Mit den Abstimmungsergebnissen der außerordentlichen Hauptversammlung von Warner Bros. Discovery, die am 23. April einberufen war, kann David Ellison im Großen und Ganzen zufrieden sein. David Zaslav hingegen nicht. Ellison, der 43-jährige Milliardenerbe und Paramount-Skydance-Boss, der Netflix im Bieterwettkampf um WBD ausgestochen hatte, erhielt die gewünschte Zustimmung der Aktionäre: 1,7 Milliarden Stimmen wurden für die Übernahme durch Paramount abgegeben, nur 16,3 Millionen dagegen. Jede WBD-Stammaktie berechtigte bei der Versammlung zu einer Stimme.
Zaslav, der 66-jährige Noch-CEO von WBD, der die Bieterschlacht um seinen Konzern im vorigen Jahr angefacht hatte, blitzte derweil mit dem vorgestellten Vergütungspaket ab. Gegen das Paket, das ihm eine Abfindung von mindestens 550 Millionen Dollar eingebracht hätte, hagelte es 1,4 Milliarden Stimmen oder 82 Prozent der Aktionäre. Gut möglich, dass Zaslav die schlechte Optik am Ende egal ist. Bei dem Abfindungsvorschlag handelte es sich um eine unverbindliche Abstimmung mit Beratungscharakter, nicht um eine Bedingung für den Abschluss der Transaktion. Die WBD-Führungskräfte könnten die vorgesehenen Zahlungen dennoch erhalten, sobald die Transaktion abgeschlossen wird.
Seit Jahren sorgt Zaslavs üppige Bezahlung verlässlich für Schlagzeilen. Fürs Geschäftsjahr 2025 stellte er mit 165 Millionen Dollar inklusive Aktienoptionen abermals einen Rekord auf. Seit der langjährige CEO von Discovery 2022 die WarnerMedia-Übernahme gestemmt und so WBD geformt hatte, entwickelte sich der Kurs des fusionierten Konglomerats schwach – bis Ellison im vergangenen Herbst auf einmal Interesse am Kauf des Unternehmens bekundete. Davor lag die WBD-Aktie im einstelligen Bereich – als sie im Zuge des Wettstreits zwischen Paramount und Netflix in die Höhe schoss, war der Ausübungspreis für Zaslavs Optionen auch ohne die eigentlich geplante Aufspaltung des Konzerns in zwei Teile schnell erreicht.
In Zeiten, wo bei WBD quasi alle Ausgaben eingefroren sind und absehbar etliche Stellen wegfusioniert werden, sorgt das verständlicherweise für böses Blut. Zumal Zaslavs Grundthese, mit der Streaming-Plattform Max einen waschechten Netflix-Konkurrenten zu schaffen, nach kurzer Zeit widerlegt war und aufgegeben wurde. Die Aufnahme von 54 Milliarden Dollar an Schulden hatte er mit einer strahlenden EBITDA-Prognose von 14 Milliarden Dollar jährlich gerechtfertigt – eine Zahl, die WBD nie erreichte und in jedem Jahr seines Bestehens nach unten korrigierte.
Die Tränen des Gunnar Wiedenfels
Unterdessen erhielt der deutsche CFO Gunnar Wiedenfels 17,7 Millionen Dollar fürs vergangene Geschäftsjahr und einen neuen Vertrag, nach dem er bis April 2028 zu annähernd gleichen Konditionen CFO bleibt. On top bekam der frühere ProSiebenSat.1-Finanzer Belegschaftsaktien mit einem Zielwert von zwei Millionen Dollar zugeteilt. Erwartet wird, dass Wiedenfels das Unternehmen im Zuge der Fusion mit Paramount verlässt. Die gewöhnlich gut informierte Hollywood-Journalistin Kim Masters wusste bei "Puck" zu berichten, der Deutsche habe über das wahr gewordene Paramount-Szenario einige Tränen vergossen. Schließlich sollte er im Zuge der ursprünglich geplanten Aufspaltung von WBD neuer CEO der Sparte Discovery Global werden, die sämtliche Kabel-TV-Sender enthalten hätte. "Er will CEO werden, er hatte darauf gesetzt", zitierte Masters einen anonymen WBD-Insider.
