Austria-Update vom 15. April
Gigantisches "Rex"-Comeback, Rettung für Mediashop in Sicht
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"Kommissar Rex" hat ORF 1 beim Comeback extrem starke Quoten in allen Altersklassen beschert. Außerdem: Teleshop-Anbieter Mediashop könnte gerettet werden, Flaggen-Infos zum ESC und Forderungen aus dem Stiftungsrat an die ORF-Spitze.
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In der Krise der Teleshopping-Anbieter gibt es offenbar Licht am Ende des Tunnels für Mediashop, das österreichische Unternehmen war vor wenigen Wochen in die Insolvenz geschlittert. 163 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind davon betroffen gewesen. Nun sieht es so aus, als würde es zu einer Rettung durch eine heimische Investorengruppe um den Manager Patrick Schenner kommen. "Ich arbeite an der Gesamtverwertung und habe ein Angebot vorliegen", erklärte Insolvenzverwalter Michael Lentsch gegenüber dem "Kurier". Offenbar will sich die Investorengruppe künftig auf den deutschsprachigen Raum konzentrieren, heute ist Mediashop in zwölf Ländern aktiv. Zunächst soll aber offenbar nur 30 Mitarbeitenden ein neuer Vertrag angeboten werden, später will man gegebenenfalls aufstocken. Vom Gläubigerschutzverband Creditreform hieß es, die Verhandlungen seien "weit fortgeschritten", aber noch nicht abgeschlossen.
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In einer E-Mail, die es so zuvor wohl auch noch nie gegeben hat, hat der Ticket-Anbieter oeticket die Käuferinnen und Käufer von ESC-Tickets über eine "wichtige Information von den Österreichischen Behörden" informiert. Konkret ging es um die Flaggen-Brandschutzauflagen. Wie oeticket mitteilt, müssten sämtliche Flaggen, die die Fans mit zu den Shows bringen, den österreichischen Sicherheitsstandards entsprechen. Das entsprechende Zertifikat sei beim Einlass vorzuzeigen. Der Hintergrund ist durchaus ernst: Infolge der tragischen Ereignisse in Crans-Montana zum Jahreswechsel gelten verschärfte Brandschutzbestimmungen. Darüber hinaus hat der ORF ein Sicherheitskonzept erarbeitet. Im Zuge dessen haben sich zuletzt unter anderem Innenminister Gerhard Karner, Landespolizeivizepräsident Dieter Csefan sowie die interimistische ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher vor Ort in der Wiener Stadthalle ein Bild von den Sicherheitsvorkehrungen gemacht. "Als Host Broadcaster trägt der ORF die Verantwortung für dieses größte Musikfest der Welt, bei dem die Sicherheit oberste Priorität hat", sagte Thurnher.
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Angesichts der Ereignisse in den zurückliegenden Wochen hat der ORF jetzt eine aktualisierte Version seines Leitfadens zum Umgang mit sexueller Belästigung veröffentlicht. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden darin unter anderem interne und externe Anlaufstellen, an die sie sich wenden können, wenn sie entsprechende Erfahrungen machen. Auch Beispiele für sexuelle Belästigung und Fehlverhalten werden in dem Leitfaden beschrieben. Aus dem Infoheft geht auch hervor, dass Führungskräfte des Senders eine halbtägige Schulungsmaßnahme absolvieren müssen - dieser Workshop steht generell aber auch allen anderen Interessierten offen. ORF-Generaldirektor Roland Weißmann trat vor rund einem Monat zurück. In einer ersten Kommunikation des Senders hieß es noch, ihm werde sexuelle Belästigung vorgeworfen. Das hatte sich im weiteren Verlauf der Untersuchung jedoch nicht erhärtet, der ORF will Weißmann trotzdem kündigen (DWDL.de berichtete). Der frühere ORF-Chef bestreitet die Vorwürfe und spricht von einer Vorverurteilung.
