Herr Lorenz, der Wegfall des Nebenkostenprivilegs hat Vodafone Kunden gekostet, viele Haushalte wurden zwischenzeitlich zu "Schwarzseher", die das TV-Signal weiter empfangen haben, ohne dafür zu bezahlen. Ist das Abklemmen jener Haushalte inzwischen abgeschlossen? Und sind Sie zufrieden mit dem Anteil, den Vodafone halten konnte?
Wir haben unser selbst gestecktes Ziel erreicht und die Hälfte der "betroffenen" Kunden für Vodafone gewonnen. Wir werben weiter um die verlorenen Kunden in den Mietverhältnissen. Gleichzeitig sperren wir aber auch weiterhin gezielt Kabelanschlüsse, wenn eine ungerechtfertigte Nutzung durch Mieter vorliegt. Die Mieter werden im Vorfeld mehrfach informiert und dann abgeklemmt. Wer das Fernsehsignal nutzt, muss auch dafür bezahlen. Was die im Markt kolportierten Zahlen betrifft: Diese deuten wir anders, schließlich hat sich der gesamte TV-Markt durch die Gesetzesänderung spürbar verkleinert. Viele Menschen haben sich schon vor dem damaligen Stichtag vom Fernsehen verabschiedet und ausschließlich Streaming-Angebote oder Mediatheken genutzt.
Was hat Vodafone denn konkret unternommen, um verlorengegangene Kundschaft wieder zurückzugewinnen?
In den vergangenen Monaten haben wir unser TV-Angebot durch zahlreiche Neuerungen deutlich attraktiver gemacht. Dazu gehört eine vollständig überarbeitete TV-App, die Aufschaltung von FAST-Channels und insbesondere unsere Netflix-Bündelung, die echte Preisvorteile bietet. Darüber hinaus haben wir die Hardware modernisiert und in weitere Technik investiert. In den kommenden Wochen setzen wir weitere spannende Vorhaben um: Unter anderem werden wir unseren TV-Kunden externe Lautsprecher anbieten, die sich mit unserem TV-Receiver GigaTV Home Sound zu einem noch besseren Sounderlebnis verbinden lassen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen zeigen, dass unser Angebot ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis und ein tolles TV-Erlebnis bietet.
Die Telekom investiert viel Geld in eigene Inhalte und überträgt in Kürze beispielsweise viele Spiele der Fußball-WM exklusiv. Türkische Fans etwa schauen bei Vodafone in die Röhre. Gerät Vodafone nicht ins Hintertreffen, wenn man selbst keine eigenen Inhalte anbieten kann?
Ich freue mich sehr, dass die Türkei erstmals wieder seit vielen Jahren an einer WM teilnehmen kann. Das wird auch der WM-Stimmung in Deutschland einen Schub geben. Unabhängig davon sind die Preise für attraktive Sportrechte in den letzten Jahren explodiert. Einen funktionierenden Business-Case dafür zu berechnen ist herausfordernd – vor allem wenn das Sport-Angebot nur für einen begrenzten Zeitraum verfügbar ist. Schließlich will man auch noch etwas Geld verdienen. Deshalb investieren wir lieber gezielt in Technik, Service und Partnerschaften, ohne selbst ins teure Rechte-Rennen für Sport-Veranstaltungen einzusteigen. Unser Fokus liegt darauf, die relevanten Angebote zu bündeln und einfach zugänglich zu machen.
Die Streaming-Nutzung wird immer entscheidender, gleichzeitig investiert Vodafone weiter ins lineare TV-Erlebnis. Wie passt das zusammen?
Für uns ist das kein Widerspruch, sondern unser Kernversprechen: alles aus einer Hand. Unsere Kunden wollen beides – Live-Sport, Nachrichten und Unterhaltungssendungen linear, Serien und Filme auf Abruf. Mit GigaTV vereinen wir beide Welten auf einer Plattform. Wir denken TV nicht in ‚Entweder-oder‘, sondern in ‚Sowohl-als-auch‘. Klar ist aber auch: Die Zahl derjenigen, die ausschließlich auf Streaming-Angebote setzen, nimmt weiter zu. Der Fernsehmarkt wird sich dadurch zunehmend verändern. Darauf stellen wir uns ein.
Sie haben auf der ANGA COM gerade den Tausch von 400.000 älteren TV-Receivern angekündigt. Warum ist dieser Schritt nötig?
Die Geräte sind veraltet und erfüllen nicht mehr unsere Ansprüche an ein modernes TV-Erlebnis. Mit dem Tausch bringen wir diese Haushalte auf den neuesten Stand – inklusive schnellerer Navigation, verbesserter App-Integration und Zugang zu neuen Funktionen. Die Kunden profitieren von dem kostenlosen Austausch. Wir sehen das als Investition in Zufriedenheit und langfristige Bindung.
Seit mehr als einem Jahr sortiert Vodafone außerdem bundesweit die TV-Frequenzen im Kabelnetz neu. Vor allem ältere Kunden fühlen sich von der Umstellung teils überfordert. Wann ist die Umstellung beendet? Und welchen Vorteil haben Kunden von dieser Umstellung?
Die Umstellung ist in wenigen Wochen beendet. Wir wissen, dass der Sendersuchlauf für manche Kunden eine Herausforderung war. Deshalb haben wir den Support verstärkt und Anleitungen bereitgestellt. Der Nutzen ist konkret: eine einheitliche Frequenzbelegung bundesweit, die uns mehr Raum im Kabel für unsere Breitbandangebote und schnelles und stabiles Internet gibt. Am Ende geht es um die Weiterentwicklung unserer Gigabit-Infrastruktur. Vor wenigen Wochen haben wir beispielsweise de Upload-Geschwindigkeit auf 75 Mbit/s erhöht. Jetzt zur ANGA COM starten wir den Latenz-Booster, mit dem wir bei der Netzqualität nochmals eine Schippe drauflegen.
Hand aufs Herz: Wie lange hat klassisches Kabel-TV in Deutschland noch eine Zukunft? Wird Fernsehen nicht einfach zur App, die ich über jeden beliebigen Internet-Zugang ansteuern kann?
Kabel-TV begleitet uns noch viele Jahre. Kein Ruckeln, kein Buffering: Bild und Ton sind stabil, unabhängig davon, wie viele Nachbarn oder Mitbewohner gerade Netflix schauen. Dazu kommt die Einfachheit: Kabel an den Fernseher anschließen, Sender empfangen – echtes Plug and Play ohne App-Logins mit Passwörtern oder dem Abfotografieren von QR-Codes auf dem Bildschirm zur Verifizierung. Deshalb setzen viele Kunden aus der Wohnungswirtschaft trotz Wegfalls der Umlagefähigkeit auch weiterhin auf Kabel-TV. Zudem entwickeln wir unser Angebot konsequent weiter und arbeiten an Angeboten, bei denen die TV-App im Fokus steht.
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