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Neue Shows, neuer Nachmittag

RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger im Interview

von Uwe Mantel
21.05.2007 - 10:33 Uhr

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Foto: RTLRTL soll sich auch die Rechte an der britischen Castingshow "The X-Factor" gesichert haben.

"The X-Factor" haben wir uns schon vor über einem Jahr gesichert. Wir wollen stets die stärksten Sendungen für uns gewinnen. Unsere Überlegung bei diesem Format ist ganz einfach: Was würde der Start von "X-Factor" für "DSDS" bedeuten? Die Abwägung, ob man "DSDS" fortsetzen kann, wenn man "X-Factor" startet oder ob beide Formate auf dem deutschen Markt Platz haben, ist noch nicht abgeschlossen. Ich halte beides für starke Marken. "DSDS" durch die Etablierung und die immer fortschreitende Weiterentwicklung und Neuerfindung innerhalb des Formats und "X-Factor" als sehr breites Gesangscasting auch.

Es ist aber nicht so, dass man die Rechte in erster Linie gekauft hat, damit sie vom Markt weg sind und nicht zur Konkurrenz für z.b. "DSDS" werden können...


Das wäre auf Dauer eine unkluge und zu kostspielige Strategie. Wir kaufen nur Formate, von denen wir auch hundertprozentig überzeugt sind. Programmliche Leidenschaft und Business müssen im Einklang stehen.

Zum Thema programmliche Leidenschaft und Business: RTL führt stets zwei Gründe gegen eine neue Staffel von "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" an. Es sei zu teuer und man wolle dafür nicht die Programmstruktur durchbrechen. Das klingt wenig leidenschaftlich.


Man kann mit "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" sicherlich mit einem sehr großen Aufwand eine phantastische Quote erzielen. Doch der kritische Punkt ist die Relation zwischen Aufwand und zweiwöchigem Nutzen. Unsere Strategie ist die nachhaltige Investition in Programm. Und das Dschungelcamp wäre nur ein Strohfeuer.
 


Andere Länder leisten sich das Dschungelcamp. Etwas ketzerisch gefragt: Können sich die Programmmacher in Deutschland nicht gegen die Controller durchsetzen?

Es läuft nicht in so vielen Ländern, weil die Sendung wirklich einen sehr großen logistischen, produktionstechnischen und budgetären Aufwand bedeutet. Zudem lassen sich Märkte nicht 1:1 vergleichen, schon gar nicht mit dem deutschen, der weltweit zu den wettbewerbsintensivsten gehört. Bei uns im Hause RTL war es eine programmliche Abwägung und nicht eine rein budgetäre, wobei die finanzielle Seite natürlich immer ein Teil des Ganzen ist. Auch Programmmacher sollten wirtschaftlich denken, nicht nur Controller.

Kommen wir vom Dschungel zurück nach Deutschland. Mit "Raus aus den Schulden" holt RTL kurioserweise in einer Zeit, in der überall vom Aufschwung zu lesen ist, mit dem Thema Schulden grandiose Marktanteile. Woher kommt das große Interesse an solchen Coaching-Formaten?

Ich bin überzeugter Vertreter der These, dass die besten Themen immer aus der Gesellschaft kommen. Das Fernsehen muss Spiegelbild der Gesellschaft sein, das sollten wir Fernsehmacher uns hinter die Ohren schreiben. RTL nimmt sich aktueller Themen konkret an - und weniger bürokratisch als es die üblichen Institutionen tun. So war es bei der "Super Nanny" und ist es jetzt auch mit "Raus aus den Schulden". Wir haben einen Experten, der die Ärmel hochkrempelt und Probleme konkret und für jeden verständlich löst oder den Weg dahin aufzeigt. Damit treffen wir offenbar den Nerv der Zeit.

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