Besonders spannend wird’s bei den Emmys, die in der Nacht von Montag auf Dienstag verliehen werden, in diesem Jahr im Late-Night-Bereich - in mehrerlei Hinsicht. Weil das Genre insgesamt über die letzten Jahre rapide geschrumpft ist, hat man die seit 2015 getrennten Kategorien Variety Sketch Series und Variety Talk Series wieder fusioniert. Das ergibt schon deswegen Sinn, weil bei den Sketch-Serien in den letzten beiden Jahren nur noch “Last Week Tonight with John Oliver” und “Saturday Night Live” als Nominierte übrig waren und auch bei den “Variety Talk Series” das Nominiertenfeld zuletzt auf drei zusammenschnurrte - im letzten Jahr waren das “The Late Show with Stephen Colbert”, “The Daily Show” und “Jimmy Kimmel Live”. Genau diese fünf sind auch dieses Jahr wieder nominiert, nun eben allesamt in der zusammengelegten Kategorie “Outstanding Variety Series”.

Nun ist in Zeiten eines US-Präsidenten Donald Trump keine andere Kategorie politisch so aufgeladen wie diese. Die Late-Night-Talker arbeiten sich Abend für Abend an Trump ab, der wiederum setzt ganz offen die Sender und Networks unter Druck, die Late-Night-Talker endlich abzusetzen. Im Falle von Stephen Colbert hat sich sein Wunsch bekanntlich bereits erfüllt: CBS führt dafür zwar finanzielle Gründe an, dass die Nachricht über das Aus seiner traditionsreichen “Late Show” mitten im Genehmigungsprozess der Übernahme der CBS-Mutter Paramount kam, für die die Regierung noch grünes Licht geben musste, ist aber schon ein erstaunlicher Zufall. Dass Colbert im letzten Jahr wenige Wochen nach Bekanntwerden seiner Absetzung einen Emmy gewann, kam nicht von ungefähr - ein weiterer wenige Wochen nach seiner letzten Sendung wäre ebenfalls nicht verwunderlich.

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Jimmy Kimmel wiederum hat bekanntlich ebenfalls seine Geschichte mit Donald Trump: Zwischenzeitlich wurde er mehrere Tage durch ABC suspendiert, nachdem er einen mehr oder weniger geschmackvollen Spruch über den ermordeten Charlie Kirk machte. Das löste Entrüstung des sonst nicht gerade als pietätvoll oder zimperlich bekannten Donald Trump und seiner MAGA-Bewegung aus. Nachdem sich auch eine Gruppe großer TV-Stationen anschloss und die ABC-Show nicht mehr übertragen wollte, knickte ABC erst ein, um nach einer ebenso großen Entrüstung aus anderer Seite die Entscheidung wieder zu revidieren. Trump droht freilich munter weiter mit Lizenzentzug und hat Brendan Carr, den von ihm eingesetzten Chef der Medienaufsicht FCC, vorgeschickt, eine vorzeitige Überprüfung der Sendelizenzen einzuleiten, was der ganz in Diensten seines Chefs auch veranlasste. Auch wenn man sich mittlerweile an solche Eingriffe gewöhnt hat: In einem Land, in dem sonst “Free Speech” über alles geht, sind das unglaubliche Vorgänge - auch hier wäre eine Emmy-Auszeichnung also als politisches Zeichen zu lesen.

Weniger stark im Kreuzfeuer, aber nicht minder scharf in der Kritik an Trump & Co. waren auch John Oliver und Jon Stewart - und beide haben mit “Last Week Tonight” und der “Tonight Show” eine lange Vorgeschichte an Emmy-Auszeichnungen und schon erheblich mehr Preise auf dem Konto als Colbert und Kimmel. Und dann wäre als fünfte im Bunde ja auch noch “Saturday Night Live” zu nennen, das hier etwas aus dem Rahmen fällt - aber in den letzten Jahrzehnten immerhin auch schon 108 Emmys in zahlreichen Kategorien eingeheimst hat. Als Format wurde “Saturday Night Live” zuletzt 2002 geehrt.

Eine schwere Wahl also, die die Academy-Mitglieder da zu treffen haben, könnte man meinen. Doch die Television Academy zauberte im Rahmen der Zusammenlegung der beiden Kategorien noch eine Sonderregel aus dem Hut: Sie erklärte den Preis für die beste Variety Series zum “Area Award” - etwas, das es bislang allenfalls in einigen wenige Gewerkskategorien gab.

Das führt nun jedenfalls dazu, dass hier nicht nur ein Emmy vergeben werden kann, sondern auch zwei. Oder drei, vier und im Extremfall sogar fünf an alle Nominierten. Die Hürde für mehrere Auszeichnungen ist sehr hoch, aber sie ist nicht unüberwindbar. Während die Mitglieder bei der Abstimmung sonst für ihren Favoriten stimmen, gilt es nun für jedes nominierte Format einzeln die Frage zu beantworten: “Hat dieses Programm einen Emmy verdient?” Jedes Format, das hier mindestens 90 Prozent Zustimmung kommt, wird auch ausgezeichnet. Wenn keines der Formate diese Hürde nimmt, dann erhält das mit der höchsten Zustimmungsrate den Emmy. Um so spannender wird es also, wer sich hier diesmal durchsetzt. Und wieviele.

Die Verleihung der Emmys ist aufgrund der Zeitverschiebung hierzulande zu nächtlicher Stunde zu sehen. MagentaTV überträgt in der Nacht vom 14. auf den 15. September auf dem Sender Moments TV, der kostenlos und ohne Login auf magenta.tv sowie in der MagentaTV App empfangen werden kann.