Blickt man auf die vergangene Saison von Netflix zurück, dann fallen den meisten vermutlich zuerst die ganz großen Franchises ein - allen voran "Stranger Things", das nach jahrelanger Wartezeit auf die fünfte Staffel zum Jahreswechsel zu Ende gebracht wurde. Ein paar Monate vorher verabschiedete sich mit "Squid Game" schon eine andere Serie, die die Welt einst im Sturm eroberte. Dazu räumten "Wednesday" und "Bridgerton" mit neuen Staffeln ab. Gegenstand unserer Saison-Bilanz soll aber vor allem die Frage sein, wie gut sich die deutschen Produktionen schlagen konnten.
Und tatsächlich hat es das deutsche Netflix-Team wieder geschafft, einen internationalen Serien-Erfolg auf die Plattform zu bringen: "Unfamiliar" legte weltweit sogar den erfolgreichsten Start einer deutschen Netflix-Serie seit "Liebes Kind" hin und zählte elf Tage nach der Veröffentlichung bereits über 15 Millionen Views. Die Serie erreichte in 90 Ländern die Top 10, in 35 Ländern Platz 1. Auf dem deutschen Heimatmarkt verschwand sie allerdings schon nach fünf Wochen wieder aus dem Ranking - deutlich schneller als etwa im Vorjahr "Cassandra" oder "Achtsam Morden" im vergangenen Jahr.
Diesmal nur eine deutsche Produktion in deutschen Top 10
Weil Netflix keine Zuschauerzahlen für Deutschland, sondern nur wöchentliche Top10-Rankings ohne genaue Daten auf Länderbasis veröffentlicht, haben wir diese dafür nach der gleichen Systematik wie im vergangenen Jahr ausgewertet. Wir haben also zum Einen die Anzahl der Wochen ermittelt, in denen es für Inhalte eine Top 10-Platzierung gab. Zudem haben wir Punkte vergeben: Wer in einer Woche auf Platz 1 stand, erhielt zehn Punkte, auf Platz 2 neun etc. Die sich daraus ergebende Rangliste spiegelt zwar nicht unbedingt wider, welche Serie letztlich am meisten Zuschauerinnen und Zuschauer erreicht hat, sie zeigt aber, wie präsent Serien in den letzten 12 Monaten auf Netflix waren.
Im vergangenen Jahr ergab sich nach dieser Systematik noch ein erstaunlich starkes Abschneiden lokaler Produktionen auf dem heimischen Markt mit drei deutschen Serien in den Top 10, darunter zwei auf den Plätzen 3 und 4. In der Saison 2025/26 hingegen waren es die eingangs erwähnten großen Franchises, die klar dominierten, "Unfamiliar" verpasst den Einzug auf Rang 14 hingegen knapp. Einzige deutsche Produktion in den Top 10 stattdessen: Die zweite Staffel von "Kaulitz & Kaulitz", die sich im Sommer vergangenen Jahres sechs Wochen in den Top 10 halten konnte und den schon im Vorjahr erreichten zehnten Platz damit verteidigte.
Netflix-Ranking für Deutschland (Serielle Inhalte)
| Wochen in Top 10 | Ranking-Punkte* | |
| Stranger Things (5. Staffel) | 10 | 76 |
| Wednesday (2. Staffel) | 10 | 75 |
| Bridgerton (4. Staffel) | 10 | 72 |
| Untamed | 8 | 56 |
| Squid Game (3. Staffel) | 7 | 53 |
| His & Hers | 7 | 52 |
| Stranger Things (1. Staffel) | 9 | 46 |
| Wednesday (1. Staffel) | 8 | 46 |
| One Piece (2. Staffel) | 5 | 41 |
| Kaulitz & Kaulitz (2. Staffel) | 6 | 39 |
*Dem Ranking liegt eine Auswertung der wöchentlichen deutschen Netflix-Top10 im Bereich Shows (also ohne Filme) zugrunde. Für Platz 1 wurden zehn Punkte vergeben, für Platz 2 neun etc. bis zu einem Punkt für Platz 10. Der Auswertungs-Zeitraum war 16.6.2025-21.6.2026;
Einen Sonderfall stellt "Achtsam Morden" dar, weil die zweite Staffel erste Ende Mai an den Start ging und dadurch erst vier Wochen lang die Möglichkeit einer Top 10-Platzierung hatte. Und die hat sie seither auch genutzt: Sie stürmte direkt auf Platz 1, belegte zwei weitere Wochen den zweiten Platz und liegt nun auf Rang 4 im Serien-Ranking. In unserer Auswertung liegt sie damit schon auf Rang 12. Besonders erfreulich ist dabei, dass sich der gleiche Catch-Up-Effekt, der sich bei vielen erfolgreichen Netflix-Produktionen zeigt, auch bei "Achtsam Morden" beobachten ließ: Im Umfeld der zweiten Staffel stieg direkt auch nochmal Staffel 1 für drei Wochen in die deutschen Netflix-Charts ein.
