Herr Butzen, 2024 wird ein spannendes Sportjahr. Worauf freuen Sie sich mehr: Auf die EM im eigenen Land oder die anstehende Vergabe der DFL-Übertragungsrechte?

(lacht) Auf die EM 2024, die haben wir schon und außerdem gehörte es in den vergangenen letzten Jahren nicht zu unserer Strategie, sich bei den ganz großen Sportrechten zu verausgaben.

Früher war das aber durchaus mal anders…

Ja, aber da waren die Preise auch noch andere. Es ist auch so schon ein sehr wichtiges Jahr für uns, gerade die kommenden Monate. Wer alle Spiele der Europameisterschaft sehen will, kommt an Magenta TV nicht vorbei. Alle 51 Spiele gibt es nur bei uns mit bis zu 14 Stunden Programm auf drei Sendern. Dort können sich die Zuschauer erneut bei den meisten Spielen zwischen drei Spielerlebnissen entscheiden.

Das bedeutet?

Neben dem klassischen Signal werden wir auf dem zweiten Kanal wieder unsere Taktik-Fans beglücken. Damit geben wir den echten Fußballfans eine neue Perspektive aufs Spiel. Und als drittes Angebot haben wir den Reaction-Feed mit YouTubern oder Influencern, womit wir auf die junge Zielgruppe fokussieren. Der Reaction-Feed kommt aus Berlin direkt von der Fanmeile. Am letzten Vorrundenspieltag ermöglichen uns die drei Kanäle dann, zwei Spiele parallel und eine Konferenz anzubieten. Im Einsatz bei der EM sind wieder die von Magenta TV bekannten Köpfe wie Johannes B. Kerner, Michael Ballack, Tabea Kemme und Wolf Fuss. Neu dabei als Experte ist außerdem Weltmeister Shkodran Mustafi. Und es wird hier sicher noch die eine oder andere Überraschung geben.

Neben einer Einigung mit ARD und ZDF haben Sie auch einen Deal mit RTL gemacht, was nur eine Handvoll Spiele exklusiv bei Magenta TV belässt. Warum eigentlich?

Wir haben immer gesagt, dass wir die EM im eigenen Land nicht für uns behalten wollen. Aber zwei Spiele der Gegner der deutschen Mannschaft in der Vorrunde - sehr spannend also - gibt es nur bei uns. Auch ein Achtelfinale läuft exklusiv bei uns. Das ist für Fans ein Mehrwert, den nur unsere derzeit gut 4,6 Millionen Kunden von Magenta TV bekommen. Auf die Zusammenarbeit mit RTL zur EM freuen wir uns sehr, schließlich werden wir bei der Übertragung sehr eng zusammenarbeiten. Unser Magenta TV-Hub wird das Studio in Köln-Deutz, das wir uns bei zwölf von 51 Spielen teilen. Aber diesmal sind wir - anders als in Katar - natürlich großflächig vor Ort in den Stadien und bei den Fans. Da haben wir als Main Broadcaster dieser Europameisterschaft auch den Vorteil, die besten Interview-Positionen zu bekommen. 

Magenta TV verspricht bei der EM im eigenen Land wieder alle Spiele in UHD, aber nicht auf allen Empfangswegen. Was ist da der Stand der Dinge?

Über unsere eigenen Geräte werden alle Spiele der EM in UHD zu sehen sein. Das ist sicher. Auf anderen Geräten schauen wir uns noch an, was möglich ist. Wobei man vielleicht erklären muss: Das Signal wird von der UEFA in HD angeliefert, wir skalieren es dann hoch. 

Schade eigentlich, bei so einem Großereignis. Oder?

Das muss die UEFA entscheiden. Die Produktion in UHD ist kostspielig. Und wenn man dann im Hinterkopf behält, dass die Mehrheit der Deutschen immer noch Fernsehen in SD guckt, ist das mit der Bildqualität ein Spagat.

Von diesen SD-Haushalten im Kabel würden Sie mit Magenta TV, wie andere Wettbewerber auch, in diesem Sommer gern einige für sich gewinnen….

Ab dem 1. Juli können Vermieter die Kosten für den Kabelnetzanschluss nicht mehr über die Mietnebenkosten abrechnen. Jeder Kabel-Kunde in einem solchen Vertragsverhältnis kann sich frei entscheiden, von wem er sich künftig mit TV und Entertainment versorgen lassen will. Das bedarf aber noch sehr viel Aufklärungsarbeit. Denn dies sind oft Haushalte, die sich bislang noch keine Gedanken darüber gemacht haben, wie TV ins Haus kommt. 

