes Problem." Der Sender drohte an, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, sollte der Dieb entlarvt werden. Der Schöpfer und Produzent der Serie Ryan Murphy äußerte sich zu dem Vorfall bisher noch nicht.

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