Nein, es geht hier nicht um Grillgut, gepökeltes, geräuchertes oder luftgetrocknetes Rindfleisch. Nicht in der Netflix-Serie “Beef” und auch nicht bei den Mitgliedern der TV Academy, die über die 78. Emmys entscheiden. Es geht um den Beef - zu deutsch Streit - der in der zweiten Staffel der fiktional erzählten Anthologie “Beef” zwischen zwei Paaren los getreten wird und sich in wuchtige Höhen jazzt auf der einen Seite und den ganz realen Zoff, den die Organisation durch ihre erst kürzlich kommunizierte Linie zur Straffung der TV-Übertragung bei NBC in Gang setzte, auf der anderen. Eine Auseinandersetzung der TV Academy mit Kreativen, Schauspielenden, Schreibenden, Inszenierenden und deren Gewerkschaften. Aber auch um den Wettkampf von vier weiteren abgeschlossenen Produktionen neben der Revengeserie, wie “DTF St. Louis”, “The Beast In Me”, “All Her Fault” und “Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette”.
Was war passiert? Nicht neu ist die Erkenntnis, dass Preisverleihungen immens an Anziehungskraft verloren haben, dass das Niveau der Einschaltquoten bei der Emmy-Verleihung der 1990er Jahre in weiter Ferne liegt und sich mit zuletzt post-pandemischen Ups and Downs auf gerade mal ein Drittel der Bestwerte der Vor-Millennial-Zeit eingependelt hat. Alles andere als neu ist außerdem, dass man sich zur Sicherung der Zukunft der Übertragung und der Academy schon in den letzten Jahrzehnten Maßnahmen überlegt hat, wie man das Ruder herumreißen könnte. Die Erkenntnis: die dreistündige Show ist zu ausufernd, zu langsam, zu langweilig. Vor allem für Generationen mit Großbuchstaben - ganz zu schweigen von jenen mit griechischem Anhängsel. Also strafft man sie. Doch wie?
Ideen für Zeitsparmodelle gab es derer einige. So wollte man durch die Voraufzeichnung einiger Dankesreden Zeit gewinnen, oder indem man ausgewählte Kategorien gar nicht mehr live auszeichnet. Der toten Zeit des Schreitens auf die Bühne zur goldenen Statue und des Abgangs damit wollte man mit einer ganz besonderen Variante entgegenwirken: warum die Trophäen nicht einfach direkt am Platz überreichen? So bleibt mehr Kontrolle über das Zeitmanagement. All das scheiterte - auch dank des Protests und der Druckmittel der Gewerkschaften. Doch ein Gedanke, der schon 2005 formuliert wurde, kommt über 20 Jahre später aus dem Hinterhalt zurück. Damals wie heute gab es den Plan, vier gewichtige Preise in die Vorwoche zu schieben: Drehbuch, Regie und die Nebenrollen in der Kategorie der “Miniserien” (und damals noch Fernsehfilme).
“Das Publikum entwickelt und verändert sich - und deshalb muss sich auch die Show weiterentwickeln”, so Cris Abrego, Vorsitzender der TV Academy gegenüber “Variety”. Es bräuchte mehr Zeit für Musikacts, Stand-up-Comedy und generell Entertainment. Und so kam es nach den Nominierungen für die diesjährigen Emmys - und damit strategisch reichlich spät - zur Bekanntgabe, dass die Auszeichnungen für das Drehbuch, die Regie, die beste Nebendarstellerin und den besten Nebendarsteller in der Kategorie “Outstanding Limited or Anthologie Series” jetzt und zukünftig nicht mehr am Abend der TV-Ausstrahlung, sondern bereits in der Vorwoche verliehen werden.
Der Protest der Gewerkschaften ließ nicht lange auf sich warten. SAG-AFTRA, DGA und WGA verfassten ein gemeinsames Statement: “Die Entscheidung, diese Kategorien aus der Primetime-Übertragung zu streichen, wertet die Leistung der talentierten Menschen ab, die die Academy eigentlich ehren soll”. Doch nicht nur die als Degradierung verstandene Verschiebung von vier Preisen in dieser einen Kategorie ist eine Änderung, die man sich überlegt hat. Die sprachliche Trennung “Creative Arts Emmys” für die Werkskategorien zum Hauptabend in der Folgewoche wurde aufgehoben: “Wir sorgen für mehr Gleichberechtigung. Die erste, zweite und dritte Emmy-Nacht”. Habemus Emmys! Und so werden am Abend des 14. September insgesamt nur noch 19 statt 26 Preise verliehen - in der besagten Kategorie “Outstanding Limited or Anthologie Series” können jetzt also nur noch drei Würfel fallen: beste Hauptdarstellerin, bester Hauptdarsteller, aber vor allem beste Miniserie.
