Jochen Starke © RTL II
RTL II-Geschäftsführer im Interview

Starke: "Wer Angst vor Flops hat, hat Angst vor Neuem"

von Thomas Lückerath
04.03.2013 - 23:01 Uhr

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Am Mittwoch feiert RTL II seinen 20. Geburtstag mit großer Party in der Sendezentrale. DWDL.de sprach mit Geschäftsführer Jochen Starke über den Erfolg der Vorabend-Soaps, die Bedeutung von Flops und die Arbeit ohne Programmdirektor.

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20 Jahre RTL II. Gut, dass der runde Geburtstag nicht vor zwei, drei Jahren anstand. Da sah es noch nicht so dolle aus. Jetzt haben Sie ja allen Grund zum Feiern...

Das trifft sich in der Tat gerade sehr schön. Aber wer RTL II kennt, der weiß, dass wir immer schon hart arbeiten konnten - aber auch gut feiern. Wir haben ja auch unseren 15. Geburtstag mit einer eigenen Sendung und kleinen Party gefeiert. Aber diesmal macht es natürlich noch mehr Spaß, wenn man z.B. daran denkt, dass wir vor gerade einmal zwei Monaten ein neues Vorabendformat gestartet haben, das aus dem Stand mit zweistelligen Marktanteilen läuft. Und das in der wahrscheinlich am schwersten zu programmierenden Zeitstrecke am Tag. Wir haben hart daran gearbeitet und freuen uns, mit „Berlin - Tag & Nacht“ und „Köln 50667“ diese wichtige Zeitzone erfolgreich zu bespielen – und zwar dauerhaft erfolgreich, wie es scheint.



Und das war es jetzt auch erstmal aus dem Bereich? Oder lässt sich aus den beiden Marken oder der Machart noch mehr rausholen?

Wir können sicher mit einem besseren Lead-in noch mehr bei „Köln 50667“ rausholen. Das soll nicht heißen, dass „Privatdetektive im Einsatz“ schlecht ist, aber um 17 Uhr könnte es für uns besser laufen.

Aber nicht noch eine weitere Städte-Soap?

Nein, es wird bestimmt nicht noch eine Soap dieser Art geben. Wir haben zwei Soaps am Vorabend, das ist okay. Und beide laufen gut. Müssen sie aber auch, denn Soaps müssen sich mit der Erstausstrahlung rechnen. Die können Sie nur schwer zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen. Aber crossmedial können wir mit „Berlin - Tag & Nacht“ und „Köln 50667“ sicher noch wachsen – auch qualitativ mit weiteren kreativen inhaltlichen Konzepten. Kritikern, die bemängeln, dass man 2,6 Millionen Facebook-Fans nicht kapitalisieren könne, möchte ich zurufen: Das ist nicht das primäre Ziel. Wir wollen unsere Zuschauer rund um die Uhr an uns binden - auch zu Zeiten, zu denen die Sendung nicht läuft. Und wir müssen natürlich die beiden Soaps auch inhaltlich kontinuierlich weiterentwickeln. Was für eine schwere Aufgabe das ist, weiß jeder, der tägliche Serien im Programm hat. Da helfen uns Facebook und unsere Mobile Apps ungemein.

Schmerzt es manchmal, dass Sie trotz des Erfolges beim Publikum mit Ihren Programmen wohl nie Fernsehpreise gewinnen werden?

Ach, wir leben nicht von Preisen. Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen und deswegen steht bei uns der Zuschauer im Vordergrund, den wir bestmöglich mit Programmen bedienen wollen. Nur das können wir dann kapitalisieren. Preise sind nice-to-have, aber es ist nicht unser Anspruch, den Deutschen Fernsehpreis oder den Adolf-Grimme-Preis zu gewinnen. Wir machen Fernsehen für unsere Zielgruppen und deren Urteil ist für mich entscheidend.

Also auch weiterhin keine eigenproduzierte Fiction mehr, wie es sie in Anfangsjahren mit „Der Sandmann“ und Götz George mal gab? Die hat Preise gebracht...

Die Frage kann ich nachvollziehen. Das war damals auch ein extrem interessantes und spannendes Projekt. Aber das hat sich für RTL II nicht gerechnet und würde es auch heute nicht. Vielleicht sollten sich erst mal die Privatsender der ersten Generation mit dem Thema beschäftigen. Aber an Aufträgen für die Produktionsbranche mangelt es bei uns trotzdem nicht.

In der Tat. Da hat RTL II vor drei Jahren ja angefangen massiv zu investieren...

Vor drei Jahren standen wir angesichts der sich entwickelnden, fragmentieren Senderlandschaft vor der Frage, wohin wir mit RTL II wollen. Wollen wir den Sender einfach so weiterlaufen lassen, wie er damals lief, oder mehr Geld in die Hand nehmen, um zu investieren und sich mit Eigenproduktionen unabhängiger von Hollywood zu machen. Die Möglichkeiten an attraktive fiktionale Ware zu kommen, sind über die Jahre für uns schwerer geworden. Das liegt zum einen daran, dass die beiden großen Sendergruppen und das Pay TV immer mehr brauchen und gleichzeitig immer weniger Brauchbares aus den USA kommt. Unser Hunger war groß, aber was uns serviert wurde, war wenig und nicht immer schmackhaft. Daraufhin haben wir uns entschieden, die Entwicklung eigener Programme massiv voranzutreiben.

Wo hat RTL II denn momentan seine Baustellen?

Am Donnerstag ist „Frauentausch“ verlässlich und seit fast zehn Jahren Kult. Am Montag haben wir viel ausprobiert und sind gerade mit „Geissens“ und „Wollnys“ sehr zufrieden. Dem Mittwochabend müssen wir uns noch ein bisschen widmen, der über die Jahre mit dem „Stargate“-Franchise unheimlich gut funktioniert hat, und jetzt noch seine Bestimmung sucht. Und am Wochenende haben wir noch die ein oder andere Aufgabe vor uns. Aber das Wichtigste ist: In der Daytime sind wir vom Kinderprogramm auf reguläres Programm umgestiegen, und das hat wirklich gut funktioniert. Das war eine Mammut-Aufgabe. Wir reden von 800 Programmstunden im Jahr, die wir alternativ bestücken mussten.

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