 

"Nur etwas mehr als ein Drittel der Haushalte weiß um die Wahlmöglichkeit"

 

Eher ältere Semester?

Nein, das ist das falsche Bild, das in der Diskussion oft entsteht. Wir reden schließlich von mehreren Millionen TV-Haushalten im ganzen Land – über alle Altersgruppen hinweg. Wir sehen bei den Abschlüssen, die mit Beginn unserer aktuellen Aktion schon zu Magenta TV gewechselt sind, dass sich überdurchschnittlich viele für Kombi-Angebote mit Streamingdiensten interessieren. Das Nebenkostenprivileg betrifft auch viele junge Mieter, Studenten und WGs. Und die sind nicht desinteressiert, ganz im Gegenteil.

Wie viel Potential sehen Sie für Magenta TV?

Wir sehen jetzt schon, dass es Bewegung gibt. Aber nur etwas mehr als ein Drittel der Haushalte weiß um die Wahlmöglichkeit, und andere schieben die Entscheidung weiter vor sich her. Wer sich aber dann damit beschäftigt und Angebote im Markt vergleicht, wird unserer Meinung nach kein besseres Angebot finden als Magenta TV. Wir bieten zum Beispiel in unserem Smart-Tarif für zehn Euro über 150 Sender in HD inklusive Komfortfunktionen, außerdem weitere Inhalte via Magenta TV+. Und RTL+ ist hier ebenfalls enthalten. Dazu kommt das Megastream-Angebot, in dem für siebenundzwanzig Euro auch noch Netflix und Disney+ jeweils in den Premium-Varianten ohne Werbung dabei sind. Die größte Hürde ist aber nicht der Wettbewerb, sondern die Aufklärungsarbeit zum Nebenkostenprivileg.

Einst gehörte das Kabelnetz der Telekom, mustse dann politisch gewollt verkaufen. Heute wollen Sie davon profitieren, dass Vodafone vom Ende des Nebenkostenprivilegs getroffen wird. Wie oft müssen Sie über diesen Treppenwitz der TV-Geschichte schmunzeln?

Ach, wir schauen nach vorne. Was uns gerade als Deutsche Telekom anhaltend beschäftigt ist Glasfaser. Das ist das wichtigste Infrastruktur-Projekt für die kommenden Jahre, eine große Herausforderung. Der Technologie geben wir mit Magenta TV ein Gesicht, ein erlebbares Produkt. Auch in der regionalen und lokalen Zusammenarbeit mit Stadtwerken etc. spielt Magenta TV eine wichtige Rolle, den die regionalen Anbieter können kein TV-Produkt auf die Beine stellen wie wir.

Stichwort Herausforderung: Die im Februar gestartete Umstellung auf die neue Magenta TV-Plattform war auch nicht ganz ohne, oder?

Die Umstellung auf die neue Plattform ist eines unserer vier großen Themen dieses Jahr. Mit dem neuen Produkt sind wir sehr zufrieden, denn wir haben MagentaTV in vielen Bereichen deutlich weiterentwickelt. So ist die neue Plattform beispielsweise deutlich schneller und stabiler. Sie lässt sich über die persönliche Schnellstartleiste an die individuellen Sehgewohnheiten anpassen und bietet mit der neuen Suchfunktion alle Informationen zu einem Titel direkt auf einen Blick. Wer eine bestimmte Serie oder Film schauen will, findet die Verfügbarkeit auf allen Plattformen - also nicht nur bei MagentaTV sondern auch bei den gängigen Streamern und Mediatheken. Ist die gewünschte Serie oder der Film zusätzlich mit einem ‚grünen Haken‘ gekennzeichnet, können unsere Kunden diesen Titel kostenlos anschauen. Und ihn direkt aus der Magenta TV Suche heraus starten. Das ist deutlich übersichtlicher und komfortabler als bisher. Wir sind der Guide im immer unübersichtlich werdenden Streaming-Dschungel. Und das kommt dementsprechend gut an.

Die Fußball-EM, das Nebenkostenprivileg, die neue Plattform - was ist das vierte Thema?