Der Netflix-"Beef" könnte Geschichte schreiben
Die Karten werden in der dritten Emmy-Nacht, formerly known as Primetime Emmys, neu gemischt. Was jedoch bleibt, ist “Beef”. Doch damit ist in dem Fall erneut nicht Filet, Tafelspitz, Rumpsteak oder Entrecôte gemeint und auch nicht die Verärgerung, für die die Organisation sorgte, sondern jetzt wirklich die Netflix-Serie, der zu Beginn 16 Nominierungen zugesprochen wurden. Das waren nochmals 3 mehr als bei der ersten Staffel, die zwar 2023 lief, durch den WGA-Streik jedoch erst im Januar 2024 ausgezeichnet wurde. Man könnte also tatsächlich sagen, die TV Academy hat so richtig Bock auf “Beef”. Mit den meisten Nominierungen im Rücken, dem Preis für die erste Staffel und dem von der Serie selbst gestarteten Run, den Netflix mit drei Siegen in Folge in der Kategorie hat (“Adolescence” im letzten Jahr, “Rentier Baby” das Jahr zuvor), lässt es sich eigentlich entspannt in den Abend gehen - zumal die ersten drei Emmys in diesem Jahr am ersten Wochenende schon in der Tasche sind.
Ein Double als beste Limited Series würde nun Geschichte schreiben. Bislang gelang es keiner Produktion in der Kategorie, zwei Mal unter identischem Namen zu gewinnen. Die schwarzhumorige Anthologie aus dem “American Crime Story”-Universum rund um Ryan Murphy gewann zwar 2016 und 2018, jedoch immer mit eigenständigem Untertitel, wie “The People V. O.J. Simpson” oder “The Assassination of Gianni Versace”. Am dritten Emmy-Abend geht die Serie von Lee Sung Jin, die Netflix selbst als “ausgefallen” klassifiziert, mit drei Siegeschancen und damit voller Power ins Rennen. Neben der Nominierung für die beste Serie gibt es auch eine für Oscar Isaac und Carey Mulligan, die in der Produktion von A24 eines der beiden streitenden Ehepaare mimen.
Dieses hat so richtig Stress. Nicht nur mit sich selbst, sondern mit einem jüngeren Paar aus der Working Class, bei dem die Liebe noch frisch und der Streit fern ist. Zumindest vorerst. Schauplatz ist ein Country Club an der Küste Kaliforniens, der mit 300.000 US-Dollar Aufnahmegebühr zu einem Luxusrückzugsort für Menschen mit altem wie neuem Geld zählt. Der von Isaac gespielte Josh ist General Manager im “Club des Jahres” und wacht über Golf- und Tennisplätze, Restaurant, Fitness und Sauna. Seine Frau Lindsay (Mulligan) unterstützt dort mit Vorliebe zum Kolonialstil als Innenarchitekten, möchte für die beiden aber lieber den Traum eines eigenen B&B verwirklichen. Doch damit klappt es nicht so recht, das fehlende Geld ist hauptsächlich dafür, auch wenn die beiden mit CEOs speisen, nah an den Mächtigen sind und sich “zum Dinner mit Bono” treffen. Das Gegenspieler-Paar, Ashley (Cailee Spaeny) und Austin (Charles Melton), wiederum ist Anfang 20 und arbeitet angelernt im Country Club. Auch bei ihnen spielt Geld eine Rolle, denn dieses wird unerwartet für eine lebenswichtige Operation an Ashleys Eierstöcken benötigt - Krankenversicherung Fehlanzeige. Und da kommt es gelegen, dass ein von ihr aufgenommenes Video ihres Chefs mit seiner Frau bei einem häuslichen Streit mit allerlei zerstörter Inneneinrichtung als Druckmittel vorliegt. Es beginnt eine Erpressung, erst zwischen den beiden Parteien und irgendwann auch mit wechselnden Allianzen. Wie schon in Staffel eins, treffen in bunten und kreischenden Bildern ungleiche Menschen unterschiedlicher Schichten aufeinander, es wird gelogen, intrigiert, manipuliert, Macht und Reichtum hinterfragt und vor allem Rache genommen. Zur Erreichung des American Dream scheinen alle Mittel recht.
