In den letzten Jahren wurde bei der Bekanntgabe der Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis stets auch das Geschlechter-Verhältnis in den Personen-Kategorien ausgewiesen. Diesmal suchte man diese Information in der offiziellen Pressemitteilung vergeblich. Zählt man nach, dann stellt sich heraus: Frauen sind in den Gewerken deutlich stärker unterrepräsentiert als in den letzten Jahren.
Im vergangenen Jahr war es noch gelungen, den Frauenanteil unter den Nominierten auf immerhin 43 Prozent zu steigern. Das waren drei Prozentpunkte mehr als noch im Jahr zuvor, als der Männerüberhang nicht zuletzt deswegen zum größeren Thema wurde, weil es bei der „Nacht der Kreativen“ geschlagene zwei Stunden gedauert hatte, ehe überhaupt erstmals eine Siegerin auf der Bühne stand. Am Ende wurden damals übrigens vier Frauen und zwölf Männer geehrt.
Man darf gespannt sein, wie die Lage bei der „Nacht der Kreativen“ diesmal sein wird, denn unter den Nominierten ist der Anteil der Frauen in diesem Jahr wieder massiv gesunken. Unter den 86 persönlich Nominierten finden sich 30 Frauen – damit sinkt der Frauen-Anteil auf 35 Prozent. Lässt man die zehn Nominierungen in den Schauspiel-Kategorien mal außen vor, – dort ist die paritätische Aufteilung ja per se festgelegt – dann ergibt sich für den gesamten Rest der Kategorien sogar nur noch eine Frauenquote von 26 Prozent unter den Nominierten.
Die Lage ist in den unterschiedlichen Bereichen dabei sehr unterschiedlich. Betrachtet man nur die Fiktion, dann stößt man dort auf ein nahezu ausgeglichenes Geschlechterverhältnis von 19:21. In der Information stehen hingegen acht Männern nur drei Frauen gegenüber. Der Preis für die Beste Kamera in diesem Bereich wird allein unter vier Männern ausgemacht. In der Kategorie Beste Moderation/Einzelleistung Information sind mit Golineh Atai und Eva Schulz die Frauen allerdings in der Überzahl.
Besonders deutlich ist das Missverhältnis aber in der Unterhaltung. Acht nominierte Frauen, 27 nominierte Männer. Und allein vier dieser acht nominierten Frauen finden sich auf einem einzigen Ticket wieder: Sie gehören dem Team von „#KINDERstören“ an, das fürs Beste Buch nominiert ist. Am erstaunlichsten aber ist wohl, das die gesamte Kategorie Beste Moderation/Einzelleistung Unterhaltung allein mit fünf Männern besetzt ist: Teddy Teclebrhan, Bastian Pastewka & Oliver Welke sowie Lutz van der Horst und Fabian Köster.
Nun kann man sich natürlich fragen, ob es wirklich keine preiswürdige Moderationsleistung einer Frau weit und breit gab. Aber über alle Kategorien gesehen muss man vielleicht anerkennen, dass die Nominierungen nur die Realität widerspiegeln: Die deutsche Fernsehbranche hat in Sachen Geschlechtergerechtigkeit noch sehr viel aufzuholen, vor allem wenn man auf Unterhaltung und Information blickt.