Ganz anders fällt die Bilanz bei der zweiten Staffel von "Crooks" aus: Schon in Deutschland blitzte sie nur ganz kurz für eine Woche auf Rang 9 im Serien-Ranking auf, international spielte sie in den Top 10 überhaupt keine Rolle - damit dürfte sie für Netflix ein veritabler Flop gewesen sein. Ziemlich ernüchtern lief es trotz des auffälligen Titels auch für die Comedyserie "Kacken an der Havel": Mehr als zwei Wochen auf Rang 6 im deutschen Ranking konnte die Serie nicht erzielen. Besser abgeschnitten hat da im Herbst "Alphamännchen", das sich zumindest vier Wochen in den deutschen Top 10 halten konnte. Die weltweiten Viewer-Zahlen von 2,9 Millionen im zweiten Halbjahr waren freilich trotzdem überschaubar - dass die lokale Adaption einer Comedyserie keine besonders guten Chancen hat, weltweit zu reisen, dürfte aber von vornherein klar gewesen sein.
Auch vor allem mit Blick aufs deutschsprachige Publikum produziert wird die deutsche Version des internationalen Erfolgsformats "Love is Blind". Und auch wenn Reality bei Netflix eine kleinere Rolle spielt als etwa bei RTL+: Während der Veröffentlichung neuer Folgen stand das Format drei Wochen lang in den deutschen Charts auf den vorderen Plätzen. Letztlich ergibt sich für Netflix im seriellen Bereich also eine gemischte Bilanz mit schönen Erfolgen, etwas Mittelmaß - und echten Fehlschlägen.
Filme: Zwischen Talk of Town und weltweiten Erfolgen
Wenn man Erfolg daran misst, ob eine Produktion zum Talk of Town wird, dann hat Netflix das in der letzten Saison aber weniger mit Serien, als mit einer Doku geschafft: "Babo - Die Haftbefehl-Story" war im Herbst in aller Munde, es wurde gar darüber diskutiert, den Film - der nicht von allen Seiten Lob erfuhr - in Schulen zu zeigen und zu besprechen. Immerhin zwei Wochen lang war es hierzulande der meistgesehene Netflix-Film überhaupt, weltweit brachte er es auf fast siebeneinhalb Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer, von denen der allergrößte Teil sicherlich aus dem deutschsprachigen Raum kam. Für einen dokumentarischen Film ein Riesen-Erfolg. Ähnlichen Impact hatte "Barbara - Becoming Shirin David" nicht, drei Wochen mit Top 10-Platzierung gab's nach der Veröffentlichung trotzdem.
Bei fiktionalen Filmen legt Netflix freilich andere Maßstäbe an, zumal diese idealerweise weltweit funktionieren - doch auch gemessen an diesen war die vergangene Saison für das deutsche Netflix-Team eine richtig gute. Der im Juli veröffentlichte Film "Brick" verzeichnete weltweit 66,7 Millionen Views und landet damit im 2. Halbjahr in der internationalen Netflix-Top 10. Der Erotik-Thriller "Fall for me" mit Svenja Jung platzierte sich mit über 50 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern in den Top 20, "She said maybe" sahen weltweit um die 25 Millionen, allesamt im 2. Halbjahr. Fürs erste Halbjahr 2026 liegt die Gesamt-Auswertung noch nicht vor, auch "Eat Pray Bark" funktionierte aber offensichtlich gut, erreichte die Top 10 in 53 Ländern und zählte nach drei Wochen schon über 16 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. Zahlen, wie sie für deutsche Produktionen außerhalb eines internationalen Streamers wie Netflix kaum denkbar wären.
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