Der CEO-Posten im künftigen Mega-Konzern – scherzhaft wahlweise WarnerMount oder ParaBros genannt – ist freilich schon an Ellison vergeben. Vorbehaltlich der Genehmigung durch alle zuständigen Aufsichtsbehörden erlangt er die Kontrolle über eines der größten und traditionsreichsten Filmstudios Hollywoods. Der Kaufpreis liegt bei 111 Milliarden Dollar, der Abschluss ist fürs dritte Quartal geplant. Den WBD-internen Aufspaltungsplan wollte Ellison im Herbst mit drei unaufgeforderten Übernahmeangeboten für das Gesamtunternehmen durchkreuzen. Als Netflix Anfang Dezember für knapp 83 Milliarden Dollar den Zuschlag für Studios und Streaming erhielt, sah es zunächst nach einer Niederlage für den Sohn des Oracle-Gründers aus.
Doch der ließ nicht locker und startete drei Tage später ein feindliches Übernahmeangebot an die Aktionäre. Einige Wendungen später zog Netflix sein Angebot Ende Februar zurück, nachdem der WBD-Vorstand erklärt hatte, das letzte Angebot von Paramount sei überlegen. Ellison übernahm umgehend die 2,8 Milliarden Dollar Strafgebühr, die WBD Netflix nun schuldete. Regulierungsbehörden in mehreren Rechtsräumen, darunter die USA, einzelne Bundesstaaten und die Europäische Union, sind derzeit mit der Prüfung befasst. Ellison hatte stets argumentiert, dass der Weg zur behördlichen Genehmigung für Paramount klarer sei als für Netflix. Dabei stand zumindest implizit im Raum, dass die Ellison-Familie freundschaftlich mit Donald Trump verbunden ist. Zwar hat Paramount nicht entfernt so viele Streaming-Abonnenten wie Netflix, dennoch würde die Fusion zweier Studiobetriebe eine erhebliche Marktkonsolidierung nach sich ziehen.
Paramount+ und Pluto TV rüsten auf
Bevor es soweit ist, hat Paramount schon mal kräftig im eigenen Haus aufgerüstet. Was ja bei all dem Getöse um Warner schnell in Vergessenheit gerät: Mit seiner Skydance Media hat Ellison gerade erst im August 2025 die Übernahme von Paramount abgeschlossen. In Aussicht stand seither ein neues Streaming-Konzept für Paramount+ und Pluto TV mit größerer inhaltlicher Vielfalt und modernerer Technologie. Mitte April bekamen die Werbekunden bei den Upfront-Präsentationen des Konzerns erste Resultate zu sehen. Neue kostspielige Dramaserien mit Stars wie Anne Hathaway, Nicole Kidman und Jeremy Strong sollen dafür sorgen, dass Paramount+ in der öffentlichen Wahrnehmung zu den größeren Konkurrenten aufschließt – auch unabhängig von der bevorstehenden Zusammenlegung mit HBO Max.
Cindy Holland, die einst das US-Programm von Netflix mit aufbaute und seit vorigem Jahr das Direct-to-Consumer-Geschäft bei Paramount leitet, hat seit ihrem Antritt 20 neue Serien beauftragt. Weiterhin Verlass ist dabei auf Ausnahme-Showrunner Taylor Sheridan, den Schöpfer des "Yellowstone"-Universums. Das Spin-off "The Madison" mit Michelle Pfeiffer und Kurt Russell etwa wurde unlängst um eine dritte Staffel verlängert. Sheridans jüngstes Werk, das "Tulsa King"-Spin-off "Frisco King" mit Samuel L. Jackson, kommt voraussichtlich um den Jahreswechsel auf die Plattform. Unter Holland ist Paramount+ zudem deutlich offener dafür, Inhalte von externen Anbietern zuzukaufen. Pluto TV wiederum soll durch höhere Investitionen in Zweitverwertungen beliebter Serien aufgewertet werden.
Eine der in Hollywood meistdiskutierten Personalfragen dreht sich momentan darum, wer nach der Fusion den Top-Streaming-Job bekommt – Holland oder HBO-Chef Casey Bloys. Beide gelten seit vielen Jahren als herausragende Programmentscheider und sind in der kreativen Community überaus beliebt. Ob Ellison gar eine Lösung findet, beide an Bord zu halten? Laut "Puck"-Reporterin Masters hat Bloys eine starke Verhandlungsposition: Sein Vertrag sieht vor, dass er direkt an den CEO seines Arbeitgebers berichtet. Ellison könnte ihm eine Stelle anbieten, die bei ihm angesiedelt ist und nicht das gesamte Streaming-Geschäft umfasst, sondern nur die Perle HBO.
Dazu muss es allerdings erst zum Vollzug der Transaktion kommen. Da der Widerstand dagegen enorm wächst und vor allem der hohe Finanzierungsanteil arabischer Staatsfonds zum Problem werden könnte, analysieren wir morgen an dieser Stelle die Fallstricke, an denen WarnerMount noch scheitern könnte.
US-Studios im Umbruch – bisher erschienen
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