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Ein kurzer Überblick

TV-Entertainment 2012: Eine Bestandsaufnahme

von Thomas Lückerath
19.06.2012 - 13:13 Uhr

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Beim Internationalen Filmkongress im Rahmen des medienforum.nrw referierte DWDL.de-Chefredakteur Thomas Lückerath über die aktuellen Trends in den non-fiktionalen Entertainment-Genres im deutschen Markt. Ein kompakter Überblick.

Wer oft genug bei Mediengipfeln den Rednern und Panel-Teilnehmern lauscht, der weiß vorallem eins zu schätzen: Die Reduzierung auf das, was wirklich neu ist. Zu oft fühlt man sich an eine Wiederholung aus dem Vorjahr erinnert, weil immer gleiche Thesen und Themen zur Sprache kommen. Blickt man also unter der Überschrift "TV-Entertainment 2012" auf die aktuellen Trends in diversen Genres, dann empfiehlt sich die Reduzierung auf das, was wirklich wesentliche Erkenntnisse aus der vergangenen und mögliche  Prognosen für die kommende Saison sind. Aufteilen lässt sich der Bereich der non-fiktionalen Unterhaltung in die Genres Dokusoap, Comedy, Dating, Gameshows, Castingshows, Scripted Reality und Infotainment.

Dokusoaps: Die breite Vielfalt des Genres sorgt dafür, dass es weiterhin das dominierende eigenproduzierte Genre im deutschen Fernsehen bleibt und das sowohl in Primetime wie Daytime. Zwei Arten von Dokusoaps lohnt es gesondert zu betrachten: Die lange Zeit sehr beliebten und oft vervielfältigten Coaching-Formate tun sich zunehmend schwer; werden auch nicht mehr von Sendern bei Produzenten nachgefragt. Ein aus den USA mit Verspätung bei uns zu verzeichnender Trend: Die Celebrity- bzw. Personality-Dokusoaps erobern das deutsche Fernsehen. Von Katzenberger über Geissens bis zu Lothar Matthäus oder Harald Glööckler. Hier wird wohl noch mehr zu erwarten sein. Gemeinsam hat dieses Genre jedoch die Aufgabe, die Glaubwürdigkeit zu stärken. Schlagzeilen über fragwürdige Produktionsbedingungen oder -weisen können dem Genre an sich schaden.

Comedy: Innovationen im Bereich Comedy gab es in der vergangenen Saison ausschließlich bei den Öffentlich-Rechtlichen. Welch eine Zeitenwende: Galten doch die Privatsender lange Jahre als Heimat der "Spaßgesellschaft". Doch ProSiebenSat.1 setzt in erster Linie auf weitere Staffeln bestehender Formate und RTL setzt auf Live-Comedy-Programme und Varietyshows als Gefäß für Live-Comedy wie z.b. "Die Bülent Ceylan Show". Ohne Comedy-Innovationen bei den großen Privatsendern fanden die Entwicklungen eher in der Nische statt. Doch nicht nur bei den Digitalkanälen von ARD und ZDF - auch im ZDF-Hauptprogramm. Erfreulich für das Genre: Die Öffentlich-Rechtlichen trauen sich aktuelle Comedy-Formate, was deutscher TV-Comedy wieder Relevanz zurückbringt.

Dating: Kaum ein Programm-Genre ist in Deutschland - verglichen mit anderen TV-Märkten - so überrepräsentiert wie Dating. Und das jedoch nicht in kreativen Variationen sondern auf dem immer gleichen Rezept basierend: Stark durcherzählte Geschichten von Dating-Erlebnissen diverser gesellschaftlicher (Rand-)Gruppen. Der Faktor Zufall spielt bei Datingformaten leider keine Rolle mehr. Authentische Kandidaten werden durch teilweise fragwürdige Inszenierungen zu Figuren, die für den Zuschauer klar einzuordnen sind. Hier zeigt sich: Produzenten schwärmen zwar von authentischen Protagonisten. Nur im Endprodukt finden sich diese oftmals in einer Form dargestellt, die alles ist - nur nicht echt und authentisch.

Gameshows: Lange Jahre waren mit Gameshows in Deutschland fast ausschließlich Quizshows gemeint. Es folgten "offene Gameshows" wie "Schlag den Raab" oder "Die perfekte Minute" - also Show-Gefäße mit klar wiedererkennbarer Verpackung und Struktur, die jedoch inhaltlich nicht von einem sondern diversen Spielen und Aufgaben geprögt sind. Trend für 12/13: Es wird mehr geraten, getippt und geschätzt. Statt Detailwissen ist Bauernschläue gefragt. Beispiel: "Null gewinnt" ab Juli im Ersten. Und eine interessante Erkenntnis der vergangenen Saison: Weder Zuschauer noch Presse nehmen Retro TV übel. "Dalli Dalli" war ein Erfolg. Vielleicht ermöglicht diese Erkenntnis auch ein Comeback der Daytime-Gameshows.

Castingshows: Oft schon wurde das Casting-Genre schon totgesagt doch es lebt noch immer. Der Wettbewerb wird sogar noch härter, weil immer neue Formate kommen und teilweise auch noch mit Innovationen überraschen wie zuletzt "The Voice of Germany" oder auch die Blitztabelle bei "Unser Star für Baku". In diesem schärferen Wettbewerb stehen Flaggschiffe vor der Frage, ob man an den Kern glaubt oder aus mehr oder weniger großer Not elementare Veränderungen vornimmt. Interessant ist die Entwicklung in zwei Richtungen: Man kann sowohl das Comeback ernstgemeinter Castings beobachten wie auch die Veränderung von klassischen Karriereversprechen hin zur Gameshow wie bei "DSDS" mit festem Gewinnversprechen.

Scripted Reality: Das durchaus umstrittene Genre wird fälschlicherweise als neuer Trend bezeichnet. Doch der Ursprung liegt 12 Jahre zurück: Schon die Courtshows waren Scripted Reality. Abseits geschmacklicher Fragen ist an dem Genre vorallem eins verwerflich: Der Versuch Echtheit zu suggerieren. Da wird es gefährlich. Im Kern jedoch sind Formate wie "Berlin - Tag & Nacht" nichts anderes als günstig produzierte Dailysoaps - mit Schauspielern und nach Drehbuch. Dementsprechend verschiebt sich die Sprachregelung auch immer häufiger zu "Scripted Entertainment" - weil selbst Produzenten merken, wie unglücklich das Label Scripted Reality ist. Der Trend in diesem Genre geht zur umfassenden Vermarktung erfolgreich etablierte Formate, wie man es sonst nur aus dem Bereich Fiction oder Dailysoap kannte - Merchandising inklusive.

Infotainment: Die Öffentlich-Rechtlichen entdecken das Seichte und Gefällige - und das sogar zur Primetime. Formate wie die "Markenchecks" im Ersten oder "ZDF Zeit" erzählen mit Mitteln und in einer Tonalität, die sonst privaten Infotainment-Formaten vorbehalten waren. Das muss kein Vorwurf sein - aber wurde den Privaten früher von den Öffentlich-Rechtlichen vorgeworfen. Im Privatfernsehen gibt es kaum neue Entwicklungen. Erwähnenswert ist hier nur der Versuch von Sat.1 mit "Push" eine sehr stark auf die Moderatorin zugeschnittene Aufmachung auszuprobieren, die jedoch auf Anhieb noch nicht funktioniert.

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