Bis jetzt haben wir immer angestrebt, der erfolgreichste Aggregator für Content auf unserer Plattform zu sein. Also möglichst viele Partner und Inhalte zu Magenta TV zu holen. Aber wir müssen uns jetzt mit all der Vielfalt darauf konzentrieren, auch ein Smart Aggregator zu sein. 

Das klingt jetzt erstmal blumig. Was meinen Sie?

Es reicht nicht mehr, nur Inhalte anzuhäufen. Es braucht eine bessere Personalisierung, bessere Empfehlungen, eine kluge Verknüpfung. Da ist die neue Plattform der erste Schritt, aber wir müssen bei der Komplexität von Angeboten, Paketen und Abos inzwischen eine neue Übersichtlichkeit leisten. Kunden verlieren den Überblick darüber, wo sie welchen Tarif mit welcher Laufzeit über wen abgeschlossen haben. Das geht auch mir manchmal so. Deswegen wollen wir einen Streaming-Baukasten erschaffen, bei dem alles über Magenta TV laufen und flexibel dazu gebucht oder auch gewechselt werden kann. Zugebuchte Angebote werden über dieselbe Suche auffindbar. Da geschieht viel Arbeit im Hintergrund, die man nicht sieht, weil sie idealerweise einfach funktioniert. Darüber machen wir uns gerade viele Gedanken und das wird im zweiten Halbjahr wichtig.

 

"Wir fahren sehr gut damit, Serienfans etablierter Hits die neuen Inhalte zu geben, auf die sie warten"

 

Nochmal zurück zum Content: Ist jetzt alles Sport, oder was? 

Nein, keinesfalls. Mit der ersten Staffel von „Oh Hell“ haben wir den Deutschen Fernsehpreis für die beste Comedyserie gewonnen. Jetzt freuen wir uns auf die zweite Staffel der von Johannes Boss geschriebenen Serie mit Mala Emde in der Hauptrolle. Und wir haben für Serienfans in diesem Jahr noch viel vor. Wir kaufen weiterhin gezielt ein, haben uns nur aus der fiktionalen Auftragsproduktion zurückgezogen, wie es nach uns ja auch Sky und Paramount entschieden haben. Ein Highlight wird gegen Jahresende die mittelalterliche Mammut-Produktion „Rise of the Raven“ sein. Eines der teuersten Serien-Projekte, die je in Europa realisiert wurden. Dieses haben wir uns exklusiv für Deutschland gesichert. 

Das ist noch ein bisschen hin…

Bis dahin freuen wir uns, neben der kompletten „Fargo“-Reihe inklusive der jüngsten fünften Staffel auch die Heimat der Spin-Offs zu „The Walking Dead" zu sein. Erst Ende Februar ist „The ones who live“ gestartet. Die zweiten Staffeln von „Dead City“ und „Daryl Dixon“ starten noch in diesem respektive im nächsten Jahr. Wir fahren sehr gut damit, Serienfans etablierter Hits die neuen Inhalte zu geben, auf die sie warten. So etwa mit der langersehnten Fortsetzung von „Monk“ in Filmform. Im kommenden Jahr zeigen wir außerdem die neue und letzte Staffel von „The Handmaid‘s Tale“. Wir haben auch zum Beispiel alle Staffeln von „Killing Eve“, einer herausragenden Serie, die man jetzt bei uns komplett bingewatchen kann. Und unser Team findet immer wieder Perlen wie die britische Fantasy-Eventserie „The Winter King“, die seit Januar bei uns läuft.

Aber keine fiktionale Eigenproduktionen mehr also?

Ich will nicht ausschließen, dass nochmal was kommt. Aber das ist nicht unser Fokus. Dafür geht es weiter mit „Herr Raue reist“, und wir werden dieses Format sogar noch ausweiten. Ich kann ankündigen: Wir machen ein zweites Format mit ihm und bleiben in Deutschland. Tim Raue zeigt uns seine Lieblings-Restaurants und gewährt persönliche Einblicke in die Teams dahinter - da geht es nicht um Sterneküche, sondern um eine bodenständige Auswahl, weil auch ein richtiges gutes Wiener Schnitzel eine Kunst sein kann. Wir zeigen auch eine zweite Staffel von „More than Talking“ mit Verona Pooth, die bereits im Februar mit Lukas Podolski gestartet ist. Und wir bleiben offen für weitere neue Ideen.

Herr Butzen, herzlichen Dank für das Gespräch.