Wenn globale Riesen ihre Vermählung annoncieren, dauert es für gewöhnlich eine Weile, bis lokale Töchter erfahren, was dabei aus ihnen wird. Das gilt nun auch für die Produktionsfirmen von Banijay Germany und All3Media Deutschland. Die Frage, welche Labels nach der angekündigten Fusion der beiden Gruppen (DWDL.de berichtete) weitergeführt werden und wie viele Stellen dann überflüssig sind, lässt sich wohl erst im dritten Quartal beantworten. Was jetzt schon klar ist: Auch im deutschen Markt entsteht damit eine neue Dimension von Produktionsriese. Hatte Banijay im vorigen Jahr noch den vierten Rang im DWDL.de-Ranking der größten Produktionsgruppen belegt, so würde der neue Konzern inklusive All3Media auf Basis der 2024er Umsätze an die Spitze schießen. Kumuliert erlösten beide Gruppen in Deutschland rund 414 Millionen Euro – knapp fünf Millionen mehr als der bisherige Spitzenreiter Leonine Studios.

Die Größenverhältnisse zwischen den künftigen Partnern sind dabei recht eindeutig: Drei Viertel der Umsätze stammen von Banijay, nur ein Viertel von All3Media. Dazu passt, dass die hiesige Tochter der Franzosen ihr Produktionsvolumen über die letzten Jahre kräftig steigern konnte, während der Ableger der Briten stark an Output verloren hat (DWDL.de berichtete). Insofern darf man davon ausgehen, dass auch der künftige Deutschland-Chef Marcus Wolter heißen wird und dass All3Media hierzulande de facto eher in bestehende Banijay-Strukturen eingegliedert wird als umgekehrt. Für das mit Abstand ertragreichste Label Filmpool Entertainment dürfte es derweil eine Art Bestandsgarantie geben, zumal Banijay im entsprechenden Segment seit der Schließung der viel kleineren Produktionsfirma Good Times nicht mehr vertreten ist.

Dass die beiden Gruppen sich auf internationaler Ebene zumindest teilweise komplementär ergänzen, betonte François Riahi, CEO der Banijay Group, am Mittwoch gegenüber Analysten. So hat All3Media einen deutlich höheren Vertriebsanteil am Gesamtumsatz und einen deutlich höheren Fiction-Anteil am Produktionsumsatz als Banijay. Vor allem aber: All3Media produziert zu 79 Prozent englischsprachige Inhalte, Banijay nur zu 27 Prozent. "Wir sind ein französisches Unternehmen und auch stolz darauf", so Riahi. "Aber mit unseren amerikanischen und emiratischen Partnern werden wir erstmals wirklich global und sind künftig das größte englischsprachige Studio außerhalb des US-Markts."

 

Es kommt wirklich auf Größe an, denn die Größe macht uns stärker in der Ertragskraft und Preissetzungsmacht.
François Riahi, CEO der Banijay Group

 

Obwohl Banijay in der digitalen Distribution nicht untätig gewesen sei, würdigte Riahi die All3Media-Tochter Little Dot Studios mit ihren 135 eigenen YouTube-Kanälen, über tausend Social Channels im Management und über elf Milliarden Views pro Monat als "eindeutig voraus in der digitalen Monetarisierung". Deren langjährige Expertise in der Verbindung von TV-Marken mit 'digital native'-Zielgruppen könne man künftig auch für die zahlreichen Formatmarken aus dem Banijay-Katalog nutzen.

Als Beispiel für Synergien im Kerngeschäft zog Riahi den internationalen Formathit "The Traitors" heran, den All3Media-Töchter in sechs verschiedenen Märkten produzieren. Gemeinsam komme man auf 25 Produktionsländer – wo All3Media bislang nicht operativ tätig sei, etwa in Frankreich, Spanien oder Italien, könne man die eigenen Formate in der neuen Aufstellung selbst herstellen. Kurzum: "Es kommt wirklich auf Größe an", so Riahi, "denn die Größe macht uns stärker in der Ertragskraft und Preissetzungsmacht." Die innerhalb der ersten zwölf Monate angestrebten Kostensynergien von 50 Millionen Euro jährlich sollen in erster Linie durch höhere Effizienz in Vertrieb und Distribution sowie "Optimierung der zentralen und unterstützenden Funktionen" erzielt werden.

Dass die Fusion maßgeblich durch die Ungeduld von Banijay-Gründer Stéphane Courbit zustande gekommen sei, gab unterdessen RedBird-IMI-Chef Jeff Zucker zum Besten. Sein amerikanisch-emiratischer Fonds hatte All3Media im Mai 2024 von den Vorbesitzern Warner Bros. Discovery und Liberty Global erworben – und dabei auch den Interessenten Banijay ausgestochen. "Ich kann Ihnen sagen, dass Stéphane mich zwei Monate nach Abschluss dieser Transaktion in New York besucht hat und bereits einen Deal machen wollte", so Zucker gegenüber "Variety". "Wir sagten ihm damals, wir wollten uns erst eine Weile mit All3 vertraut machen und dann ein Treffen organisieren. Anfang letzten Jahres rief Stéphane uns erneut an, und wir waren nun definitiv bereit für Gespräche." Warum jetzt der richtige Zeitpunkt für das 50:50-Joint-Venture zwischen Banijay und RedBird IMI sei, begründet Zucker so: "Das globale Medienökosystem verändert sich rapide, und man kann nicht einfach stillstehen, sondern muss sich weiter stärken."

Mehr zum Thema