"DTF St. Louis": Absurd-skurrile Midlife-Crisis
Noch häufiger als "Beef" gab's am ersten Emmy-Wochenende aber Preise für eine andere Produktion: "DTF St. Louis", fünf waren es an der Zah. In die Provinz und weg von dem ganz großen Streit entführt uns diese Serie von HBO Max. “DTF St. Louis” ist mehr in Moll als Dur erzählt, mit einem dunkleren, absurd-skurrilen Ton. Wie der Titel schon vermuten lässt, ist der Schauplatz nicht das sonnige Los Angeles oder die vibrierende Metropole New York, sondern die “Fargo”eske Trostlosigkeit in der Abgeschiedenheit Missouris. Die Kamera fährt langsam, hält in Großaufnahmen inne, alles ist eher slow statt aufgepeitscht. “The Wheather Man”-Macher Steven Conrad bringt darin Jason Bateman als TV-Meteorologe Clark Forrest und den diesen bei seinen Analysen unterstützenden Gebärdensprachdolmetscher Floyd Smernitch (David Harbour) als “Arbeitsehemänner” - danke Staffel 05 Folge 06 “King of Queens” - zusammen. Doch die Bromance wird enden, wie schon in Folge 1 durch eine nicht-lineare Erzählweise klar wird.
Zuvor herrscht bei den verheirateten Männern die große Midlife-Krise. Floyd leidet unter Peyronie, einer Peniskrümmung um mehr als 30 Grad, was eine Erektion verhindert. Dabei möchte er - wie Michelle Williams’ Charakter in der letztjährig nominierten Miniserie “Dying For Sex” einen Orgasmus - endlich mal wieder eine Erektion erleben. Kein Sexleben, ein riesiger Schuldenberg und ein Impulskontroll gestörter Bonussohn, all das macht weniger ihm als seiner Frau Carol (Linda Cardellini) zu schaffen, was dann wiederum ihm zu schaffen macht. Emotionale Unterstützung erhält er von seinem Arbeitskollegen Clark, der für ihn einen Ausweg aus der Misere in der Casual-Dating-App “DTF” (Down To Fuck) sieht: “Du kriegst die Würze ohne die dazu gehörenden Verpflichtungen”. Er wiederum erfüllt sich zusammen mit der Frau seines Freundes in sogenannten Traumtreffen in den “Quality Garden Suites” sexuelle Träume mit Gewichtsplatzierungen, Roboter-Phantasien und weiteren bizarr anmutenden Rollenspielen, denn auch Clark sucht trotz finanzieller Sicherheit durch eine erfolgreiche Karriere nach Lebenssinn. In expliziter Sprache erzählt wird jedoch kein reines Beziehungsdrama, sondern nebenbei auch die Ermittlung in einem Todesfall, der aus dem Liebesdreieck entsteht, wodurch Krimi-Elemente ergänzt werden.
Da sich die schauspielerischen Leistungen bei “DTF St. Louis” in den Kategorien der Nebenrollen abspielten, steht nur noch der Preis für die beste Serie aus, den es am Abend der TV-Gala zu gewinnen gibt. Anders verhält es sich bei der Serie mit Matthew Rhys und Claire Danes, “The Beast In Me”, welches als zweite Netflix-Serie im Rennen ist und beide Schauspiel-Größen auch in den Hauptkategorien antreten lässt. Komplettiert wird das Feld bei den Männern durch Riz Ahmed (“Bait”), Charlie Hunnam (“Monster: The Ed Gein Story”) und eben Jason Bateman, jedoch für seine Rolle in “Black Rabbit”. Angesiedelt ist die von Jodie Foster und Conan O’Brien mit produzierte Serie “The Beast In Me” von Gabe Rotter in einem Villenviertel an der Ostküste, in der Nähe von New York City. Abstiegsbedroht wie das junge Paar bei “Beef” oder die Verbindung um David Harbours Charakter bei “DTF St. Louis”, ist darin auch die von Danes gespielte Pulitzerpreisträgerin Aggie Wiggs, die zwar abgelegen in einer weitläufigen, aber genauso maroden Villa wohnt. Zu lange gelang ihr nach der literarischen Abrechnung über ihren Lügen liebenden Vater kein Erfolg mehr. Nicht nur beruflich steckt sie in einer Krise, auch die Ehe mit ihrer Frau ist gescheitert, nachdem der gemeinsame Sohn in ihrem Auto bei einem Unfall starb.
