Wann immer in der Fernsehbranche über RTL gesprochen wird, kann man sich sicher sein, dass das Gespräch irgendwann auf Stefan Raab kommt. Und tatsächlich lässt sich nicht bestreiten, dass Raabs TV-Comeback vor nunmehr fast zwei Jahren ein echter Coup war für den Kölner Sender und seine Content-Chefin Inga Leschek. An die Stelle der anfänglichen Euphorie ist inzwischen allerdings Ernüchterung gerückt, auch weil längst die Erkenntnis reifte, dass Raabs Weekly – gewissermaßen dem Kernstück der mehrjährigen Zusammenarbeit – wohl kaum mehr zu retten sein.
Bestand vor einem Jahr, nach dem Aus der unglücklichen Genre-Mix-Show "Du gewinnst hier nicht die Million" noch die Hoffnung, mit einer klarer fokussierten "Stefan Raab Show" den Turnaround schaffen zu können, sendet Raab inzwischen längst am Programmrand – auf einem Sendeplatz, für den man unter normalen Umständen kaum gewillt wäre, so viel Geld in die Hand zu nehmen. Weil für Raab die erfolgversprechenderen Nachberichte zur Europa League immer wieder zu Nitro abgeschoben werden mussten, wo diese aber von den Fans kaum gefunden wurden, ergab sich streng genommen eine Lose-Lose-Situation. Bezeichnend, dass RTL auf Raabs einstigem Primetime-Platz am Mittwochabend ausgerechnet dann die besten Quoten holte, als Raab dort schon längst nicht mehr sendete: Mit seinen "Inside"-Reportagen pushte der Sender den Marktanteil mal eben auf zeitweise mehr als 20 Prozent.
Gäbe es die Weekly nicht, würde die Raab-Bilanz womöglich anders ausfallen. Denn auch wenn sein mäßig unterhaltsamer Rateshow-Neustart "Die Unzerquizbaren" beim Publikum durchfiel, so legte "Wer weiß wie wann was war?" mit Barbara Schöneberger und Stefan Raab einen umso erfolgreicheren Start am Samstagabend hin. Auch die Spielshow "Stefan und Bully gegen irgendson Schnulli" konnte das zwischenzeitliche Quotentief zuletzt überwinden. Beide Formate zeigen: RTL kann am Samstagabend noch Erfolge feiern, auch wenn "Drei gegen Einen" und die "Pumuckl-Show" als Flops abgehakt werden müssen. Selbst "Deutschland sucht den Superstar" hielt sich zuletzt einigermaßen respektabel und empfahl sich für einen weiteren Durchgang. Unklar bleibt dagegen vorerst, wie es mit "Denn sie wissen nicht, was passiert" weitergehen wird. Nach dem aus Quotensicht überaus erfolgreichen Gottschalk-Abschied tat sich eine Fortsetzung mit neuem Cast recht schwer.
Abseits der Shows versuchte RTL derweil, am Samstagabend mit Fußball über die Runden zu kommen. Dabei zeigte sich allerdings, dass die 2. Bundesliga aus Quotensicht dann auch selbst meist nur zweite Liga ist. Ohnehin verfolgen die Kölner am Wochenende inzwischen zunehmend eine Sport-Strategie, die man noch vor einigen Jahren bei Spartensendern vermutet hätte, schließlich hat RTL zusätzlich zur 2. Bundesliga auch noch die NFL im Programm, die insbesondere in der Primetime weiterhin nur überschaubare Reichweiten generiert. Immerhin: Mit der Übertragung der "Oktagon"-Kämpfe gab's einen Achtungserfolg für RTL. Größtes sportliches Zugpferd blieben neben den vom Erfolg des SC Freiburg geprägten Europa-League-Spielen vor allem die Spiele der Fußball-Nationalmannschaft. Auch die Basketball-EM und das Frech-Open-Finale mit Alexander Zverev waren überaus Straßenfeger, wenngleich sich diese beiden Erfolge eher nicht so leicht wiederholen lassen – zumal die Basketball-Nationalmannschaft künftig bei ProSieben spielen wird.
Starkes Fundament mit Daytime und Dauerbrennern
Gleichwohl könnte es bei RTL bald mehr sportliche Hits geben, wenn die Synergien mit Sky vermehrt zum Tragen kommen. Auf solche setzt man in Köln inzwischen auch mit ntv: Das neuerdings gemeinsam produzierte Morgenprogramm, das an die Stelle der "Punkt"-Magazine rückte, schlug sich in den ersten Wochen zumindest solide. Ansonsten sorgen Magazine, Gerichtsshows, Soaps und "RTL aktuell" tagsüber für ein stabiles Fundament, das Rückschläge - wie jüngst mit der TV-Adaption von "Hitster" erlitten - gut verkraften lässt.
Und anders als etwa ProSieben und Sat.1 gelingt es RTL in der Primetime noch immer, regelmäßig hohe Gesamt-Reichweiten zu erzielen - auch abseits des Sports. Dafür sorgen vor allem Dauerbrenner wie "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!", "Wer wird Millionär?", "Bauer sucht Frau" und "Let's Dance", aber vermehrt auch die Krimireihen, die am "tödlichen Dienst-Tag" laufen. Allesamt Formate also, die nicht zuletzt jene Zielgruppen ansprechen, die auch 2026 noch in großer Masse vor dem Fernseher sitzen. Mehr drin wäre perspektivisch vielleicht auch wieder mit fiktionalen Produktionen abseits der handelsüblichen Krimis. Hier stellte gerade erst das "Lehrer"-Comeback unter Beweis, dass der Sender selbst im lange vernachlässigten Serien-Bereich mit der richtigen Mischung auf Stoff und Stars erfolgreich sein kann.
Konstant programmierte Dauerbrenner sorgten letztlich also für das nötige Grundrauschen in der zurückliegenden Saison. Das wiederum half dabei, die RTL-Marktanteile in den Zielgruppen der 14- bis 49-Jährigen und 14- bis 59-Jährigen weitgehend stabil zu halten, während jung positionierte Formate, insbesondere im Reality-Bereich inzwischen vor allem für RTL+ produziert werden. Es ist eine weitestgehend klare Aufgabenteilung, mit der die Kölner versuchen, möglichst beide Welten in einem sich massiv verändernden Umfeld zu bedienen.
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