Zeljko Karajica © DSF
DWDL.de-Interview

ESPN als Vorbild: DSF-Chef Karajica über Sport1

von Thomas Lückerath
06.02.2010 - 23:47 Uhr

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Interview mit Zeljko KarajicaUnd der Sender soll statt kurzfristiger Erlösquellen langfristig entwickelt werden. Der Wunschtraum eines jeden Programmverantwortlichen. Aber für wann haben Sie schwarze Zahlen ins Auge gefasst?

Die schwarzen Zahlen haben wir relativ klar vor Augen. 2010 wird allerdings noch ein Konsolidierungsjahr sein.

Wie passt das zusammen mit mehr Aktualität bei Sport1, also z.B. aktuellen Sondersendungen im Tagesprogramm, die sicher nicht gerade billiger werden als das bisherige Programm?

Wir haben das jetzt schon ein paar Mal gemacht. Aktuelles Beispiel: Die Präsentation des neuen Silberpfeils. Natürlich gehen die Quoten nicht durch die Decke, können sie aber auch noch nicht. Denn in den letzten Jahren hat das DSF dies nicht konsequent angeboten. Wenn wir jetzt verstärkt auch auf aktuelle Sondersendungen setzen, ist das auch ein Lernprozess für unser Publikum und wird sich auch erst sukzessive auf die Reichweiten auswirken. Wir sehen aber bereits jetzt, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind: Als wir zum Beispiel in DSF Aktuell im November ausführlich zu den Turbulenzen beim FC Bayern nach dem „Lahm-Interview“ berichtet haben, brachte uns das in der Spitze 760.000 Zuschauer. Sie sehen, es funktioniert also. Von relevanten Sportthemen können wir mehr profitieren als bisher. Wobei für mich übrigens nicht entscheidend ist, ob das im TV oder online geschieht. Hauptsache Sport1 berichtet.
 

 
Sie wollen ja auch Live-Sport im Netz streamen. Da bleibt nur die Frage: Lässt sich das auch schon durch Werbung finanzieren? Verdienen Sie im TV nicht derzeit noch mehr?

Unsere Werbekunden wollen ihre Zielgruppen erreichen und nicht Nutzer einer bestimmten Medienart. Sie wollen ein Umfeld und keinen Übertragungsweg. Denn diese Übertragungswege werden sich zukünftig noch wesentlich schneller ändern und dieser Veränderung müssen wir uns stellen.

Bei diesem crossmedialen Verständnis bleibt ja die Frage: Sie sind dann nicht mehr Geschäftsführer eines Fernsehsenders, sondern...?

Wir sprechen momentan von einem multimedialen Sport-Kommunikationshaus.In diesem Kontext spielt allerdings mein Titel eine untergeordnete Rolle.

Kommen wir doch zum Programm, das sicher eine große Rolle spielt. Sie kündigen mehr Sportainment an. Was muss man sich darunter vorstellen?


Da habe ich zwei Antworten. Wenn Matze Knop bei uns die besten Tore oder Pleiten, Pech und Pannen anmoderiert – mal als Beckenbauer oder als Luca Toni – dann ist das Sportainment. Ich kann solche Clips natürlich auch ganz bieder aufbereiten. Und dann gibt es noch ein anderes Thema: Nehmen wir die neue LIGA total! Spieltaganalyse mit Matthias Opdenhövel. Das ist kein biederer Sportjournalismus sondern leidenschaftlich und unterhaltsam. Schauen Sie sich Sportsendungen in den USA, etwa bei ESPN an. Dort geht es weitaus unterhaltsamer zu als bei uns. Und trotzdem gilt die Sportberichterstattung dort inhaltlich als hervorragend. Das ist unser Ziel.

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