Was bisher geschah
Zum 1. Dezember 2025 ist der Reformstaatsvertrag in Kraft getreten - auch wenn zwischenzeitlich nicht klar, ob wirklich alle Länderparlamente dem Vorhaben zustimmen würden. Erklärtes Ziel der Reform ist es, "einen zeitgemäßen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu ermöglichen, der mit seinen Angeboten die gesamte Gesellschaft erreicht", wie es heißt. Im Zuge dessen soll der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks "qualitativ gestärkt und quantitativ begrenzt werden".
Neben Verschärfungen in der Online-Berichterstattung - Stichwort: Presseähnlichkeit - sieht der Staatsvertrag auch Veränderungen bei den Spartenkanälen von ARD und ZDF vor. Diese sind wahrscheinlich der größte Einschnitt für die Öffentlich-Rechtlichen. Schon ab dem kommenden Jahr sind die gemeinsam verantworteten Kanäle nicht mehr beauftragt. Die Politik will, dass ARD und ZDF hier künftig Kanäle einsparen, drückt sich aber ein Stück weit um eine starre Vorgabe, indem sie den Sendern Gestaltungsspielraum gibt - durch die Einführung sogenannter "Körbe" und einer Maximal-Anzahl an Kanälen.
Was also aus dem derzeitigen Angebot übrig bleibt und wer bei welchem Angebot das Sagen hat, das sollen die Intendantinnen und Intendanten selbst regeln. Es droht also ein zermürbender Verteilungskampf, bei dem der zu verlieren droht, der sich zuerst bewegt. Wie komplex das zu werden droht, machte der ARD-Vorsitzende Florian Hager bereits Ende vergangenen Jahres klar. Man müsse sich nicht nur innerhalb der ARD abstimmen und einig werden, sondern darüber hinaus auch mit dem ZDF. Das sei, so Hager wörtlich, "Next Level Shit".
Was ist der aktuelle Stand?
Die gute Nachricht: Der Kika ist erstmal nicht in Gefahr, auch wenn Portale wie "Focus Online" vor einigen Wochen das Gerücht streuten, der öffentlich-rechtliche Kindersender könnte schon bald von der Bildfläche verschwinden. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Der Kika ist noch bis ins Jahr 2033 als lineare TV-Kanal beauftragt. Darüber hinaus wird sich aber einiges ändern, denn das junge Angebot - das neben dem Kika auch noch Funk, One und ZDFneo umfasst - soll von vier Sendern auf zwei reduziert werden. Dabei soll das Programm für junge Erwachsene spätestens 2029 ins Digitale umziehen. Das lineare Informationsangebot wiederum muss von aktuell vier Sendern - Phoenix, Tagesschau24, ZDFinfo und ARD alpha - auf zwei gebündelt werden, deren Digital-Umzug für den 1. Januar 2033 vorgesehen ist. Die Inhalte von 3sat wiederum nach dem Willen der Länder künftig in Arte integriert werden.
Hinter den Kulissen wird bei ARD und ZDF nun darum gerungen, wie eine künftige Aufteilung aussehen könnte. Klar ist aber schon jetzt, dass die Neuerungen das ZDF besonders hart treffen werden, schließlich fahren die Mainzer seit Jahren mit ihrer Spartensender-Strategie ausgesprochen erfolgreich. So lag ZDFneo im vergangenen Jahr im Linearen unter anderem vor ProSieben und ZDFinfo war bei den 14- bis 49-Jährigen so erfolgreich wie noch nie. Das aufzugeben, wenn auch nur in Teilen, dürfte für das ZDF schmerzhaft werden.
Das ZDF hielt sich mit öffentlichen Äußerungen zuletzt dann auch ziemlich zurück. Über die "entsprechenden Weichenstellungen" werde man "zu gegebener Zeit berichten", heißt es vom Lerchenberg. Der ARD-Vorsitzende Florian Hager wiederum betonte, er sei komplizierte Probleme gewohnt; hierbei handele es sich aber um ein sehr komplexes Problem.
Und jetzt?
Angesichts der Deadline zum 1. Januar 2027 stellte Florian Hager jüngst ein Ergebnis im ersten Halbjahr 2026 in Aussicht. Man arbeite mit Hochdruck an dem Thema, erklärte er. In den kommenden Monaten dürfte hinter den Kulissen also mächtig gerungen werden zwischen ARD und ZDF - und ganz sicher wird es am Ende Verlierer geben. Tatsächlich gibt es für den Erhalt einiger Sender gute Argumente, allen voran für Phoenix, dessen ausführliche Parlamentsberichterstattung so etwas wie den Kernauftrag der Öffentlich-Rechtlichen darstellt. Doch wäre auch eine Verbindung mit Tagesschau24 denkbar? Und wo findet sich fortan der Platz für Dokus und Reportagen, wie sie bislang das Programm von ZDFinfo prägen?
Einfacher erscheint die Lösung mit Blick auf das Programm für junge Erwachsene - hier könnte One im wahrsten Sinne des Wortes in Neo aufgehen. Eine gemeinsame Dachmarke, unter der jüngere Serien- und Show-Produktionen von ARD und ZDF gebündelt werden, wäre ganz sicher ohne Weiteres möglich.
Dass One überhaupt noch existiert, ist ohnehin vor allem dem ARD-Manöver zu verdanken, den Sender als eine Art Verhandlungsmasse in der Hinterhand zu behalten. Eigentlich hatte die ARD bereits jahrelang behauptet, sie würde ja einen Spartenkanal abschaffen, dürfe das aber nicht. Dann bekam sie die Möglichkeit, verzögerte die Entscheidung aber ein ums andere Mal, bis man zuletzt behauptete, dass man der geplanten Reform nicht vorgreifen wolle. Auch WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn befand bereits, dass man deswegen "ziemlich dumm dasteht".
Gut möglich also, dass die Federführung des Angebots für die Zielgruppe junger Erwachsener ab 30 in den Händen des ZDF liegen wird, auch wenn man sich in Mainz vom Gedanken der "ZDF-Programmfamilie" verabschieden müsste. Im Informationssektor wiederum könnte die ARD die Federführung übernehmen - was mit Blick auf die beim NDR angesiedelte "Tagesschau" und den schon jetzt in Teilen vom WDR geführten Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix ohnehin Sinn ergäbe. Doch noch bleiben viele Fragezeichen. Angesichts der Komplexität lässt sich erahnen, weshalb die Politik die endgültige Entscheidung lieber den Sendern selbst überlassen wollte.
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