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Im September 2016, rund drei Wochen vor dem Start, erklärte Hager: "Bei uns stehen die Inhalte im Vordergrund. Unser Name steht an zweiter Stelle und soll sich über die Inhalte aufladen. Deshalb kommt der Name zusammen mit den konkreten Formaten zum Start Anfang Oktober." Tatsächlich wurde der Name Funk erst Ende September öffentlich gemacht. Das hatte neben dem geplanten Fokus auf die Inhalte aber noch einen ganz anderen Hintergrund. Einen, über den DWDL.de zum 10. Geburtstag erstmals berichtet.
Funk sollte zunächst nämlich gar nicht Funk heißen, sondern: EinsZwo. Das bestätigt der damalige Funk-Chef Florian Hager im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de. Der doppeldeutige Hintergrund: Die ARD (Das Erste) und das ZDF (Das Zweite) wären in diesem Namen stilisiert vorgekommen, gleichzeitig hätte EinsZwo einen Bezug zur HipHop-Kultur gehabt. Unter der Bezeichnung gab es bis 2003 nämlich eine Band, deren zwei Mitglieder Daniel Ebel aka Dendemann und Thomas Jensen aka DJ Rabauke waren.
Die lange Suche nach dem Namen
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Florian Hager vor mehr als zehn Jahren als erster Funk-Chef.
Eine rechtliche Überprüfung der Situation habe dann ergeben, dass die entsprechenden Markenrechte frei waren. Er habe das dann aber noch einmal mit der Band klären wollen und organisierte deshalb nach eigenen Angaben ein Gespräch mit Dendemann. Der habe nicht den Eindruck vermittelt, als würde ihn das Vorhaben stören - also setzte Funk-Chef Hager seine Idee um und informierte zunächst die Intendantinnen und Intendanten vom Namen, den man gefunden hatte.
"EinsZwo war eine Band, die ich geliebt habe."
Florian Hager
Und die Intendantinnen und Intendanten der ARD-Häuser sowie des ZDF waren zu der Zeit vielleicht die wichtigste Zielgruppe für Florian Hager - sie waren es schließlich, die das Projekt finanzierten. Und sie mussten ohnehin schon mehrere Kröten schlucken. So waren die Öffentlich-Rechtlichen zunächst nicht glücklich mit der Entscheidung der Medienpolitik, dass das junge Angebot ausschließlich online existieren sollten. Sie wollten eigentlich einen TV-Sender. Als Hager die Planungen schließlich vorantrieb, kämpfte er gegen die traditionellen Vorstellungen der alteingesessenen Führungspersönlichkeiten, die sich unter anderem wunderten, wieso es keine deutschlandweite Plakatkampagne zum Start geben würde.
Dass sich die Intendantinnen und Intendanten daran störten, lange nicht zu wissen, wie das junge Angebot heißen sollte, passt in das Bild einer Zeit, in der die lineare Welt noch die mit Abstand wichtigste war. Doch nachdem Hager die Entscheidung zu EinsZwo getroffen hatte, schien die Welt in Ordnung und das Projekt auf Schiene - bis sich wenige Monate vor dem Start die Managerin der HipHop-Band von einst meldete und erklärte, dass man den Namen nicht hergeben wolle.
#FreeEinsZwo: Versteckte Kampagne
Hager sagt im Gespräch mit DWDL.de, dass er zunächst hart geblieben sei, weil er den Namen intern gerade erst bekannt gegeben hatte. "Die Gespräche waren nicht sehr freundlich, da wurde sich auch gegenseitig gedroht", sagt er heute im Rückblick. Dass er schließlich doch zurückruderte, lag an einer Kampagne, die die längst aufgelöste Band auf Twitter startete. Unter dem Hashtag #FreeEinsZwo meldeten sich nicht nur das HipHop-Duo von einst sowie etliche Fans zu Wort, sondern auch Musik-Größen wie Jan Delay, Marteria, Eko Fresh, Kraftklub, Deichkind, die Beatsteaks und viele weitere.
Der erste Tweet wurde damals am 8. Juli 2016 abgesetzt, so viel lässt sich heute noch rekonstruieren. Das Problem: Durch die Tatsache, dass die meisten Tweets nur aus dem Hashtag bestanden, schossen die Spekulationen ins Kraut. Schließlich sprangen auch einige Fachmedien auf den Zug auf und spekulierten, die Band von einst könnte ein Comeback planen. Die "SZ" fragte: "Steht uns bald ein Comeback von Eins Zwo bevor?" Was bis heute nur die wenigsten wissen: Es war nicht der geheime Code zur Ankündigung eines neuen Albums oder eines Comebacks, sondern eine versteckte Botschaft an Florian Hager: Dieser Name gehört uns.
Hager erkannte damals die Gefahr, sich noch vor dem Start des jungen Angebots einen mächtigen Feind in der Zielgruppe zu machen - schließlich gab er nach und mit Funk wurde in wenigen Wochen ein neuer Name gefunden. "Ich habe jede Intendantin und jeden Intendanten einzeln abtelefoniert, um ihnen zu erklären, warum wir doch nicht EinsZwo heißen können", sagt Hager, der von einem "ganz schwierigen Moment" spricht. Denn von den ARD-Granden gab es nicht nur Verständnis - viele von ihnen hätten darauf gepocht, dass rechtlich alles sauber sei. Und dann stand man zunächst ja wieder bei null, nachdem man zuvor lange einen Namen gesucht hatte.
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"Schwieriger Moment": Florian Hager und Sophie Burkhardt (heute Channelmanagerin ARD Mediathek und stellvertretende ARD-Programmdirektorin) hatten im Vorfeld des Funk-Starts viele Baustellen
"Es ist egal, wie das Angebot heißt"
Diese Geschichte erklärt auch, wieso lange nicht öffentlich bekannt war, wie das junge Angebot von ARD und ZDF heißen würde. Im Hintergrund gab es nämlich viel mehr Hickhack um den Namen als bislang bekannt war. Erst kurz vor dem Start am 1. Oktober 2016 machten die Verantwortlichen den Namen Funk öffentlich.
"Mir war das alles sehr unangenehm, denn ich war ein Riesenfan von Dende und hatte dann aber das Gefühl, gegen mein Idol vorzugehen", sagt Florian Hager heute. Eine Aussprache mit dem Musiker, der damals auch Teil des "Neo Magazin Royale" war, gab es nie. Auf eine Anfrage von DWDL.de hat Dendemann nicht reagiert. Mit Funk habe man am Ende "einen deutlich besseren Namen gefunden", so Hager. Und letztlich war es doch so, wie er es am Anfang prognostiziert hatte: "Es ist egal, wie das Angebot heißt". Mittlerweile kommt Funk als Marke in der anvisierten Zielgruppe auf eine Bekanntheit von fast 90 Prozent - davon konnte im Sommer 2016 nun wirklich niemand ausgehen.
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