Nachdem Vox in der Saison 2024/25 noch einen kräftigen Dämpfer erhalten hatte, sieht die Bilanz nach der Saison 2025/26 besser aus: Der Sender hat sich nicht nur stabilisiert, sondern konnte seinen Marktanteil sogar wieder leicht steigern – und damit in beiden Zielgruppen-Definitionen auch Sat.1 in den meisten Monaten wieder hinter sich lassen. Das lag unter anderem daran, dass man zwei langjährige Leuchttürme, die zuletzt deutliche Gebrauchsspuren aufwiesen, erfolgreich wieder stärker zum Strahlen gebracht hat.

Da wäre zum Einen "Sing meinen Song", das nicht nur die höchsten Marktanteile in der klassischen Zielgruppe seit neun Jahren einfahren konnte, sondern auch in Sachen absoluter Reichweite so gut dastand wie seit 2021 nicht mehr. Und da wäre zum Anderen "Die Höhle der Löwen", wo man etwas am Konzept geschraubt und zudem mit Frank Thelen einer der Ur-Löwen zurückgebracht hat und damit ebenfalls den Quoten-Sinkflug der letzten Jahre umkehren konnte.

Henssler und Mälzer: Wäre weniger mehr?

Während hier an den Ursprungsformaten gearbeitet wurde, versuchte man mit den etablierten Sendergesichtern Steffen Henssler und Tim Mälzer weitere Formate an den Start zu bringen. Hier fällt die Bilanz allerdings durchwachsen aus. "Mälzers Meisterklasse" legte zwar noch einen ordentlichen Start hin, tat sich im Verlauf dann allerdings zunehmend schwer und konnte die Erwartungen aus Quotensicht letztlich nicht erfüllen. Dass Mälzer dafür bei "Kitchen Impossible" kürzertrat und nur noch in der Hälfte der Folgen zu sehen war, hat diesem Format zudem geschadet. Das eigentliche Gesicht eines Formats lässt sich offenbar nicht so ohne weiteres ersetzen.

Das gilt auch für "...liefern ab", das trotz des nochmaligen Schraubens am Konzept schon mit Mälzer kein Hit war, ohne ihn aber noch schlechter lief. Der frühere Mälzer-Kontrahent Steffen Henssler ist hier ja schon länger nicht mehr dabei, hatte aber trotzdem alle Hände voll zu tun. Neben "Grill den Henssler" startete Vox noch "Europa grillt den Henssler", "Hensslers Dreamteam" und "Grenzenlos genial gekocht". Überzeugen konnte darunter vor allem letzteres - angesichts der Erkrankung von Johann Lafer ist mit einem weiteren Roadtrip der beiden kurzfristig aber wohl nicht zu rechnen.

"Hensslers Dreamteam" war der Versuch, Koch- und Quiz-Format zu mixen, das nicht nur inhaltlich holperte, sondern auch aus Quotensicht - vor allem mit Blick auf die etwas jüngeren Zuschauerinnen und Zuschauer. "Europa grillt den Henssler" wiederum lief zwar etwas besser, aber blieb trotzdem leicht hinter dem zurück, was einfach normale Folgen von "Grill den Henssler" sonst erzielt hatten. Voran gebracht hat die Erweiterung des Henssler-Portfolios Vox damit letztlich also nicht.

Eine positive Erkenntnis aus der letzten Saison im Koch-Segment sei hier auch noch erwähnt: Unter den Mälzer-freien Folgen von "Kitchen Impossible" lief die rein weiblich besetzte Team-Edition am besten - es könnte sich also auch in Zukunft lohnen, es ab und an mal mit einem etwas geringeren Testosteron-Faktor zu probieren.

Lege kommt in Fahrt, Doc Caro quizzt jetzt auch

Nicht nur mit Henssler versuchte man es auf der Quiz-Schiene, auch Doc Caro wurde neben den Reihen "Hautnah" und "Jedes Leben zählt" mit "Körperkenner" noch ein Quizformat geschneidert. Die zweite Folge verlor zwar leicht an Boden, trotzdem kann Vox die Premiere mit ordentlichen Quoten als recht gelungen abhaken, auch die anderen beiden Formate laufen weiterhin recht gut, ohne aus Quotensicht echte Abräumer zu sein. Immer besser in Fahrt kommt bei Vox unterdessen Sebastian Lege, zwischenzeitlich gar mit zweistelligen Marktanteilen beim jungen Publikum. Dass er nun ganz vom ZDF zu RTL Deutschland wechselt, ist aus Sicht der Kölner also ein guter Zug.

Von der Entscheidung Rütters Welpen-Format von RTL zu Vox zu holen, dürfte man sich hingegen mehr erhofft haben. Ebenso vom Versuch, die Kreuzfahrt-Fans zu bedienen: "Volle Kraft voraus" lief so schlecht, dass nach zwei Wochen am Freitagabend wieder Schluss war. Noch schneller die Primetime räumen musste nur Heino: Für den Blick auf dessen Karriere und Leben konnten sich so wenige erwärmen, dass man nach dem ersten Abend die Notbremse zog. Vielleicht sollte Vox also doch lieber bei Promis vom Schlage einer Daniela Katzenberger bleiben: Die liefert freitags nach wie vor ordentliche Quoten, "Goodbye Deutschland" oder "Hot oder Schrott" - die sich auch mit alten Folgen immer wieder an zahlreichen Stellen im Programm wiederfinden. 

Der "First Dates"-Schock: Gerade nochmal gut gegangen

Ein Blick zurück auf die Saison wäre aber nicht vollständig ohne die eine Programmentscheidung, die so viele Diskussionen ausgelöst hat wie keine andere von Vox in der letzten Saison: Am 10. Oktober beschloss man, die Produktion neuer Folgen von "First Dates" vorerst einzustellen. Die Rechnung: Man hat ja bereits etliches Material vorproduziert, damit würde man sich erstmal über die Zeit hangeln - und je nach Entwicklung des Werbemarkts könnte man dann ja früher oder später doch wieder in die Produktion einsteigen. 

Doch vor lauter Spar-Drang hatte man offensichtlich ein paar Details übersehen. Wie etwa, dass man bei einem Lizenzformat gar nicht einfach so auf Pause drücken kann, ohne dass man Gefahr läuft, die Rechte gänzlich zu verlieren - denn Interesse von anderer Seite gab's offenbar reichlich. An der Stelle sei Wärmsten das DWDL-Interview mit dem Produzenten René Jamm empfohlen, der berichtet, wie konsterniert alle von der Entscheidung waren - und wie Vox und RTL in der Konsequenz um ein Haar "First Dates" los gewesen wären. Es wäre ein Schlag ins Kontor gewesen, bildet es doch gemeinsam mit dem "Perfekten Dinner" einen erfolgreichen Vorabend, wie man sich ihn sich beispielsweise bei Sat.1 nur erträumen kann - und damit eine tragende Säule des Vox-Erfolgs generell. Zudem sorgt der Ableger "First Dates Hotel" auch noch für gute (wenn auch leicht rückläufige) Quoten in der Primetime. Vielleicht dient die unrühmliche Episode künftig zumindest als Warnung, dass man auch ein erfolgreiches Programm schneller tot sparen kann, als man glaubt.