Stefan Raab © ProSieben/Willi Weber
DWDL.de-Interview

Stefan Raab: "Mit mir kehrt die Seriosität zurück"

von Thomas Lückerath
15.02.2013 - 00:17 Uhr

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Stoiber brachte ihn ins Gespräch, Steinbrück lehnte ihn zunächst ab. Im DWDL.de-Interview erklärt Stefan Raab jetzt: Ja, er will das Kanzlerduell moderieren und zwar bei ProSieben. Ein Gespräch über Politik, Talk und seinen Metzgergesellenbrief.

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Herr Raab, mögen Sie Herrn Steinbrück eigentlich genauso wie er Sie?

Ich weiß nicht, wie doll er mich mag, aber ich bin grundsätzlich erst einmal ein Menschenfreund.

Aber seine zunächst ablehnende Reaktion war doch aus PR-Sicht eine dankbare Reaktion auf den Vorschlag, Sie das Kanzlerduell moderieren zu lassen, oder?

Und dabei habe ich mich noch gar nicht zu diesem Thema geäußert.

Dann tun Sie das gerne jetzt: Wollen Sie als Vertreter von ProSiebenSat.1 das Kanzlerduell moderieren?

Als die Vorabmeldung vom "Spiegel" kam, habe ich erst mal mit Peter Limbourg telefoniert, der das für eine gute Idee hält und mir seine Unterstützung angeboten hat. Ich bin an politischen Themen interessiert und mache deswegen ja auch nicht erst seit gestern politische Sendungen. Außerdem nehme ich gerne neue Herausforderungen an.

Das kann man wohl so sagen.

Anschließend habe ich mit den ProSiebenSat.1-Chefs Thomas Ebeling und Jürgen Hörner gesprochen, die den Vorschlag ebenfalls sehr unterstützen. Ich würde mir sogar wünschen, dass das Duell bei ProSieben ausgestrahlt wird. Da hätte man zusätzlich die Möglichkeit, ein Publikum zu erreichen, das man sonst nicht erreichen würde.

Also ist das jetzt mehr als ein PR-Gag des ProSiebenSat.1-Beiratsvorsitzenden Edmund Stoiber?

Wir finden, dass das die konsequente Weiterführung des politischen Engagements ist, das wir seit 2005 bei ProSieben betreiben. Zu den beiden vergangenen Bundestagswahlen haben wir ja jeweils erfolgreiche Wahl-Sendungen gezeigt - übrigens mit hochkarätigen Gästen aus der Politik.

Aber wenn er sagt, dass Politik keine Unterhaltung ist, frage ich mich: Was hat Herr Steinbrück nicht verstanden? Die Polit-Sendungen, die sie machen, oder das Wesen moderner Politik?

Wenn man junge Leute erreichen will, muss man auch dahin gehen, wo sie sind. Es nützt ja nichts, wenn man seinen alten Routinen treu bleibt. Wenn man nur Wähler über 65 haben will, muss man eben in den Talkshows von ARD und ZDF bleiben. Wir erfinden diese Fakten ja nicht. Wir erreichen mehr junge Zuschauer als alle anderen Talkshows zusammen. Und selbst wenn wir nur die halbe Quote hätten, wären es immer noch doppelt so viele junge Zuschauer wie bei den meisten anderen Politalks.

Wie kam Steinbrück zu seiner ersten Position, was glauben Sie?

Wahrscheinlich hat Herr Steinbrück das in Aschermittwochs-Laune gesagt. Wenn er sich "Absolute Mehrheit" mal anschaut, dann wird er sehen, dass er sich auf mich als seriösen Gesprächspartner verlassen kann. Mir ist die Verantwortung bei dieser Aufgabe natürlich bewusst. Und noch eins: Ich habe mir gestern bei YouTube nochmal Teile des letzten Kanzlerduells angeschaut. Schon in den ersten zehn Minuten gab es den Versuch eines Pointenfeuerwerks seitens der Moderatoren. Da wurde beispielsweise gesagt, es sei ein Kanzlerduell und kein Kanzlerduett - ein ganz klarer Pointenversuch! Getoppt wurde das wenig später von Maybrit Illner, die sagte, es sehe nicht aus wie ein Duett sondern wie "Ehen vor Gericht". Das ist doch klare Gag-Schreiber-Dialektik, wenn ich das jetzt mal so nennen darf. Wenn, dann kehrt mit mir die Seriosität zurück!

Was sagen eigentlich die anderen Sender?

Soweit ich weiß, hat ARD-Chefredakteur Baumann gesagt, dass man keinen Einfluss darauf nehme, welchen Moderator die anderen Sender zum TV-Duell schicken - ähnlich hat sich meines Wissens auch RTL geäußert. Und wenn ich den Regierungssprecher richtig verstanden habe, übt auch die Kanzlerin keinen Einfluss darauf aus.

Der Versuch der Einflussnahme von Politikern auf Sendungen wird ja gerne mal kolportiert. Da haben Sie im Vorfeld der Premiere von „Absolute Mehrheit“ ja auch schon Erfahrungen gesammelt...

Wie Sie sehen, haben wir uns davon nicht beeindrucken lassen. Da wird gerne mal aus der Politik der Begriff "Augenhöhe" in die Diskussion geworfen. „Ich komme nur, wenn…“. Wir haben uns jetzt aber komplett davon verabschiedet, einer Liga von Politikern hinterherzuhecheln, die sich im Zweifel sowieso in ihrem Stellenwert überschätzt. Wir haben eine Marktforschung zu der ersten Sendung gemacht und unter anderem gefragt, wen die Zuschauer am liebsten sehen würden. An oberster Stelle wurden dabei natürlich die Bekanntesten genannt – Merkel und Steinbrück. Da das aber für uns wie alle anderen Talkshows nicht jede Woche zu bewerkstelligen ist, fällt das sowieso schon mal weg.

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