Es ist ein Anblick, an den man sich in der TV-Branche längst gewöhnt hat: Mit deutlichem Vorsprung ist das ZDF seit vielen Jahren Marktführer beim Gesamtpublikum - und daran hat sich auch in der Saison 2025/26 nichts geändert. Nahezu ausnahmslos lagen die Marktanteile bei mehr als 14 Prozent, in den von Handball-EM und Olympischen Winterspielen geprägten Monaten Januar und Februar war der öffentlich-rechtliche Sender sogar noch stärker. So betrug der Februar-Marktanteil herausragende 17,1 Prozent.

Doch streng genommen ist das ZDF auf sportliche Großevents dieser Art kaum angewiesen, weil der öffentlich-rechtliche Sender der Konkurrenz schon mit seinem Regelprogramm über weite Strecken des Tages hinweg komplett überlegen ist. Das beginnt schon am Vormittag mit "Volle Kanne" und diversen Krimi-Wiederholungen über die Dauerbrenner "Küchenschlacht" und "Bares für Rares" bis hin zu "Hallo Deutschland", den "SOKO"-Serien und den "heute"-Nachrichten. Marktanteile von weit über 20 Prozent sind in dieser Zeit eher die Regel als die Ausnahme.

Dazu kommt, dass das "heute-journal" um 21:45 Uhr fast immer einen Einschaltimpuls bietet, selbst wenn das Vorprogramm mal nicht so erfolgreich sein sollte. Letzteres kommt zwar nicht so oft vor, aber lässt sich auch im ZDF nicht verhindern. So enttäuschten etwa die XXL-Ausgaben der "Küchenschlacht" mit weit weniger als zwei Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern und auch der Mehrteiler "Ku'damm 77" konnte nicht an den großen Erfolg der Vorgängerstaffeln anknüpfen. 

Krimi-Erfolge und viele Dauerbrenner

Doch für gewöhnlich halten sich auch die Primetime-Baustellen in Grenzen, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass das ZDF zahlreiche Sendeplätze mit quotenstarken Krimis zupflastert: Montags, freitags und samstags geht der Sender nur allzu oft auf Mörderjagd - und wenn's sein muss, auch an anderen Tagen. Und auch das ZDF inzwischen an manchen Stellen spart: Für neue Serien wie "Mordufer", gestartet mit über fünf Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern, findet sich immer ein Platz. Abseits der Krimis feiert das ZDF zudem nicht zuletzt mit Dauerbrennern wie "Bergdoktor", "Bergrettern" und "Lena Lorenz" am Donnerstagabend konstante Erfolge. Mit "Einfach Elli" feierte zudem eine neue Reihe auf diesem Platz eine gelungene Premiere, etwas schwächer startete "Die Maiwald".

Selbst in der Comedy hat sich das ZDF inzwischen längst als Macht etabliert: so konnte das ohnehin schon starke "heute-show"-Universum in den zurückliegenden Monaten noch weiter ausgebaut werden und Jan Böhmermanns "ZDF Magazin Royale" feierte trotz geringerer Schlagzahl neue Bestwerte sowie einen guten Einstand seines "Vor Ort"-Ablegers. Beide Formate gehören noch dazu auch in der zeitversetzten Nutzung zu den größtem Hits des Senders - insbesondere beim jungen Publikum, wo gerne mal Marktanteile um 30 Prozent erzielt werden.

Und dann ist da auch noch "Aktenzeichen XY", seit Jahrzehnten ein Garant für starke Quoten. Auch der True-Crime-Ableger "XY gelöst" bewegte sich jüngst beinahe auf Flughöhe des Originals. Davon sind "XY History" und das neue Vorabend-Spin-Off "XY Spuren des Verbrechens" noch ein Stück entfernt. Allerdings erweist sich der Sendeplatz am Mittwoch um 19:25 Uhr, auf dem das ZDF den jüngsten "XY"-Ableger zuletzt testete, generell noch nicht als Maß aller Dinge, wenngleich man sich hier mit Marktanteilen von knapp unter zehn Prozent inzwischen stabilisieren konnte. Doch während die "Lebensretter von Murnau" oder "Besseresser goes Schule" ordentlich performten, ging der Sender mit den "Garden Dreams" baden - einer der wenigen echten Flops aus Mainz.

Wenig Innovation stellte das ZDF derweil auf der großen Show-Bühne unter Beweis, auf der man vor allem auf Johannes B. Kerner und Giovanni Zarrella setzt. Hier dürfte es vor allem zum Jahresende mit Blick auf das "Wetten, das..?"-Comeback mit den Kaulitz-Zwillingen wieder aufregender werden. Ohnehin bleibt der Eindruck, dass das ZDF-Hauptprogramm in der zurückliegenden Saison das ganz große Risiko gescheut hat, während sperrigere Serien und Formate inzwischen längst vor allem mit Blick auf ZDFneo und die Mediathek, inzwischen Streamingportal genannt, produziert werden. Die Marktführerschaft dürfte damit auf absehbare Zeit nicht in Gefahr geraten.