Das Netflix-"Beast" und eine Premiere für Peacock
Doch noch lebt die Getriebene mit Dauerzittern der Kinnpartie oberflächlich betrachtet feudal auf großem Grundstück mit viel Wald- und Wiesenfläche, als ein neuer Nachbar die Szenerie aufmischt. Dieser steht im Verdacht, mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun, sie gar ermordet zu haben. Der familiär bedingt überreiche Nile Jarvis (Rhys) schlägt ihr zu ihrer Rettung vor, ein Buch über ihn anzufertigen, das der Frage nachgeht, ob er der Mörder seiner Frau ist oder nicht. Ist er eingenommen von einer Mordlust nach Vorbild eines Patrick Bateman, wie dies Bret Easton Ellis einst literarisch in “American Psycho” entwarf, oder Opfer einer Kampagne und fern von Blutrunst und Kontrollverlust? Durch das neue Buchprojekt gerät Aggie Wiggs immer näher an den undurchsichtigen Nachbarn und bekommt stärkeren Einblick in Familienkonflikte und Abgründe ihres Gegenübers, das nur die Sprache des Geldes spricht. Wie integer kann man bleiben, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht und man sich für Entgegenkommen auch bezahlen lassen könnte? Und wie sehr ist das “Beast AND Me” dann doch “Beast IN Me”?
Reichtum und Villen werden auch in der australisch-amerikanischen Serie von Peacock, “All Her Fault”, ausgestellt. Allein die Nominierung in dieser Hauptkategorie markiert bereits einen Erfolg, denn noch nie zuvor war Peacock in dieser Kategorie als beste Serie vertreten. Doch damit nicht genug, die aus dem HBO-Drama “Succession” bestens bekannte Sarah Snook will sich den Titel bei den besten Hauptdarstellerinnen holen. Auch diese Nominierung ist eine Premiere für den Streamingdienst mit farbenfrohem Pfau, der die Gala neben der TV-Ausstrahlung bei NBC auch bei sich im Stream anbietet. Doch zurück zu den Villen. Diese bringen es in der Nähe von Chicago mit sich, dass man einen gewissen Lebensstil pflegt, der auch die Kinderbetreuung in die Hände von Nannys legt, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.
Wie der Titel der auf dem Roman der irischen Autorin Andrea Mara basierenden Serie bereits vermuten lässt, hat jemand Schuld und da dieser nicht “his” sondern “her” beinhaltet, ist damit das weibliche Geschlecht gemeint. Sie hat also Schuld. Doch woran? Sarah Snooks Charakter Marissa Irvine hat ein Playdate für ihren Sohn Milo vereinbart, ohne genaue Kenntnis der Mutter, der Nanny und des Umfelds. Dann tritt der worst case ein, denn der Fünfjährige ist verschwunden. Zwischen einer Hetzjagd der Medien, die Eltern hätten eine Entführung inszeniert, Vorwürfen innerhalb der Familie Irvine, dem Verdacht, die Nannys sind Schuld, Suchaktionen nach dem Kleinen, drängt sich eine ganz andere Erzählung auf, die den Titel in Richtung “his” satt “her” verschiebt. Es entsteht vielmehr eine Serie über Gaslighting und toxische Familienstrukturen, die das Label mit einem großen Plot Twist gegen Ende zu “All His Fault” werden lässt.
"American Story", Love-Edition
Den Reigen der nominierten Serien schließt neben “Beef” die zweite Anthologie im Feld, die zudem eine Besonderheit mit sich bringt. Im Gegensatz zu den anderen vier nominierten Produktionen wird hierbei eine Liebesgeschichte zweier Personen des öffentlichen Lebens erzählt, die tatsächlich existierten - und das ganz besonders unter dem Scheinwerferlicht der Boulevardpresse. Aus der “American Story”-Welt von Ryan Murphy ging 2026 der fünfte Spross hervor und zwar “Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette” für FX/Hulu von Connor Hines. Auch wenn erzählerische Gründe zu einer gewissen Fiktionalisierung führten - ein Disclaimer zu Beginn mit “von realen Ereignissen inspiriert” einordnet - ist die auf dem Buch “Once Upon a Time: The Captivating Life of Carolyn Bessette-Kennedy” von Elizabeth Beller erzählte Geschichte Grundlage für eine Produktion mit stärkerem Wirklichkeitsbezug.