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Im Rahmen des Ausscheidens von Roland Weißmann im ORF richteten sich zuletzt viele Blicke an die Spitze des Stiftungsrats - das ist das Aufsichtsgremium des Senders. Vor allem der Vorsitzende Heinz Lederer und sein Vize Gregor Schütze wurde für ihr Verhalten kritisiert. Nun haben mehrere Medien über einen Vorgang berichtet, der die beiden in keinem guten Licht dastehen lässt. So soll Gregor Schütze die Beschwerde eines seiner Kunden an Weißmann weitergeleitet haben, als der noch im Amt war. Schütze betreibt eine PR-Agentur. Die Wiener Ärztekammer störte sich demnach an der angeblich tendenziösen Berichterstattung des ORF. Auch Lederer arbeitet mit seiner Agenturen für die Ärztekammer. Schütze soll die Beschwerde an Weißmann und Lederer weitergeleitet haben. Der damalige ORF-Chef wiederum schickte sie an die Chefredaktion, die den Sachverhalt gegenüber Weißmann nach einer Überprüfung zurückwies. Weißmann leitete das Ergebnis demnach an Schütze und Lederer weiter und der Fall war abgeschlossen. Schütze hat den Vorwurf einer Intervention gegenüber der Zeitung "strikt zurückgewiesen". Lederer gab an, dass er sicher sei, "nie in der Causa interveniert" zu haben, an die Mail könne er sich nicht erinnern. Egal ob Intervention oder nicht: Die Doppelrolle der beiden Stiftungsräte ist in jedem Fall sehr unglücklich.
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Gregor Schütze
An anderer Stelle macht Gregor Schütze Druck auf die interimistische ORF-Chefin Ingrid Thurnher. So will der Stiftungsrats-Vize, dass der Compliance-Bericht zum Fall Weißmann dem Aufsichtsgremium übermittelt wird. Schütze kritisiert die "vollständige Unterdrückung" des Berichts. Zuvor aufgekommenen Forderungen, den Bericht an den Stiftungsrat zu übermitteln, wies Thurnher zurück und begründete das unter anderem mit dem Datenschutz und dem Schutz der Persönlichkeitsrechte. Schütze verlangt nun in einem Schreiben an Thurnher, aus dem der "Standard" zitiert, zumindest eine wasserdichte Erklärung dafür, weshalb der Bericht nicht an den Stiftungsrat gehe. Thurnhers Erklärungen könnten "bestehende Unklarheiten nicht ausräumen", so Schütze. "Insbesondere bleibt weiterhin unbeantwortet, auf welcher konkreten rechtlichen Grundlage das Auskunftsrecht des Stiftungsrates in Bezug auf den Compliancebericht verneint wird." Angesichts der Tragweite des Sachverhalts halte er eine "zeitnahe und substanzielle Klärung" für unerlässlich.
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Andreas Babler
Im Zuge der ORF-Krise wird aktuell auch wieder verstärkt über eine Reform des öffentlich-rechtlichen Unternehmens debattiert. Eine solche Reform ist im Koalitionsvertrag zwischen ÖVP, SPÖ und Neos festgehalten. SPÖ und Neos haben nun angekündigt, Managementgehälter im Sender beschränken zu wollen. Sprechen will man zudem über eine Verkleinerung des heute 35-köpfigen Stiftungsrats, die Neos hatten bereits ein Gremium mit zwölf Personen vorgeschlagen. Medienminister Andreas Babler (SPÖ) erklärte zuletzt auf einer Konferenz, die Missstände im ORF seien eine "wahre Katastrophe". Man dürfe die Institution jedoch nicht zur Gänze infrage stellen. Die Reform des Unternehmens werde zu einem "freieren und stärkeren ORF" führen.
Österreich in Zahlen
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"Kommissar Rex" hat sich am Montag mit gigantischen Quoten im Programm von ORF 1 zurückgemeldet. Der erste neue Film der neuen Staffel unterhielt 754.000 Zuschauerinnen und Zuschauer zur besten Sendezeit, der Marktanteil lag bei 29 Prozent. Damit war der Film auch deutlich erfolgreicher als die "Millionenshow", die zur gleichen Zeit in ORF 2 auf 384.000 Zuschauende und 15 Prozent kam. Und eigentlich war die Reichweite des Films noch höher, bei der parallelen Ausstrahlung in Sat.1 sahen zusätzlich 41.000 Menschen zu. In der Altersklasse 12-49 kam ORF 1 mit dem Film auf ganz starke 24 Prozent, bei den 12- bis 29-Jährigen waren es sogar 28 Prozent. Auch in Deutschland holte Sat.1 mit dem "Rex"-Comeback gute Quoten, wenngleich sie nicht ganz so hoch ausfielen wie im ORF (DWDL.de berichtete).
Gigantisches "Rex"-Comeback, Rettung für Mediashop in Sicht
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