In den Abend geht die Serie mit nicht nur einer Nominierung, sondern auch mit der für die beste weibliche Schauspielleistung. Sarah Pidgeon tritt an und möchte für ihre Darstellung der Carolyn Bessette den Titel gewinnen. In die Quere kommen könnte ihr neben den drei Hauptdarstellerinnen der nominierten Serien auch noch Sally Field (“Remarkable Right Creatures”), die bei einem Sieg zugleich die älteste Gewinnerin jemals in dieser Sparte wäre. Pidgeons Charakter der zukünftigen Kennedy-Frau wiederum ist ein echter Aufsteiger, ohne vermögendes Elternhaus auf der Upper East Side im Rücken. Angefangen als Verkäuferin bei “Calvin Klein” in einer Mall, wird sie zur “VIP-Whisperin” in der Zentrale New Yorks. Doch damit nicht genug, die Selbstbestimmte gewinnt durch ihr Gespür für Neues Calvin Kleins Vertrauen und wird dort zur Führungsperson. Bevor dies so weit ist, stellt ihr der Chef jedoch noch den Sohn des ermordeten 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten, John F. Kennedy Jr., vor, der bei der Staatsanwalt arbeitet, sich selbst jedoch nicht gerade als juristisches Wunderkind bezeichnet.
Dieser wiederum hat nicht nur Probleme mit einem unsteten Lebensstil, sondern eben auch mit der Anwaltsprüfung, die er schon das zweite Mal vermasselt hat, womit er zum Gespött der Leute wird. “Schönling fällt durch”, urteilt die Presse über den Privilegierten, wie diese ihm überhaupt auf Schritt und Rad folgt. Mit der Begegnung der beiden - Beau trifft Beauty, oder auch “Amerikas ungekrönter Prinz” trifft Bürgerliche - beginnt eine wilde Romanze, die sich zu einer großen Liebesgeschichte verdichtet. Unterschiedliche Hintergründe, die Erwartungen des Kennedy-Clans und die Medienöffentlichkeit sorgen jedoch schnell für Risse in der Ehe. Wie privat und man selbst kann man trotz Dauerbeobachtung noch sein? Wie viel Druck übt es auf einen aus, wenn man nicht nur immer observiert, sondern ständig bewertet wird? Und das noch lange vor dem Social-Media-Zeitalter. Erzählt wird eine Geschichte über das ikonische Paar, das auf die Tragödie am Tag des 16. Juli 1999 hin steuert. Während vier der nominierten Serien gegenwärtig angelegt sind, reist die Story um den charismatischen Kennedy-Sprössling und die Modefachfrau mit Händchen für puristische Schnitte, klare Linien und monochromen Minimalismus ein paar Jahrzehnte zurück.
Endet der Netflix-Streak?
Wer wiederum die Emmy-Historie der letzten Jahre betrachtet, erkennt, dass sich HBO und Netflix irgendwann mal einen Abwechslungskampf lieferten. Auf HBO folgte Netflix und umgekehrt. Bis “Beef” kam. Dann begann der Siegeszug des Streamingdienstes aus dem Silicon Valley und das Abo war für drei Jahre gebucht. Hattrick! Mit “Beef” und “The Beast In Me” gibt es immerhin zwei Anwärter, um ein viertes Jahr dran zu hängen. Sollte “DTF St. Louis” gewinnen, könnte das wiederum der Start für ein weiteres Ping-Pong-Spiel zwischen den beiden Anbietern sein. Peacock könnte mit einem Sieg für einen Meilenstein sorgen und für FX/Hulu wäre es nach 2018 der nächste Sieg für eine Produktion aus dem “American Story”-Kosmos.
Ob wiederum die Selbstrettung der Veranstaltung als Fernseherlebnis gelingt, bleibt abzuwarten. Vielleicht liegt auch alles nur am “Wheel Deal”, der mit dieser Show endet. Dabei wechseln sich die Networks CBS, Fox, ABC und NBC jährlich mit der Übertragung der Emmys ab. Gut möglich, dass man mit einer Anpassung entsprechende Argumente schaffen will, um in eine bessere Verhandlungssituation mit den Sendern zu kommen. Ob im nächsten Jahr dann doch wieder sieben statt nur drei Preise für die Kategorie am Hauptabend verliehen werden, ist aktuell noch mit einem Blick in die Glaskugel vergleichbar. Streit könnte bis zu den 79. Awards aber vorprogrammiert sein. Unklar ist für 2027 auch, ob “Beef” dann mit einer dritten Staffel dabei sein wird. Ein Drittling bestellt wurde bislang noch nicht. Vielleicht tut uns aber überraschend auch “Fleishman Is in Trouble” mit einer zweiten Staffel einen Gefallen - wegen [Flajsch]...
Die Verleihung der Emmys ist aufgrund der Zeitverschiebung hierzulande zu nächtlicher Stunde zu sehen. MagentaTV überträgt in der Nacht vom 14. auf den 15. September auf dem Sender Moments TV, der kostenlos und ohne Login auf magenta.tv sowie in der MagentaTV App empfangen werden kann.

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